Besonderes Merkmal: „Selten“

Posted by on 3. Mai 2010

Besenbinder und Scherenschleifer haben wir auf unserer Exkursion durch den Landkreis auf der Suche nach seltenem Handwerk nicht gefunden. Töpfer und Schmied, Seiler und Korbflechter schon. Darüber hinaus noch andere, mitunter fast vergessene Handwerke. Ein Stück der Faszination der Arbeiten aus den Werkstätten, der Schönheit der Formen und Farben, der Exaktheit der meisterlichen Arbeiten und der Vielfalt der Ideen haben wir versucht einzufangen. Nach 22 aufgestöberten seltenen Handwerken beenden wir nun die Serie mit einem kleinen Überblick über die Handwerker-Raritäten.

Von Iris Henning

LANDKREIS.

Messer aus Feuer und Stahl fertigt Schmied Jan Zilling aus Kammerforst. Seine Damastklingen sind gefragte Handwerkskunst. Selbst Spitzenkoch Marcello Fabbri aus dem Weimarer Hotel Elephant – er erhielt jetzt den Großen Gourmetpreis Thüringen – kam in das Hainichdorf Kammerforst, um sich ein edles Küchenmesser auszuwählen.

Eine Kuriosität entdeckten wir in Schlotheim: In der Seilerei „Seil- & Hebetechnik, Freizeitartikel“ von Andreas Montag wird Exotisch-erotisches in Schwarz und Rot produziert: Bondage-Seile, ein Seiltyp, der für fesselnde Unterhaltung gedacht ist und in Erotik-Fachschäften angeboten wird. Licht in das Dunkel bringt Ralf Hunstock aus Weberstedt mit seiner kleinen Kerzenmanufaktur. Träume in Weiß, Creme und Rosa näht Schneidermeisterin Barbara Montag aus Mühlhausen. Die Goldschmiedin Cornelia Wallbraun leistet in ihrem Mühlhäuser Atelier glanzvolle Arbeit. Nach unserem Beitrag wurde die Vertreterin der goldenen Zunft auch als Attraktion während touristischer Stadtführungen entdeckt. Gleiches gilt für den Braumeister Bernd Heinz aus dem „Brauhaus zum Löwen“. Der Braumeister ist der einzige seiner Zunft, der im Unstrut-Hainich-Kreis das beliebte Hopfen-und-Malz-Gebräu gewerblich herstellt.

Der Unstrut-Hainich-Kreis ist musikalisch. Das weiß man nicht erst, seit dem es die Musikantenparade in Kammerforst gibt. Dem Musikinstrumentenbau haben sich etliche geschickte Handwerker verschrieben: Johannes Motz aus Diedorf ist Orgel- und Harmoniumbauer. Steffi und Johannes Thoß haben ihre Instrumentenbau-Werkstatt in Großmehlra. Zu ihnen kommen schon lange berühmte Leute. So hat sich Henry Arland, der Star in der Volksmusikszene, dort seine Klarinette vergolden lassen. Ein stiller Geigenbauer ist Karl-Heinz Schwarz aus Mühlhausen.

Der Erde verbunden sind die Kleys aus Kammerforst: Dem uralten Handwerk der Töpferei haben sich Heike und Uwe Kley seit zwei Jahrzehnten verschrieben. Bleibendes aus Holz schafft der Bildhauer Heinz Günther aus Hüpstedt. Er sieht seine Arbeiten auch als eine Brücke zwischen Tradition und Zeitgenössischem. Einer, der dem Fuchs das Fell über die Ohren zieht, mit allen Wassern gewaschen ist und so richtig vom Leder ziehen kann ist Gerbermeister Jürgen Stölcker aus Mühlhausen. Mit seinen 70 Jahren geht er heute noch gern in seine Werkstatt, die sich inmitten des historischen Gerberviertels von Mühlhausen befindet.

In bester Gesellschaft der seltenen Handwerker befinden sich desweiteren der Steinmetz Frank Hohlbein aus Mühlhausen, der Modell- und Formenbauers Dietmar Richardt aus Struth, die Kräuterfrau Christine Eger aus Herbsleben, der Imker Helmut Pfützenreuter aus Zella, der Korbmachermeister Ronald Helbing aus Mühlhausen, der Böttchermeisters Peter Stauch aus Bollstedt und der Hufbeschlagschmied Christoph Grabenhorst aus Faulungen. Menschen, die anderen Freude und Unterhaltung bringen, sind in der Mühlhäuser Schaustellerfamilie von Michael und Bettina Bang zu finden.

Unterhaltung und Wissenswertes lieferte auch unsere Serie. „Es macht Spaß, auf diese Art in die Werkstätten und in die Geschichte der alten Handwerkszunft zu blicken“, schreibt zum Beispiel Marc Luhn in einer E-Mail an die Redaktion. „Ich habe gar nicht gewusst, dass es einen Hufschmied gibt“, staunte Manuela Franke.

DIASCHAU

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.