Mehr Bilder als Gäste

Posted by on 7. Mai 2010
Enttäuschte Gesichter trotz hoher Qualität und Vielfalt der internationalen Ausstellung

Manchmal ist es die Kunst, die Gäste nach Mühlhausen führt. Manchmal sind die Gäste dann erstaunt, wie wenig Mühlhäuser sich selbst für die Kunst interessieren. So geschehen zur jüngsten Vernissage des Vereins Kunstwestthüringer.

Von Iris Henning

Mühlhausen.

Mühlhausen? Nein, hat sie bislang nicht gekannt. Die Ausstellung der internationaler Künstler sei es gewesen, die sie auf diese Kleinstadt in Westthüringen aufmerksam machte. Das sage Karola Teschler, die Präsidentin der internationalen Künstlervereinigung „European Artists“. Die sympathische Frau mit den schwarzen Haaren und leuchtend grünen Augen hielt dann auch die kurze Laudatio zur eben jene Ausstellung, die Donnerstagabend in der Galerie o.T. an der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße eröffnet wurde. Ein bisschen enttäuscht wirkte die Präsidentin. Viele Interessierte waren es nicht, denen sie die Vereinigung „European Artists“ vorstellen konnte. In der kleinen Galerie sind mehr Bilder ausgestellt, als Gäste zur Ausstellungseröffnung kamen.

Das kann nicht an den Bildern liegen. Die sind qualitativ hochwertig und abwechslungsreich wie selten. Schließlich treffen in dieser Ausstellung Künstler aus aller Herren Länder aufeinander, das Abendland grüßt das Morgenland, Australien winkt Rumänien. „Künstler, die international anerkannt sind, haben ihre Bilder gebracht“, verweist Ralf Klement vom Verein Kunstwestthüringer auf die Namensliste der Aussteller. So zum Beispiel Professor Ulrich Langenbac aus Siegen und Maryam Al-Zadjali, die Präsidentin von „The Omani Sosiety for fine Arts“ aus dem Oman. Wenn auch die osmanische Künstlerin zur Vernissage nicht selbst kommen konnte, war doch Prof. Langenbach da. Er tröstet: „In Berlin oder Köln sind manchmal auch nur eine Handvoll Besucher da“. Es klingt ein bisschen so, als wolle er allen Künstlern Mut zu sprechen.

So gelassen sehen es längst nicht mehr alle einheimischen Kunstwestthüringer. „Diese Ignoranz auf der politischen Ebene sowohl im Kreistag als auch im Stadtrat regt mich auf“, macht sich Thomas Helmbold aus Dachrieden Luft. „Am besten wäre es, sich zu überlegen, uns anderswo niederzulassen.“

Zieht sich die zeitgenössische Kunst wirklich eines Tages zurück, dann wird Mühlhausen um ein weiteres Stück blasser in Thüringens Kulturlandschaft.

(Die internationale Ausstellung in der Galerie o.T. Ist bis Mitte Juni zu sehen. Der Eintritt in die Galerie ist frei.)

DIASCHAU

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.