Ein Generationshof

Posted by on 26. Juli 2010

In immer mehr Höfen sagen sich Natur und Architektur mittlerweile Guten Tag. Was einst als Wirtschaftsfläche und -gebäude geplant und angelegt wurde, ist vielen Menschen heute die genussvolle Verlängerung der persönlichen Wohnräume. Höfe verwandelten sich besonders in den letzten Jahren zu grünen oder blumigen Oasen der stillen Lebensfreude und zu Stätten der Begegnung für die ganze Familie, mit Freunden und Bekannten. Einblicke in diese meist versteckten Refugien hinter den Häusern will diese Serie geben.

Von Iris Henning

KAMMERFORST.

Herausgeputzt ist der Mey-Hof an der Straße der Einheit, die die Hauptstraße der Hainichgemeinde ist. Immer schöner gestalten die Kammerforster die Fassaden ihrer Häuser. Beinahe so, als würden sie im heimlichen Wettstreit um das schönste Haus stehen. Diese Mühe bekommt dem Dorf. Längst gilt Kammerforst als eine emporstrebende Gemeinde, die dem sanften Tourismus zugeneigt ist.

Für Gäste öffnet auch gern die Familie Mey ihren Hof, der fast ein Denkmal ist. Die Jahreszahl 1624 ist am Haupthaus zu lesen. Ob der angenzende Hof auch schon knapp 400 Jahre alt ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Fest steht, dass Haus und der Hof seit 1805 in Besitz der Familie Mey ist. Von einer Familie Müller hat Johann Andreas Mey, der damalige Gemeinde-Syndicus, das Anwesen gekauft. Mit seiner Frau Catharina wohnte er hier. Sieben Kinder kamen zur Welt. Der Hof wurde von Generation zu Generation weiter vererbt. Er war Heim und Berufsstätte für Anspanner, Zimmermann, Landwirt und Metzger. Mit dem Urururenkel des einstigen Syndicus, Gerhard Heinz Mey, kam die Kunst auf den Hof. Er schlug so ganz aus der Art, reihte sich nicht ein in die Traditionslinie der Handwerkszünfte. Gerhard Heinz Mey wurde Tanz- und Unterhaltungsmusiker und brachte viel Freude in das ganze Dorf. Noch heute ist besonders bei den Älteren die „Mey-Hymne“ beliebt, wie das Volkslied „Der Mai ist gekommen“ scherzhaft genannt wird.

Mit dem Sinn für das Schöne, das das Leben bereichern kann, war es auch Gerhard Mey, der in späteren Jahren begann, den Mey-Hof als Lebensraum zu erschließen. An das Aussehen um das Jahr 1950 erinnern heute nur noch Fotos. Grau geputzte Fassaden zeigen diese Bilder. Arbeit und Mühsal lassen sich erahnen. In jenen Zeiten war kein Platz für ein Genießereckchen, bei den Meys genauso wenig wie in en meisten Bauernhöfen.

Wie anders zeigt sich der Mey-Hof heute: Als Fachwerk-Ensemble bietet es dem Betrachter reine Freude. Und auch das „Stolperpflaster“ wurde längst zum Hingucker – der Denkmalpflege sei Dank. Sie ist es, die diesem historische Kopfstenpflaster vor allem seit den letzten Jahren landauf, landab wieder zu mehr und mehr Ansehen und Würde verhilft. „Naja, ist ja auch wirklich schön“, sind Gerhard und seine Frau Christa längst stolz auf die gelungene Verbindung zwischen historischem Bauernhof, auf dem sich immer noch Hühner, Hund und Katze wohlfühlen, und modernem Wohnen.

Der Mey-Hof bleibt auch künftig in Familienbesitz. Übertragen haben die Mey-Senioren ihr Anwesen auf die nächste Generation. Irmfried Mey und seine Frau Iris haben gern die Verantwortung übernommen. „Es wohnt sich schön hier, hier ist unser Zuhause“, fühlen sie sich wohl.

DIASCHAU

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