Neuer mit Forscherdrang

Posted by on 14. Januar 2010
Historiker Dr. Helge Wittmann ist begeistert von geschichtlich interessanter Stadt

Dr. Helge Wittmann ist seit Anfang des Jahres der neue Stadtarchivar Mühlhausens. Der 39-jährige Historiker trat die Nachfolge von Beate Kaiser an, die in den beruflichen Ruhestand ging.

Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.

Dr. Helge Wittmann (11)Termin im Reichstädtischen Archiv: Behutsam hält Dr. Wittmann ein uraltes Buch in der Hand. In Leder ist es gebunden. Der Dicke entsprechend müsste es mehrere tausend Seiten beinhalten. Die Patina einiger hundert Jahre liegt auf den Buchdeckeln und den mit feiner Schrift versehenen Seiten. „Hier steckt viel verborgenes Wissen“, ist Dr. Wittmann begeistert. Bis in das Spätmittelalter reichen die verschiedenen Überlieferungen, die im Reichsstädtischen Archiv aufbewahrt sind. Lesen lassen sie sich allerdings nur noch von Experten, so gewandelt haben sich Schrift und Sprachgebrauch im Laufe der Jahrhunderte.

Die historisch interessante Geschichte Mühlhausens war es, die den in Bad Frankenhausen geborenen Akademiker veranlasste, sich auf die ausgeschriebene Stelle als Stadtarchivar zu bewerben. Seine berufliche Biografie passt: Er studierte Geschichte und Sozialkunde mit Schwerpunkt thüringische Landesgeschichte. Der mittelalterlichen thüringischen Landesgeschichte widmete Helge Wittmann seine Dissertation. Erfahrungen bei der Organisation von historischen Ausstellungen, zum Beispiel über Kaiser Otto den Großen und Elisabeth von Thüringen, ergänzen seinen beruflichen Lebenslauf. Und: Er ist immer noch wissbegierig, neugierig auf das Leben der Menschen einst. „Hier gibt es noch viel zu erforschen“, blickt der neue Archivar auf den großartigen reichsstädtischen Archivschatz. Dabei geht es ihm weniger um Zahlen und Fakten, die schließlich weitgehend bekannt sind. Ihn interessiert das Lebensumfeld der Menschen. Wie lebten die Bürger im Mittelalter? Wie diejenigen, die am Rande der Gesellschaft standen? Wie waren die Beziehungen der Stadt zum Umland und zu den benachbarten Städten? Diesen und weiteren Fragen will er sich wissenschaftlich widmen. Nicht allein, wie er betont. Er setzt auf die Mitarbeit von Studenten und Forschern aus den Universitäten. Kontakte dafür bringt er mit. Das Reichsstädtische Archiv, das er das schönste und interessanteste Thüringens nennt, wird auf großes Interesse stoßen, ist er sich sicher. Er selbst will das Archiv auf Kongressen und in Publikationen immer wieder in die Forschungsdiskussion bringen. Bei all der Arbeit freut er sich auch auf die Unterstützung seiner Kollegen. „Hier herrscht ein angenehmer Geist“, beschreibt er seine ersten Arbeitstage. Das sei der Verdienst seiner Vorgängerin, Beate Kaiser. Sie habe mit ihren Mitarbeitern in all den Jahren dafür gesorgt, dass das Mühlhäuser Stadtarchiv im In- und Ausland einen guten Ruf genieße.

Dr. Helge Wittmann war bis zu seiner Anstellung als Stadtarchivar bei der Sparkassen-Kultur-Stiftung Hessen-Thüringen tätig. Aufgrund seines Tätigkeitswechsels zog er mit seiner Frau und seinen drei Kindern – drei, acht und dreizehn Jahre alt – von Weimar in den Unstrut-Hainich-Kreis. Wichtig für seine künftige Arbeit ist Dr. Wittmann die gute Zusammenarbeit mit den Mühlhäuser Museen, dem Mühlhäuser Geschichts- und Denkmalpflegeverein sowie der Stadtbibliothek.

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