Gewandelte Landschaft

Posted by on 22. Januar 2010
Mit einer Fast-Personalausstellung würdigen die Mühlhäuser Museen das Schaffen von Siegfried Böhning

Schon wieder gibt es Neues im Mühlhäuser Museum am Lindenbühl: Dieses Mal sind es Landschaftsbilder von Otto Paetz und Siegfried Böhning, die zwischen Wald und Welt, im Kunstraum Thüringen des 20. Jahrhunderts entstanden sind.

Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.

Für diese Ausstellung hat Jürgen Winter, der Vize-Museumschef und Leiter der Sammlung Thüringer Kunst, nur wenig in seinen 20-jährigen Museumsfundus greifen müssen. Dieses Mal fuhr er in das wenige Kilometer östlich der Kreisstadt gelegene Bollstedt, direkt in das Atelier von Siegfried Böhning. Gemeinsam wählten die Freunde aus, was in „Landschaft im Wandel“, der in die Hauptausstellung „Zwischen Wald und Welt: Der Kunstraum Thüringen im 20. Jahrhundert“ integrierten Exkursausstellung, öffentlich gezeigt werden soll. Auch diese Auswahl dürfte dem profunden Kenner zeitgenössischer Kunst nicht sonderlich leicht gefallen sein. Siegfried Böhning ist ein Mensch, der reichlich schafft. Nie gehen ihm die Ideen aus. Dabei scheint er nur einen einzigen Ideen-Lieferanten zu haben: die Landschaft unmittelbar vor seiner Haustür, die sich ihm im Laufe des Jahres und der Jahre in immer neuen Farb- und Lichtspielen zeigt. Es ist, als hätten dieser Künstler und diese Landschaft einen geheimen Pakt geschlossen: Dafür, dass er sie immer und immer wieder malt, zeigt sie sich ihm immer und immer wieder in neuen Formen und Farben.

Dabei ist es nicht so, dass der Betrachter der Böhning’schen Bilder auch tatsächlich Landschaften erkennt. Es sind eher miteinander und übereinander verwobene Strukturen und Farbschichten. Nie scheint man sich sicher zu sein, wo auf dem Bild oben und unten ist. Aber wenn man ein Vogel wäre und in Wolkenhöhe über der Landschaft kreisen könnte und dabei mit den Augen blinzelt, dann sieht eine Landschaft vielleicht so aus. Nur, dass Böhning mit seinen Flächen und Linien die Landschaft auch noch wandelt. Er hält Atmosphäre, Stimmungen und Rhythmen fest und lässt seine eigene Gefühlswelt einfließen. Und genau das macht den Reiz und den Spaß aus, seine Bilder immer wieder zu betrachten.

Dazu ist nun bis zum 5. April Gelegenheit im Museum am Lindenbühl. Ebenfalls zu dieser Exkurs-Ausstellung gehören Arbeiten seines früheren Lehrers, des im Jahr 2006 verstorbenen Weimarer Künstlers Otto Paetz. Wobei das Schwergewicht augenscheinlich auf Siegfried Böhning liegt. Das hat seinen Grund: Der Bollstedter Maler ist vor kurzem 60 Jahre alt geworden. Mit dieser Ausstellung würdigen die Museen Siegfried Böhning als einen Künstler, der zu den wichtigen seiner Generation im Land zählt. Mit seinem Schaffen und als Gründungsmitglied des Vereins „Kunstwestthüringer“ hat er dazu beigetragen, der zeitgenössischen Kunst in der Region zu mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung zu verhelfen. Sein künstlerisches Schaffen wurde am Donnerstagabend, zur Eröffnung von „Landschaft im Wandel“, auch von Peter Arlt, Professor für Kunstgeschichte und –theorie an der Universität Erfurt, vor einer großen Publikumsschar gewürdigt.

DIASCHAU

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