Aufforderung zum Aufbegehren

Posted by on 22. Januar 2010
Filmfestival begann mit dem Schatten eines Buches / Morgen geht es um Gift und Gene

Wie ist das mit der Macht und der Übermacht? Das Mühlhäuser 3K-Filmfestival „ueber Macht“ widmet sich dieser Ambivalenz der Macht. Am Donnerstagabend wurde es mit dem Dokumentarfilm „Ruhnama – Im Schatten des heiligen Buches“ in der Theaterspielstätte Kilianikirche eröffnet.

Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.

100121 Peter DulinskiDa kommt einer und möchte der liebe Gott sein. Am liebsten hätte sich Saparmurat Nijasow, der kürzlich verstorbene Diktator von Turkmenistan, mit einem Heiligenschein vor seinem Volk präsentiert. Das gelang ihm nicht, aber nach dem von ihm verfassten Moralbuch, der „Ruhnama“, leben die Menschen noch heute in diesem kleinen Land. Und die meisten scheinen regelrecht verblendet von dem Blödsinn, den das Buch verkündet. Eine raffinierte Propagandamaschine hat die Denkzentrale in den Köpfen der meisten Menschen lahmgelegt. Dem einstigen Diktator waren kaum mehr Grenzen gesetzt, seine Macht zu missbrauchen. „Ruhnama – Im Schatten des heiligen Buches“ erzählt von der Absurdität dieses totalitären Systems, in dem selbst wirtschaftliche Beziehungen mit westlichen Ländern von einem künstlerisch wertlosen Buch abhängen.

Nur ein Beispiel in Turkmenistan? Mitnichten, wie Referent Peter Dulinski in seiner Filmbetrachtung deutlich macht. Die Geschichte ist voll von Beispielen und die Gefahr der Wiederholung von Diktaturen scheint permanent zu lauern.

„Das Filmfestival will sensibilisieren für explizite und implizite Machtstrukturen, für legitime und illegitime Macht- und Herrschaftsverhältnisse. Und es soll ermutigen, im Alltag, in der Öffentlichkeit und in der Politik öfter, nachhaltiger und unbequemer die Machtfrage zu stellen“, sagte der Schirmherr und Oberbürgermeister Hans-Dieter Dörbaum zur Eröffnung des Filmfestivals in der gut besuchten Kilianikirche.

Am morgigen Sonntag, um 16 Uhr, wird der zweite von insgesamt sieben Festivalfilmen gezeigt. Innerhalb der 3K-Reihe „theater-tee“ ist in der Kilianikirche der Film „Monsanto, mit Gift und Genen“ zu sehen.

„Monsanto“ ist weltweiter Marktführer auf dem Gebiet der Biotechnologie. Der börsennotierter Konzern mit Sitz in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri hat Niederlassungen in 61 Ländern. Er stellt Herbizide und gentechnisch verändertes Saatgut her. Etwa 90 Prozent der heute derzeit angebauten gentechnisch veränderten Organismen, unter anderem Soja, Raps, Mais und Baumwolle, sind „Monsanto“-Patente. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, wann der Konzern die globale Nahrungsmittelkette unter Kontrolle hat, was für entsprechende Aufregung sorgt. Der Dokumentarfilm fragt nach den Gründen für diese Aufregung und erklärt, worum es bei gentechnisch veränderten Organismen überhaupt geht. Am Ende steht die Frage, ob „Monsanto“-Produkte Fluch oder Segen für die Menschheit sind.

Referent für diese Filmdiskussion ist Frank Augsten, den ehemalige Landessprecher Bündnis90/Die Grünen. Seit 2001 ist er Dozent für ökologische Tierzucht an der Universität Kassel-Witzenhausen. Augsten setzt sich in Thüringen für eine „gentechnikfreie Landwirtschaft, die natürliche und unverfälschte Nahrungsmittel produziert“ ein.

Karten für diesen zweiten Dokumentarfilm können unter (03601) 4400937 reserviert werden.

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