Faschingsmuffel mit Schuss

Posted by on 20. Februar 2010
Dr. Christel Burkhardt und die Gruppe Swingtime verbreiten Spaß jenseits des Karnevals

Fasching ist nichts für sie. Sie sind erklärte Faschingsmuffel: Dr. Christel Burkhardt und ihre Männer von „Swingtime“. Ihren Spaß am Rand der fünften Jahreszeit fordern sie dennoch ein – und geben im „Faschingsmuffel“ des Mühlhäuser Kulturbundes dem Publikum reichlich davon ab.

Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.

Musenschuss und Hexenkuss: Schüttelreime kommen immer gut an. Kräftig geschüttelt haben die akademische Literaturliebhaberin Dr. Christel Burkhardt und die Gruppe „Swingtime“ am Wochenende. Sie hatten eingeladen zum mittlerweile achten Faschingsmuffel. Die fröhliche Schar Muffel-Fans ließ sich auch nicht lange bitten. In einem üppig gefüllten kleinen Saal des Puschkinhauses ließen die Darbieter ohne Narrhalla-Marsch und närrisches Klatsch-Orchester die Faschingsmuffel-Schwarte krachen, dass es nur so an Spaß und Freude spritzte.

Dr. Christel Burkhardt ist durch und durch in ihrem Element, wenn sie sich stilsicher durch die Verse von Busch, Tucholsky, Ringelnatz und Kästner wühlt und voller Freude satirische Spitzen entdeckt, die heute noch genauso sicher ins Schwarze treffen wie vor hundert Jahren. Über die gnadenlosen und humorvollen Sticheleien um einen ordentlichen Hausstand, die brave Hausfrau oder das schnöde Geld wird auch heute noch herzhaft gelacht. Und purer Spaß bleiben die vortrefflich geschüttelten Reime von Meistern wie Wilhelm Busch. So schnell kann keiner denken, wie die Worte da auseinandergepflückt und sinnig und unsinnig neu zusammengefügt werden.

Die literarischen Köstlichkeiten wurden wieder mit viel Lust und Witz musikalisch von Volker Hilbert (Klavier), Herbert Haberkorn (Saxophon), Wolfgang Abe (Schlagzeug) und Bernd Jung (Gitarre) – Gruppe „Swingtime“ – begleitet.

Viele Abende bereiten sich die ehrenamtlichen Freizeit-Künstler um Dr. Christel Burkhardt auf solch einen einzigen Auftritt vor. Es sind Stunden, die nicht nur von Arbeit geprägt sind, sondern ebenso Stunden von Glück und Freude. „Wenn das nicht so wäre, würden wir es nicht machen“, sagt die Akademikerin. Das kauft man ihr ab. Schließlich gibt es keinen Lohn für einen solchen Abend. Jedenfalls keinen, der sich in Euro und Cent berechnen lässt. Der Eintritt ist alljährlich frei. Lohn für die Anstrengung ist das Überspringen der Freude auf das Publikum, das immer seinen Spaß hat, wenn der Faschingsmuffel satirische Sprünge aufführt. Dazu gibt es stets noch eine grandiose Hut-Modenschau: Zylinder, Schwinger und vornehme Kappe sind das sehenswerte Accessoire der Rezitatorin.

Nur einen kleinen Makel hatte der Faschingsmuffel Nr. 8: Viel zu voll war es in dem kleinen Saal, vor allem für die Kellnerinnen. Die trauten sich gar nicht mehr hinein. So blieb manche Kehle einfach durstig an einem sonst durch und durch wunderbaren Abend.

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