Nur nicht jammern

Posted by on 24. März 2010
Verein Kunstwestthüringer hat einen neuen Vorsitzenden: Matthias Peinelt

Der Verein Kunstwestthüringer hat einen neuen Vorsitzenden: Matthias Peinelt. Der Designer, Maler und Grafiker löste Reinhard Wand ab, der nicht mehr für den Vorsitzenden kandidierte, aber noch im Vorstand mitarbeitet. Matthais Peinelt ist der Neue im Verein, er kam erst vor wenigen Monaten dazu – und stieß auf Depressionen und Apathie. Dem Verein ging es noch nie so schlecht wie heute.

Herr Peinelt, Sie stellen sich an die Spitze eines Vereins, dessen eigenen Mitglieder eigentlich gar nicht mehr so recht an die Zukunft ihrer Künstlervereinigung glauben.

Wir haben aber eine Zukunft. Zwar stimmt es, dass wir fast kein Geld mehr haben und die Aussichten auf öffentliche Förderung immer geringer werden. Aber Krisen wie diese sind immer Schockmomente, da ist man hellwach. Ich denke gar nicht daran einzupacken. Ich denke: Jetzt machen wir erst recht weiter.

Ohne Geld?

Wir haben immer noch unsere Mitgliederbeiträge. Zudem haben wir noch den Luxus, eine Ein-Euro-Jobberin zu haben. Dennoch müssen uns enorm einschränken. Die Räume, die wir jetzt noch gemietet haben, können wir uns nicht mehr leisten. Wir suchen nach Möglichkeiten der Untervermietung, eventuell als Atelierräume für Künstler.

Dann hätte der Verein aber keine Ausstellungsräume mehr.

Dann müssen wir eben neue finden, die wir für unsere zeitweisen Ausstellungen nutzen können, wir müssen unsere Kontakte besser nutzen und neue Kontakte aufbauen. Unsere Mitglieder sind Künstler auf hohem Niveau: Was sie zu zeigen haben, findet weit über Thüringen hinaus Anerkennung. Da müssen sich doch auch hier Möglichkeiten für Ausstellungen finden lassen.

Die Jugendkunstschule, die bis jetzt mit unter dem Dach des Kunstwestthüringers gearbeitet hat, zieht gerade aus. Da fehlen doch Mieteinnahmen. War die Entscheidung zur Trennung nicht ein Fehler?

Wir hatten gar keine Wahl. Die Trennung war eine Forderung des Thüringer Kultusministeriums. Sonst hätte die Jugendkunstschule keine Aussicht auf Fördermittel mehr gehabt. Das konnten und wollten wir nicht zulassen.

Sind Sie nicht zu optimistisch, dass der Kunstverein ohne öffentliche Mittel auskommen kann?

Man kann gar nicht optimistisch genug sein. Die Kultursparzeit ist zur politischen Realität geworden, ob wir das wahrhaben wollen oder nicht. Schauen Sie allein ins Ruhrgebiet. Dort werden international renomierte Institutionen geschlossen, so das Schauspielhaus in Wuppertal, das Haus in Oberhausen steht zur Disposition. Die „reiche“ Hansestadt Hamburg steht vor radikalen Einsparungen – ist das Geld alle, wird zuerst die Kultur eingespart. Glauben Sie, das wird in Mühlhausen anders sein?

Die Kultur soll also mit Vereinsgeldern aufrecht erhalten werden?

(lacht) Schön wär’s – die würden aber im Ansatz nicht dazu reichen. Mir geht es darum: Nicht stets und ständig jammern und wehklagen, sondern machen! Der Kunstwestthüringer ist eine kulturpolitische Institution. Wir Künstler müssen uns massiv zeigen, dass wir wahrgenommen werden, nicht als elitäre Spinner, sondern als Belebung und Bereicherung des Lebens. Außerdem dürfen wir uns auch nicht zu schade sein, Klinken zu putzen, wenn es darum geht, ideelle und vor allem finanzielle Unterstützung zu suchen und zu finden.

Gibt’s schon Ideen?

Die gibt es, aber die sind noch nicht spruchreif. Wir haben gerade einen neuen Vorstand gewählt, der zumindest so stark ist zu sagen: „Wir geben nicht auf, jetzt erst recht“.

(Gespräch: Iris Henning)

Zur Person

Matthias Peinelt wurde 1963 in Wiesbaden geboren. Er studierte an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main. Seit 1992 ist er erster Grafiker und leitender Designer beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Mai. 2006 verlegte er seinen Lebens- und künstlerischen Arbeitsschwerpunkt nach Mühlhausen. Seit 2008 ist er Mitglied im Verband Bildender Künstler Thüringen, seit 2009 Mitglied im Kunstwestthüringer e.V..

One Response to Nur nicht jammern

  1. Joerg Riesinger

    Hallo Matthias .
    Weiß nicht ob du dich an mich erinnerst .
    Ich hoffe es geht dir gut und ich schick dir mal Grüße
    Joerg Riesinger

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