Aufrappeln und Weg suchen

Posted by on 19. Juni 2010
Die Ausstellung „Kopplung“ ist die letzte im Galerie-Haus und könnte zum Meilenstein werden

Selten waren in den vergangenen zwei Jahren die Gesichter der Mitglieder des „Kunstwestthüringers“ so glücklich. Die letzte Ausstellungseröffnung in ihrem Vereinshaus an der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße unter dem Titel „Kopplung“ wurde ein schöner Erfolg.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

Diesen Erfolg hatte der Verein, der in seinem 20. Jubiläumsjahr steht, bitter nötig. Hatte er doch in letzter Zeit einige Tiefschläge verkraften müssen. Die meisten Ausstellungseröffnungen fanden kaum Beachtung und die letzten zwei Kunstauktionen endeten mit sehr spärlichem Ergebnis. Die immer knapper werdende finanzielle Förderung schnürte zudem zusehends die Luft ab. Die kollektive Kraft des bis dahin sehr schaffensreichen Vereins erlahmte. Es gab ernste Diskussionen, wie und ob es denn nun weiter gehen könne.

Es kann weiter gehen. Die Eröffnung der jüngsten Ausstellung „Kopplung“ im Vereinshaus der Künstler zeigte sowohl nach außen als auch nach innen deren Vermögen und Kraft, sich trotz großer Probleme in ansehensenswerter Vielfalt darstellen zu können. Trotz des starken Drucks, dem der Verein gegenwärtig ausgesetzt ist, gelang es ihm, mit dieser Ausstellungseröffnung an frühere Erfolge anzuknüpfen: Sie machten diese Schau vor großem Publikum zu einem kleinen gesellschaftlichen Ereignis, worüber vermutlich noch einige Zeit gesprochen wird.

Dabei ging der Kunstwestthüringer durchaus ein Wagnis ein. Die volkstümliche Blasmusik der Gutshofmusikanten, die immer mal wieder einsetzte, und die bildende Kunst der hohen Schule wollten eigentlich nicht so recht zusammenpassen. Aber gerade, weil es partout nicht passte, war es schön. Schön schräg.

Eine weitere Überraschung am Abend war die außergewöhnliche Kleinkunstdarbietung von Dietmar Halbhuber, einem Künstler aus Dresden. Mit satirischem Sprechgesang und ausdrucksstarker Mimik lebte er ein Stück deutsch-deutsche Geschichte vor. Zudem ist Halbhuber auch auf der Ausstellung vertreten: Gemeinsam mit seinem Freund Ulrich Eifler vom Kunstwestthüringer zeigt er eine Fotowand.

Gemeinsamkeiten sind generell kennzeichnend für die Ausstellung „Kopplung“. Innerhalb kurzer Zeit standen die Kunstwestthüringer vor der Aufgabe, eine Arbeit von sich mit der eines anderen Künstlers zu koppeln. Das Experiment hat sich gelohnt, wie die so unterschiedlichen Ergebnisse in der Ausstellung belegen.

Für ein Aufrappeln aus der allgemeinen Erlahmung innerhalb des Vereins sorgte an diesem Abend auch die Rede von Juliane Döbel. Die Kunsterzieherin und Kunstwestthüringerin machte sich die große Mühe, 20 Jahre Vereinsleben zu recherchieren. Die Liste der künstlerischen Spuren, die der Verein regional und überregional hinterließ, ist lang. Die Spuren sind durchaus geeignet, Mut zu machen dafür, dass sich der Kunstwestthüringer in einigen Facetten neu erfindet. Das wird nötig sein, wenn er überleben will. Denn wenn diese Ausstellungseröffnung auch ein großer Erfolg war, ist sie doch von der Ironie des Schicksals begleitet: Es ist die letzte Ausstellung im Vereinshaus an der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße. Weil der Verein kein Geld mehr hat, muss er diese Stätte aufgeben.

Neue Wege sind zu finden.

DIASCHAU

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