Gefühle im Schnelldurchlauf

Posted by on 5. März 2010
So schön kann Lyrik sein: Zwei junge Frauen lasen und rappten sich durch Gedichte und Texte

Rapper haben einen schlechten Ruf, sagt Nina Sonnenberg, die sich mit Künstlernamen Fiva nennt. Nun, das können nur Leute sein, die diese Fiva aus München noch nicht kennengelernt haben. Zusammen mit Nancy Hünger aus Erfurt verblüffte sie am Donnerstagabend mit einer außergewöhnlichen Literaturveranstaltung in der Kilianikirche.

Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.

Ihre Lyrik spricht Jung und alt an. Viel Applaus gab es für Nancy Hünger (r.) und Nina Sonnenberg (Fiva).

Mit sanfter Stimme trägt Nancy Hünger ihre Gedichte und Geschichten vor. Es sind Texte tiefster Empfindungen und genauester Beobachtungsgabe, die persönlich Erlebtes, etwa Begegnungen in der Ukraine, nachempfinden lassen. Wie sanftes Meeresrauschen umspülen ihre Worte den Zuschauer. Das ist angenehm, aber sicherlich ungewollt. Nancy Hünger will nicht einlullen. Ihre Texte, tiefsinnig und melodisch, haben viel zu sagen. Sie, die 1981 in Weimar geboren wurde und Germanistik und freie Kunst an der Bauhaus-Universität in Weimar studierte, gilt als eine der begabtesten Lyrikerinnen Deutschlands.

Ganz anders der Auftritt von Nina Sonnenberg, die Soziologie studiert hat und beim Bayerischen Rundfunk als Moderatorin arbeitet. Diese Fiva sprüht vor Energie, rappt ihre Poesie in die Welt, als wäre nichts leichter als das. Dabei sind ihre Texte gut überlegt, tiefgründig und einzigartig. Sie erzählen mit der Leichtigkeit der Jugend aus dem Alltäglichen, etwa von der wohlgemeinten aber auf die Nerven gehende notorische Strenge ihres Vaters, und trifft damit nicht nur den Nerv der jungen Generation. Die Älteren im Publikum dürften nach dem Akt dieser Münchener Rap-Poetin, die Gefühle im lyrischen Schnelldurchlauf durch die Kilianikirche feuerte, ganz anders über diesen Stil denken. Sie waren es vor allen Dingen, die nach einer Zugabe verlangten. „Das hat ja richtig Spaß gemacht“, hört man beim Abschied sagen.

Nancy Hünger und Nina Sonnenberg eröffneten in Mühlhausen die Reihe „WortKlang-Lyrik im Konzert“, eine gemeinsame Veranstaltungsreihe der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und des Vereins Lese-Zeichen. In insgesamt acht Thüringer Städten wird mit ungewöhnlichen Literaturveranstaltungen Lyrisches so klangvoll dargeboten, wie man es selten zu hören bekommt. Auch vor Schulklassen wird „WortKlang-Lyrik“ dargeboten. „Wir wollen, dass das Publikum neu entdeckt, wie schön die deutsche Sprache ist“, sagte Dr. Thomas Wurzel, der Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung. Er selbst sei „ganz begeistert“ von dem Auftaktabend in Mühlhausen gewesen.

BU: Ihre Lyrik spricht Jung und alt an. Viel Applaus gab es für Nancy Hünger (r.) und Nina Sonnenberg (Fiva).

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