Paradies in der Stadt

Posted by on 28. April 2010

Die meisten Deutschen leben den Traum vom eigenen Heim vor allem wegen des Gartens drumherum. Etwa 80 Prozent haben sich ihr ganz privates Paradies in Form eines Gartens, eines Schrebergartens oder zumindest eines Balkons geschaffen. Das Paradies von Ulrich und Anke Hanke aus Bad Langensalza ist ein großer Garten inmitten der Stadt.

Von Iris Henning

BAD LANGENSALZA.

Der deutsche Durchschnittsgarten ist 615 Quadratmeter groß und macht jede Menge Arbeit. Hecken und Bäume beschneiden, pflanzen, säubern und säen. Jetzt ist die stressigste Zeit. Auch Anke und Ulrich Hanke tut der Rücken weh. Ihr Garten ist knapp dreimal so groß wie ein deutscher Durchschnittsgarten. Es ist ein Garten mitten in der Stadt, gleich gegenüber vom Bahnhof. Dichte Hecken schützen die Hankes vor neugierigen Blicken und vor Straßenlärm. Fremde vermuten hinter diesen Hecken und dem gut hundertjährigen schmiedeeisernen Zaun eher einen Park als einen Garten. Wie ein Park öffnet sich der Garten dann auch den Gästen der Hankes. Eine großzügige Wiese mit altem Baumbestand ist das Zentrum des Hanke’schen Paradieses. Auf den Ginkgo und die Rotbuche, die hoch in den Himmel ragen, sind die Hankes besonders stolz. Vor allem auf den Ginkgo, der weit und breit der einzig weibliche Baum seiner Art ist. Die Bäume und die Büsche sind Refugium für viele Vögel. Amsel, Specht, Elster und Rotkehlchen listet Frau Hanke auf. „Aber es sind noch viel mehr“, weiß sie.

Zeit zum Genießen nimmt sie sich trotz der vielen Arbeit gern. Wenigstens ein bisschen. Dann sitzt sie auf der Terrasse ihres Gartenhäuschens, das auf ganz oben auf dem Hang gebaut ist, und lauscht den Vogelstimmen. Es ist schön, von dort den Blick über den Garten schweifen zu lassen. Er strahlt viel Ruhe aus. Ein Holzschild mit dem Schriftzug „Kaiserhof“ hängt über dem Eingang des Gartenhäuschens. Die Gartenbesitzerin lächelt und holt alte Fotos hervor. „Hier hat einmal der ‚Kaiserhof‘ gestanden“, erklärt sie. Das Hotel, das erstes Haus am Platz war, brannte vor 110 Jahren bis auf die Grundmauern nieder. Nie wieder wurde an dieser Stelle ein Gebäude errichtet. Auf Schutt und Asche, so vermutet Frau Hanke, wurde dieser Garten angelegt. Anders kann sie sich die seltsame Bodenbeschaffenheit nicht erklären. Gut möglich, das die breiten Treppenstufen, die von der Terrasse aus zum Rasenrondell führen, noch vom „Kaiserhof“ stammen.

Wie das mit dem Boden auch sei: Sichtbar wohl fühlen sich in diesem Garten vor allem Pflanzen aus der heimischen Natur. Gänseblümchen und Himmelschlüssel sprenkeln die Wiese. Das gefleckte Knabenkraut schiebt seine ersten Blätter hervor, die Frühlingsplatterbse blüht in voller Pracht und die Maiglöckchen bereiten sich auf ihre Blüh-Saison vor. „Das kam alles von allein“, erklärt die Hobbygärtnerin. Sie korrigiert nur das Notwendigste, lässt den Pflanzen Platz. Sie sehen ja schön aus. Ihre Vorstellungen vom Garten verwirklicht sie an dem Seitenhang, der das Rondell flankiert. Einen Steingarten hat sie angelegt. Stechpalme und Muschelzypresse sind nette Blickpunkte. Blühendes ist im Anmarsch.

Zum Tag der offenen Gärten, am 6. Juni, öffnen die Hankes ihr Paradies für neugierige Gartenfreunde.

DIASCHAU

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