Walpurgisnacht ganz mittelalterlich

Posted by on 3. Mai 2010
Hexen und Gaukler wollen rund um die Thiemsburg eine neue Hainich-Tradition zaubern

Man tanzt, man schwatzt, man trinkt, man liebt; nun sag‘ mir, wo’s was Bessres gibt? So etwa fragte Mephisto Goethes Faust auf dem Blocksberg. Geschwatzt und getrunken, gefeiert und gelacht wurde in der Walpurgisnacht, der letzten Aprilnacht, nicht nur auf dem legendären Blocksberg im Harz. Hunderte Walpurgisfeiernde trafen sich in diesem Jahr auch auf der Thiemsburg.

Von Iris Henning

THIEMSBURG.

Die Hexen waren los, und das nicht nur in Schierke am Fuße des Brocken, der schon in der Literatur des 17. Jahrhunderts als Blocksberg bezeichnet wurde. Kleine Hexen mit spitzen Hüten geisterten auch rund um die Thiemsburg herum, begierig darauf, ihre Walpurgisnacht zu genießen. Von mittelalterlicher Musik begleitet, flog dann auch Oberhexe Thekla ein, eine satanisch-schwarze Gestalt wie aus dem Märchenbuch mit langer, krummer Warzennase, elend langen Fingernägeln und blutunterlaufenen Augen. Doch keine Angst: Böse war diese Hexe ganz bestimmt nicht, ihr Auftrag lautete, das erwartungsfrohe Walpurgisvolk gesellig zu unterhalten. Ihr zur Seite standen der lustige Gaukler „Feuergeist“, die gut gelaunten Musikanten von „Fidelius“ und der Märchenerzähler Andreas von Rothenbarth, der in Gestalt eines spätmittelalterlichen Schäfers anreiste. In opulenter Erzähllaune berichtete er von schaurigen und ungeheuren Dingen und Begebenheiten. Und nicht nur die Kleinen lauschten dem erzählfreudigen Bärtigen.

Hätten die Hexen einst schon die Gegend um die Thiemsburg erforscht, hätten sie möglicherweise diese zu ihrem Zweitsitz für die Walpurgisnacht erkoren. Gleich dort beginnt der Nationalpark Hainich, der der 13. Nationalpark in Deutschland ist. 7500 Hektar groß, ist er gerade dabei, sich zum Urwald mitten in Deutschland zu entwickeln.

Wenn damals die Hexen das Gebiet auch nicht für sich erkundet haben, sind seit drei Jahren die Hainich-Hexen und ihre Walpurgis-Freunde dabei, dies zu tun. Dabei werden sie das Jahr über auch gern wiederkommen: Schließlich ist die Thiemsburg ein günstiger Ausgangspunkt für Wanderungen durch den dichten Buchenwald. Wie knisternd spannend eine solche Wanderung in der Dämmerung der hereinbrechenden Nacht ist, erlebten während der Walpurgisnacht all jene, die sich der Försterin Claudia Wilhelm anschlossen.

Zum dritten Mal hatte das Forthaus Thiemsburg zur Walpurgisnacht eingeladen. Erstmals wurde diese Nacht mittelalterlich gestaltet. „Das gibt das Ambiente einfach her, der alte Baubestand, das Leuchten der Fackeln und dann die mittelalterliche Musik und das Auftreten der Gaukler – das ist einfach nur schön und unterhaltsam“, sagt Ronald Fernschild, der Initiator des mittelalterlichen Spektakels. Mit ihm freuten sich mehr als 1300 Besucher über das Fest. „Wir werden die mittelalterliche Walpurgisnacht fortsetzen und versuchen, eine neue Tradition im Hainich aufzubauen“, so Fernschild.

Zur Walpurgisnacht 2011 haben die Hexen also auf der Thiemsburg wieder Ausflug. Es wird geschwatzt, getrunken, gefeiert und gelacht bis tief in die Nacht.

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