Kräuterfrau von Herbsleben

Posted by on 19. Februar 2010

Besenbinder und Scherenschleifer, Töpfer und Schmied, Seiler und Korbflechter: Einst waren deren Zünfte in hiesiger Region weit verbreitet. Heute sind diese und andere traditionelle Handwerke rar geworden. Diese Serie soll eine kleine Führung durch das vielfältige Spektrum der Handwerkskunst im Unstrut-Hainich-Kreis sein und typische Produkte und Handfertigkeiten vorstellen. Sie will ein Stück der Faszination der Arbeiten, der Schönheit der Formen und Farben, der Exaktheit der meisterlichen Arbeiten und der Vielfalt der Ideen einfangen. So in der Thüringer Tee- und Kräutermanufaktur von Christine Eger.

Von Iris HENNING

HERBSLEBEN.

Noch liegt der Winter über den Feldern südlich von Herbsleben. Seine frostigen Tage sind gezählt. Mit der ersten wärmenden Frühlingssonne werden die Pflanzen wieder austreiben und wird die Saat aufgehen. Christine Eger ist zwar ein geduldiger Mensch, doch manchmal ist ihr Blick sehnsuchtsvoll auf die Landschaft gerichtet, die ihr ein Auskommen sichert. Ginge es nach ihr, könnte der Frühling jetzt langsam kommen. Christine Eger ist die „Kräuterfrau“ von Herbsleben. Während sie von den duftenden Feldern träumt, steht sie mitten in ihrem kleinen Reich aus getrockneten Kräutern, umgeben vom betörenden Duft aus Oregano und Lavendel, Melisse und Pfefferminze, Salbei und Kamille. Der Duft ist die sinnliche Erinnerung an den vergangenen Sommer, als 20 Kräutersorten die Felder so bunt gestalteten, das selbst ein van Gogh seine helle Freude daran gehabt hätte. Auch in diesem Jahr wird sie, die Kräuterfrau, wieder gut zwanzig Sorten anbauen und ohne Dünger wachsen lassen. Als erfahrene Landfrau weiß sie, dass eine gute Fruchtfolge ebenso für einen sicheren Ertrag sorgen wird.

Vor knapp zehn Jahren richtete sich Christine Eger mit ihrer Thüringer Tee- und Kräutermanufaktur in die Selbstständigkeit ein. Als arbeitslos gewordene Landwirtin suchte sie in der Nische der ökologischen Agrarwirtschaft eine neue Chance. Dabei setzte sie auf die Jahrhunderte alte Tradition des Kräuteranbaus in Thüringen. Guten Boden und ein günstiges Klima fand sie unmittelbar vor ihrer Haustür in Herbsleben. Starthilfe in die freie Marktwirtschaft leisteten zuvor ein Projekt zur Förderung des ländlichen Raumes und der Verein Thüringer Landfrauenverband.

Mit ihrem „Kräutertee Nr.1“ gingen Christine Eger und ihre Kolleginnen auf die Märkte. Mit dem Charme der Thüringer Gastfreundschaft luden sie die Gäste immer wieder ein, doch ein Tässchen zu probieren. Es folgten der „Kräutertee Nr. 2“, Großmutters Kräutertee, Wohlfühltee, Gute-Nacht-Tee und andere Mischungen, alle selbst zusammengestellt. „Ach Gott, was haben wir gekostet und diskutiert, bis wir zufrieden mit dem Geschmack waren“, erzählt Frau Eger. Viele mit Rezeptmischungen beschriebene Seiten sind begleitende Dokumente bis zur fertig erklärten Teesorte. Die zu Tee veredelten Bio-Kräuter sollen ebenso gesund sein wie auch Genuss bereiten, sollen gut schmeckende Wohlfühl-Tee sein. Das ist das Credo ihrer Manufaktur. Die übrigens nicht nur so heißt, sondern in der tatsächlich alles noch von der Aussaat über die Ernte bis hin zum behutsamen Trocknen, Sterilisieren und Verpacken der Kräuter reine Handarbeit ist. Vier Fünftel, also achtzig Prozent aller Kräuter für die Teemischungen kommen dabei vom eigenen Feld. Exoten wie Cranberry oder Ginkgo werden dazu gekauft. Wobei deren Herkunft auch das Attribut „aus ökologischem Anbau“ tragen muss.

Christine Eger hat mit ihrer Thüringer Tee- und Kräutermanufaktur ihre Nische gefunden. Etwa 80 Naturkostläden und Teegeschäfte aus ganz Deutschland gehören zu ihren Kunden, ebenso verschiedene Kindergärten, Rast- und Gaststätten. Privatkunden lassen sich ihren Lieblingstee und Kräutersalzmischungen, die mittlerweile das Sortiment ergänzen, mit der Post nach Hause schicken. In diesem Winter waren besonders die Gewürztee-Mischungen gefragt.

DIASCHAU

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