Blick in ein fremdes Land

Posted by on 16. Juni 2010
Fotoausstellung von Ulrich Eifler zeigt Bilder aus einem 20 Jahre zurückliegenden Damals

„Der Sozialismus siegt“, leuchtet durch die Düsternis der Prager Straße in Dresden. Es ist eine Aufnahme aus dem Jahr 1988, ein Blick in ein fremd gewordenes Land.

MÜHLHAUSEN.

Das Foto reiht sich ein in die Ausstellung „Bilder aus einem fernen Land“ des Fotografen und früheren Defa-Regisseurs Ulrich Eifler, die jetzt in der Kleinen Galerie des Kulturbundes im Puschkinhaus eröffnet wurde. Jedes der Schwarz-Weiß-Bilder ist ein Blick in ein „Damals“, das erst gut 20 Jahre zurückliegt und schon heute so seltsam fremd und unwirklich scheint. Dass man mitunter kopfschüttelnd die Aufnahmen betrachtet. Da steht die junge Frau in der Nylon-Kittelschürze in strammer Gehorsamshaltung inmitten des Maschinenparks. Auf schmucklosen, bröckelnden Fassaden sind Losungen angebracht. Junge Frauen stellen sich etwas ungelenk einem Schönheitswettbewerb. Ein anders Bild zeigt maskulin wirkende Bodybuilding-Frauen mit kräftigem Muskelbau.

Ungeschminkt und ungeschönt sind alle Bilder. Das macht sie so anschauenswert. „Sie erzählen ohne zu sprechen Geschichten aus der Geschichte“, merkte Dietmar Halbhuber in seiner Laudatio an. Ulrich Eifler habe damals schon die Welt gezeigt, wie sie war und nicht, wie sie die Obrigkeit sehen wollte. Er zeigte die Wirklichkeit.

„Das Fest-Halten von Menschen-Gesichtern ist der wichtigste Teil meines fotografischen Schaffens“, sagt Ulrich Eifler Er arbeitet fast ausschließlich in Schwarz-Weiß, klar und streng komponiert. Fast ohne künstlichem Licht kommt Eifler aus und erst recht kein Blitz schlägt in die Situation. Ulrich Eifler fotografiert unaufdringlich, mit Bedacht. Sein Handwerkszeug ist die Leica. Diese Kamera ist leise, klein und handlich. Er entwickelt seine Filme selbst und vergrößert seine Aufnahmen auf Baryt-Papier. „Auch Fotografien wollen ihre Aura haben“, erklärt der Künstler.

„Bilder aus einem fremden Land“ haben diese gewisse Aura. Sie sind kunstvolle Dokumentaraufnahmen. Gezeigt werden sie bis Ende Juli in der Kleinen Galerie im Kulturbund im Puschkinhaus. Die Bilder können auch gekauft werden.

Bilder der Ausstellung „Aus einem fremden Land“ finden Sie auch in der Hainich-Galerie.

DIASCHAU

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