Klangvolles in alle Welt

Posted by on 15. April 2010

Besenbinder und Scherenschleifer, Töpfer und Schmied, Seiler und Korbflechter: Einst waren deren Zünfte in hiesiger Region weit verbreitet. Heute sind diese und andere traditionelle Handwerke rar geworden. Diese Serie soll eine kleine Führung durch das vielfältige Spektrum der Handwerkskunst im Unstrut-Hainich-Kreis sein und typische Produkte und Handfertigkeiten vorstellen. Sie will ein Stück der Faszination der Arbeiten, der Schönheit der Formen und Farben, der Exaktheit der meisterlichen Arbeiten und der Vielfalt der Ideen einfangen. So in der Werkstatt der Instrumentenbauer Steffi und Johannes Thoß.

Von Iris Henning

GROSSMEHLRA.

Wissen Sie, woher Henry Arland, der Star in der Volksmusikszene, seine goldene Klarinette herhat? Aus Großmehlra, aus der Werkstatt der Musikinstrumentenbauer Steffi und Johannes Thoß. Künstler sind eben Individualisten mit besonderen Wünschen.

Auch Giuseppe Verdi war ein ausgesprochener Individualist mit außergewöhnlichen Vorstellungen. Er ließ spezielle Trompeten für die Aufführungen seiner „Aida“ bauen. Bilder von altägyptischen Trompeten waren vor gut hundert Jahren die Vorlagen für den Pariser Instrumentenbauer Adolphe Sax. Hätte es zu Verdis Zeiten schon die Großmehlra’schen Instrumentenbauer gegeben, hätte er vielleicht Steffi und Johannes Thoß mit dem Auftrag betraut. Immerhin hat aber das Opernhaus Lübeck für die Aufführung von Giuseppe Verdis berühmten Werk diese Aida-Trompeten – etwa eineinhalb Meter lange Fanfarentrompeten mit ein bis drei Ventilen in den Stimmungen C, B, H und As – in Großmehlra herstellen lassen.

Der bestechende Klang der Musikinstrumente aus Großmehlra ist längst über Ländergrenzen hinweg gehört worden. Konzerttrompeten, Flügelhörner und Posaunen aus der Hand des Metallblasinstrumentenbaumeisters Johannes Thoß erklingen zum Beispiel in Russland und in Johannisburg. Ein Posaunenchor der südafrikanischen Metropole gehört zum internationalen Kundenkreis der Musikinstrumentenhersteller. Die Thoß‘ liefern dabei nicht nur die Instrumente, sondern auch das Fachwissen um deren Pflege. So ist in Kürze eine Schulung direkt in Johannisburg geplant.

Die Instrumentenbauer sind auch sehr gefragt, wenn es um spezielle Wünsche und Raritäten geht. So entwickelte Johannes Thoß zum Beispiel ein Doppeljagdhorn. Während auf einem normalen Jagdhorn nur eine Tonart zu spielen ist, sind diesem Instrument zwei zu entlocken. Eine nette kleine Erfindung ist auch das Taschenblashorn. Es lässt sich so zerlegen, dass es in die Westentasche des Jägerrocks passt. Clever. Kompaktinstrumente gehören zu den Vorlieben von Johannes Thoß. Aber auch historische Instrumente werden von ihm restauriert und originalgetreu nachgebaut.

Diese Vorliebe für das Historische hegt auch Gitarrenbaumeisterin Steffi Thoß. Sie widmet sich mit Hingabe der Zister, einem der ältesten Zupfinstrumente überhaupt, und der Thüringer Waldzither. „Es ist mir wichtig, die Tradition der Thüringer und Harzer Waldzithern in unserer Region durch alte und neue Instrumente zu bewahren und zu fördern“, sagt sie, während sie eine von ihr gebauten Waldzither weiche, zarte Melodien singen lässt. Ein Profi-Instrument ist es, was da erklingt und spätestens jetzt würde sich niemand mehr wundern, wenn die Tür aufginge und Herbert Roth, das Rennsteig-Lied trällernd, eintreten würde.

Vor gut zwanzig Jahren haben Steffi und Johannes Thoß ihre Werkstatt in Großmehlra geöffnet. Diese fand sehr schnell Beachtung in der regionalen und überregionalen Musikbranche. In der Meisterwerkstatt werden sämtliche Reparatur – und Serviceleistungen an Blas- und Zupfinstrumenten erbracht, zudem werden Instrumente modifiziert und an spezielle Kundenwünsche angepasst. Wenn es gewünscht wird, werden selbst Klarinetten vergoldet.

DIASCHAU

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