Die Kunst der alten Meister

Posted by on 28. Januar 2010

Besenbinder und Scherenschleifer, Töpfer und Schmied, Seiler und Korbflechter: Einst waren deren Zünfte in hiesiger Region weit verbreitet. Heute sind diese und andere traditionelle Handwerke rar geworden. Diese Serie soll eine kleine Führung durch das vielfältige Spektrum der Handwerkskunst im Unstrut-Hainich-Kreis sein und typische Produkte und Handfertigkeiten vorstellen. Sie will ein Stück der Faszination der Arbeiten, der Schönheit der Formen und Farben, der Exaktheit der meisterlichen Arbeiten und der Vielfalt der Ideen einfangen. So in der Werkstatt der Denkmalpflege Mühlhausen Huschenbeth GmbH & Co. KG, in der geschickte Bildhauer die Kunst der alten Meister restaurieren.

Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.

„Genauigkeit, Geschick, Kraft. Das ist, was ein Bildhauer braucht“, sagt Frank Holbein. Vor fünfzehn Jahren begann er seine Laufbahn als Bildhauer. Damit ergriff er einen der ältesten Berufe der Welt. Genauigkeit, Geschick und Kraft brauchten schon unsere Vorfahren, um einen Faustkeil zu schaffen. Genau genommen sind die bis zu 600 000 Jahre alten Faustkeile die ersten von Menschenhand geschaffenen Skulpturen.

Ein aber wirklich eindrucksvolles Beispiel für frühe Bildhauerkunst ist der auf der Schwäbischen Alb gefundene Löwenmensch. Die Elfenbein-Figur aus der Altsteinzeit (vor etwa 30 000 Jahren) zeigt einen menschlichen Körper mit einem Löwenkopf. Sie gehört zu den ältesten bekannten menschlichen Skulpturen.

Zeitsprung: Die Gotik schließlich war die Epoche der hohen Kunst der Steinmetze und Bildhauer. Sie waren es, die die christliche Ideenwelt kunstvoll verbildlichte. Ab dem 13. und 14. Jahrhundert wurden die Figuren frei und rund aus dem Steinblock herausgearbeitet. Reichlich Zierrat in Form von Kreuzblumen, Fialen und Krabben an den Kirchen galt als Ausdruck höchster Kunst am Sakralbau. Respektable Beispiele gotischer Baukunst findet man auch in Mühlhausen reichlich, an den Kirchen St. Marien und St. Divi Blasii, zum Beispiel. Doch was damals von den Meistern geschaffen wurde, zeigt sich heute von den jahrhundertelang wirkenden Umwelteinflüssen teils bis zur Unkenntlichkeit verwittert. Retter dieser steinernen Hochkultur sind die heutigen Steinmetze und Steinbildhauer, wie Frank Holbein. Neben solchen Attributen wie Genauigkeit, Geschick und Kraft müssen sie noch Höhentauglichkeit mitbringen. Es ist nicht selten, dass sich ihr Arbeitsplatz in der luftiger Höhe eines Kirchturmes befindet. Spektakulär waren die Arbeiten an der Marienkirche. „Unser höchster Arbeitsplatz war jedoch die Spitze des Frankfurter Doms“, erzählen Frank Holbein und sein Kollege Andreas Kreddig. Sie sind allerdings weniger von der Höhe fasziniert, sondern mehr von der Baukunst der alten Meister. Ihr ganzes Können setzen sie und ihre Kollegen daran, deren prachtvollen, teils sehr filigranen Arbeiten wieder in den originalen Zustand zu restaurieren. Beispiele dafür sind neben den meisterlichen Restaurationsarbeiten an den beiden Mühlhäuser Kirchen und am Frankfurter Dom ebenfalls das Staatstheater in Wiesbaden, das Denkmal des Kurfürsten Friedrich in Kassel, das Amtsgericht in Oberhausen oder die Annenkapelle in Heiligenstadt. Für die beispielhafte Leistung bei der Ausführung von Zimmerer-, Dachdecker-, Maurer-, Steinmetz- und Au゚enputzarbeiten am Barockhaus in Mühlhausen, am Untermarkt 13, wurde die Denkmalpflege Mühlhausen Huschenbeth GmbH & Co. KG bereits mit dem Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege ausgezeichnet.

DIASCHAU

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