Herr der Bienenvölker

Posted by on 27. Februar 2010

Besenbinder und Scherenschleifer, Töpfer und Schmied, Seiler und Korbflechter: Einst waren deren Zünfte in hiesiger Region weit verbreitet. Heute sind diese und andere traditionelle Handwerke rar geworden. Diese Serie soll eine kleine Führung durch das vielfältige Spektrum der Handwerkskunst im Unstrut-Hainich-Kreis sein und typische Produkte und Handfertigkeiten vorstellen. Sie will ein Stück der Faszination der Arbeiten einfangen. So in der Imkerei von Helmut Pfützenreuter in Zella.

Von Iris HENNING

ZELLA.

Im alten Ägypten war Honig ein begehrtes Handelsgut und Zahlungsmittel. Nicht selten kostete ein Topf Honig den Preis eines Esels oder eines Rindes. Im antiken Griechenland wurden Bienen als die „Vögel der Musen“ bezeichnet und galten als Boten der Götter. Die Germanen verehrten Honig als Speise der Götter. Odin, der germanische Göttervater, verdankte dem Honig seine Unsterblichkeit, Kraft und Weisheit.

Den Wert eines Esels oder eines Rinds bekommt man für einen Topf Honig schon lange nicht mehr. An Beliebtheit hat der süße Brotaufstrich aber nichts eingebüßt. “Der schönste Tag ist der, der mit einem Honigbrötchen zum Frühstück beginnt“, schwört Helmut Pfützenreuter. Der Senior aus Zella muss es wissen. Seit mehr als fünf Jahrzehnten sorgt der Freizeit-Imker dafür, dass seine Bienen Honig produzieren, der auch hohen Ansprüchen genügt. Frau Roswitha schwört darauf: „Der schmeckt!“, sagt sie, während sie die Gläser abfüllt. Cremig läuft der helle Rapshonig aus dem Hahn.

Für den süßen Honig hat sich Helmut Pfützenreuter schon früh interessiert. Er wälzte Bücher, besuchte Vorträge und suchte den Rat erfahrener Imker. Eines Tages stellte er zwei Bienenvölker in seinen Obstgarten und war selbst ein Imker. Mit wachsender Erfahrung wurden auch die schwirrenden Völker mehr. Die Nachfrage nach Honig war groß. „Man konnte gar nicht genug fleißige Bienen haben“, blickt Helmut Pfützenreuter auf die Zeit vor dreißig, vierzig Jahren zurück. Ein Imker und damit Herr über viele Bienenvölker zu sein, das galt etwas.

Angst vor dem Stachel der Bienen hat der Herr der Völker nicht. Die Bienen sind auf Sanftmut gezüchtet. Das heißt nicht, dass sie nicht stechen, wenn sie sich in Gefahr wähnen. Auch bei Gewitter ist Vorsicht geboten. Solches Wetter macht die Tierchen schnell nervös. Eine schmerzende Nase war einmal das Resultat für den Imker, als er bei solchem Wetter nach seinen Bienen schaute.

Heute hat Helmut Pfützenreuter nur noch wenige Völker. In Zeiten, da sich die Regale in den Supermärkten unter der Fülle des Überangebotes biegen, ist die Nachfrage geringer geworden. „Lohnen tut sich die Sache nicht mehr“, winken die Pfützenreuters ab. Viel Arbeit für wenig Geld. Viele Imker haben aufgegeben, junge Leute sind kaum mehr für diesen Beruf zu begeistern. Schade, bedauert Helmut Pfützenreuter. Denn Bienen sind für ihn mehr als Honiglieferanten. Er sieht sie für sich als ein Stück Naturverbundenheit und als unersetzliche Helfer im Obstanbau. Ein rotgelbes Prachtexemplar von Apfel hält er als appetitlich duftendes Beispiel hoch: „Eigene Ernte“, sagt er. Ohne die emsigen Pollensammler sieht er es schlecht bestellt um gute Ernten in den Gärten und auf den Feldern.

Und wie halten es die Pfützenreuters mit dem Honig als Quelle der Kraft und Weisheit? Die beiden lachen. Honig, so sagen sie, ist kein Wundermittel. Aber er schmeckt und steigert das Wohlbefinden. Ans Aufhören denkt Helmut Pfützenreuter jedenfalls nicht. Seine Honig-Kundschaft wird diese Nachricht freuen.

DIASCHAU

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