Köstlicher Wahnsinn

Posted by on 6. Mai 2010
Der deutsch-türkische Autor Osman Engin berichtete über den ganz normalen Alltag in Deutschland

Kaum spricht er mit ernster Mine die ersten Sätze, lacht das Publikum. Dabei hat die Lesung noch gar nicht richtig begonnen. Osman Engin scheint ein Naturtalent in Sache Realsatire.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

Da sitzt er an seinem Lesetischchen in der schönen Stadtbibliothek, klein, beinah unscheinbar, und berichtet mit fast unbewegter Mine eigentlich über nichts anderes als den ganz banalen Alltag. Doch wie der deutsche Satiriker türkischer Abstammung diesen aus dem Blickwinkel eines Türken erlebt und beschreibt ist köstlicher Wahnsinn. Bei ihm, dem kritisch-genauen Beobachter, kriegt wirklich alles und jeder sein Fett weg.

Mit gut angespitzter Feder berichtet der Autor über den Beitritt der Türkei zur Europäischen Union, über dem Vorurteile über Frauen, Türken und Deutsche. Lachsalven löst er in der voll besetzten Stadtbibliothek aus, als er über seine sonderbaren Erlebnisse in der Ausländerbehörde und seiner dortigen „Lebensabschnittspartnerin“ berichtet. „Du wollen Asyl oder Pass?“, wird er zum Beispiel von selbiger in dem für die Behörde sehr peinlichen Verhör jedes Mal wieder gefragt.

Osman Engin, im Jahr 1960 bei Ýzmir in der Türkei geboren, ist ein bekannte deutscher Satiriker. Gern wird er mit Ephraim Kishon verglichen, der ebenfalls die köstliche Gabe besaß, den Alltag als Satire zu betrachten. Engin lebt seit seinem zwölften Lebensjahr in Deutschland, wohnt in Bremen. Sein Auftritt in Mühlhausen war eine Veranstaltung des Projektes „gemeinsam leben – gemeinsam gestalten“. Eingeladen hatte das Diakonische Werk.

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