Der Hufschmied

Posted by on 8. April 2010

Besenbinder und Scherenschleifer, Töpfer und Schmied, Seiler und Korbflechter: Einst waren deren Zünfte in hiesiger Region weit verbreitet. Heute sind diese und andere traditionelle Handwerke rar geworden. Diese Serie soll eine kleine Führung durch das vielfältige Spektrum der Handwerkskunst im Unstrut-Hainich-Kreis sein und typische Produkte und Handfertigkeiten vorstellen. Einen Nachmittag lang begleiteten wir den Faulunger Hufbeschlagschmied Christoph Grabenhorst.

Von Iris Henning

FAULUNGEN.

„Ruhig, Santos, ruhig.“ Christoph Grabenhorst krault den Haflinger-Wallach. Santos gefällt das. Er schnaubt, hält still und zeigt sich entspannt. Der Pferdewirt und Hufbeschlagschmied Grabenhorst liebt Pferde. Vielleicht hat er auch deswegen vor einigen Jahren beruflich umgesattelt und den seltenen Beruf eines Hufschmiedes, der ganz genau Hufbeschlagschmied genannt wird, gelernt. Bis zum staatlich geprüften Hufbeschlagsschmied investierte er zwei Jahre in ein Praktikum und absolvierte einen viermonatigen Lehrgang. Seit gut vier Jahren ist der 29-Jährige mit seiner kleinen mobilen Schmiede unterwegs. Darin führt er alles mit, was ein Hufschmied für seine Arbeit braucht: Hufeisen und Nägel in verschiedenen Größen, Schleifband, eine Flex, Hufschneidezangen und natürlich einen Amboss und einen Gasschmiedeofen.

Christoph Grabenhorst ist einer, der seinen Beruf gern ausführt. Das liegt wohl an der Abwechslung und an der Arbeit mit unterschiedlichen Tieren an verschiedenen Orten: „Ich habe immer mit verschiedenen Tieren und mit anderen Menschen zu tun habe, ich komme rum, bin nie lange auf einer Stelle, man erlebt jeden Tag andere Sachen“, erzählt er. Manchmal sind das auch nicht so tolle. Etwa, wenn ein Pferd tritt. Nicht jedes Tier reagiert ruhig und entspannt auf die Arbeit des Hufschmieds. Christoph Grabenhorst nähert sich ihnen deshalb vorsichtig und arbeitet mit Helfern. Bei Santos assistieren ihm zwei. Eine junge Dame hält das Tier am Halfter, streichelt und beruhigt es. Ein kräftiger Mann packt mit zu, wenn es notwendig ist.

Jedes Pferd, so erklärt Grabenhorst, erhält individuelle Hufeisen. Ganz kleine hat er für die Shetland-Ponys, regelrechte Giganten dagegen sind die für die dickhufigen Kaltblüter unter den Pferden. Außerdem kümmert er sich um die Pflege der Hufe. Die werden beschnitten und glatt gefeilt. Im nächsten Schritt wird das neue Eisen im Schmiedeofen auf etwa 800 Grad erhitzt und in die richtige Form gebracht. Wenn der Hufschmied das Eisen dem Pferd dann für ein paar Sekunden auf den Huf brennt und anpasst, zischt es, Metall schlägt auf Metall, außerdem entsteht sehr viel Qualm und der stechende Geruch versengten Hufes sticht in die Nase – zu viel für die schwachen Nerven so manchen Pferdes. Doch Grabenhorst hat gelernt, den Charakter und die Stimmung der Pferde ziemlich genau einzuschätzen. Es ist schließlich nicht so, dass ein Hufschmied einfach hingeht und sagt „He, jetzt gib mal die Füße schnell hoch“. Das funktioniert nicht. Pferde haben schließlich auch ihren eigenen Kopf. So muss Grabenhorst manchmal die Tiere auch etwas lauter ansprechen, damit sie aufpassen und damit sie auch wissen, wer im Moment der Chef ist. Dann streichelt er sie wieder. Erst, wenn er spürt, dass das Tier ihn akzeptiert hat, geht er an seine Arbeit und macht ihnen neue Hufeisen. Eine gute Stunde dauert etwa diese Prozedur.

Santos hat diese hinter sich. Entspannt trabt er über den Hof. In etwa acht Wochen wird Christoph Grabenhorst wieder kommen. Dann ist es an der Zeit für neue Hufeisen.

DIASCHAU

One Response to Der Hufschmied

  1. M. Franke

    Bitte würden Sie mir die Tel.-Nr. von Herrn Christoph Grabenhorst schicken, ich hätte einen Auftrag für ihn. Vielen Dank! M. Franke

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