Träume aus Holz

Posted by on 14. Januar 2010

Besenbinder und Scherenschleifer, Töpfer und Schmied, Seiler und Korbflechter: Einst waren deren Zünfte in hiesiger Region weit verbreitet. Heute sind diese und andere traditionelle Handwerke rar geworden. Diese Serie soll eine kleine Führung durch das vielfältige Spektrum der Handwerkskunst im Unstrut-Hainich-Kreis sein und typische Produkte und Handfertigkeiten vorstellen. Sie will ein Stück der Faszination der Arbeiten, der Schönheit der Formen und Farben, der Exaktheit der meisterlichen Arbeiten und der Vielfalt der Ideen einfangen. So in der Werkstatt des Holzbildhauermeisters Heinz Günther.

Von Iris HENNING

HÜPSTEDT.

Zeichen setzen will Meister Günther. Zeichen aus Holz mitten in die Landschaft. Nicht in irgendeiner Landschaft, sondern in der Region, in der er lebt und arbeitet. Zum Beispiel entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. In den Himmel ragende Skulpturen könnten solche Zeichen sein.

Das sind die Tagträume des Holzbildhauers aus Hüpstedt. Während er in seiner Werkstatt Buchen- und Eichenstämme zu Skulpturen verarbeitet, Kinderhocker für eine Zahnarztpraxis herstellt, unikate Haustüren oder Spielgeräte für Kindergärten produziert, arbeiten seine Gedanken an au゚ergewöhnlichen Kunstaktionen. „Ich bin eben nicht nur Handwerker, sondern auch Künstler, ein Kunsthandwerker“, sagt Heinz Günther. Holzbildhauer sei so etwas wie ein Brücke zwischen Tradition und Moderne. Als guter Handwerker ist der Holzbildhauer gefordert, wenn es um die zwckmä゚ige Gestaltung geht. Zum Künstler wird er bei der ausdrucksstarken Formgebung. Die Ansprüche an seinen Beruf steckt Heinz günther hoch.

Viele Jahre hat er in seine Ausbildung investiert. Zwei davon absolvierte er an der Bauhaus-Universität in Weimar. Es folgte ein berufsbegleitendes Grundlagenstudium an der Fachhochschule im erzgebirgischen Schneeberg.

„Holzbildhauer, Holzgestalter & anerkannter Kunsthandwerker“ hat Heinz Günther heute auf seiner Visitenkarte stehen. „Ein Beruf mit Seltenheitswert“, wie er einschätzt. Wie er es sagt, klingt es stolz und traurig zugleich. Stolz, weil es so ein Jahrhunderte alter, geachteter Beruf ist. Traurig, weil der Beruf vom Aussterben bedroht scheint. Holzbildhauer gibt es nicht mehr viele in der Region. Meister Günther hat die Ausbildung nach vielen Jahren auch eingestellt. „Zu teuer geworden“, winkt er ab. Er kann keinen Lehrling mehr bezahlen. Kunsthandwerk ist für die meisten Menschen eben nur das fünfte Rad am Wagen: überflüssig. Nur wenige geben Geld für diesen schönen Überfluss aus.

Trotzdem liebt Heinz Günther seinen Beruf. Ob Figur, Relief oder Ornament: Mit der Phantasie des Holzbildhauers und der richtigen Handhabung der Werkzeige entstehen Arbeiten, die letztlich viel bewundert werden. Das sind dann Glücksmomente für den Hüpstedter. Glückliche Momente sind ebenso die Treffen mit Künstlerkollegen während internationaler Symposien. Nach Italien wird er oft eingeladen. In Sauze d’Oulx schuf er dabei kürzlich aus dem Stamm einer Zirbelkiefer eine 2,70 Meter hohe Figur eines Schäfers. Im Jahr 2006 arbeitete er gemeinsam mit anderen Bildhauern in Turin an einer Schnee- und Eisskulptur für die Olympischen Winterspiele. In diesem Jahr folgt er einer Einladung nach Russland. Unweit von Moskau treffen sich Holzbildhauer aus aller Herren Länder. „Und irgendwann treffen wir uns hier, um in der Region Eichsfeld und Unstrut-Hainich Zeichen zu setzen“, schnitzt, hobelt und feilt Heinz Günther aus seinen Träumen allmählich einen Plan. „Unsere Arbeiten sollen auch dann noch bewundert werden und von der jetzigen Zeit erzählen, wenn es uns schon nicht mehr gibt“, will der Holzbildhauer Bleibendes für die Allgemeinheit schaffen.

DIASCHAU

One Response to Träume aus Holz

  1. Marlies Gebhardt

    Hallo,
    ich habe mich über Ihren Artikel von Heinz Günther sehr gefreut.
    Ich bin verwandt mit H.G. er ist der Sohn der Cousine meines Vaters.
    Ich bin stolz ihn zu kennen.
    Viele Grüße
    Marlies Gebhardt

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