Ein König, der Geld braucht

Posted by on 22. Dezember 2009
Ein ziemlich teures Geschenk für die Mühlhäuser Museen

Geschenkt: 2,35 Meter hoch und 1,31 breit ist das Gemälde, das den Mühlhäuser Museen von einem Privatmann ins Haus gebracht wurde. Das großformatige Ganzfigurenbildnis zeigt Philipp von Schwaben. Datiert wird die Entstehung des unsignierten Ölbildes in das frühe 18. Jahrhundert.

Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.

Geschenkt Steffi Mass nimmt Maß1Zweigelsohne: Dieses monumentale barocke Ölbild ist ein Hingucker. Gut sechstausend Euro ist es wert, geht aus einem ersten Gutachten des früheren Museumsdirektors Dr. Gerhard Seib hervor. Dennoch ist die Freude über diese Schenkung in den Mühlhäuser Museen verhalten. Grund: Das Gemälde befindet sich in einem restaurierungswürdigen Zustand. Etwas blass, mitgenommen und lädiert blickt der königliche Adel von der Leinwand. Ihm zum ursprünglichen Glanz zu verhelfen, würde vermutlich genau so viel kosten, wie das Bild jetzt wert ist: sechstausend Euro. „Das ist vorsichtig geschätzt“, sagte Thomas T. Müller, der Direktor der Mühlhäuer Museen. „Und es ist Geld, das wir nicht haben“, fügt er mit einem hilflosen Schulterzucken hinzu.

Die verhaltene Freude reicht aber immerhin für ein gutes Stück Stolz. „Angesichts der Seltenheit des Motivs … ist (es ein) sehr repräsentatives Bild“, ist im Gutachten zu lesen. Und eine unbekannte und für Mühlhausen unbedeutende Person ist mit Philipp von Schwaben auch nicht abgebildet. Aus dem Gutachten: „Bei dem Dargestellten handelt es sich um ein großformatiges Ganzfigurenbildnis des (späteren) Königs Philipp von Schwaben, geboren um 1180 als jüngster Sohn Friedrich Barbarossas, seit 1196 Herzog von Schwaben. Er ließ sich … 1198 zum deutschen König wählen. Er bekämpfte im Bund mit Frankreich den von England unterstützten Gegenkönig Otto IV., wurde von Papst Innozenz III. 1201 gebannt, setzte sich aber immer mehr gegen Otto IV. durch. 1208 wurde er von dem Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach in Bamberg ermordet.“

Der besondere Bezug zu Mühlhausen: Die Wahl des Staufers Philipp von Schwaben im Jahr 1198 zum König mit der Huldigung der Fürsten fand in der Königspfalz Mühlhausen statt. Dieser Tatsache ist auch die Schenkung zu verdanken. Ein Herr namens Thomas Nagel aus Vacha (Wartburgkreis) schenkte den Mühlhäuser Museen das Bild in der Hoffnung, dass der König in der Stadt, in der er einst gewählt wurde, gut aufgehoben sei. Der Schenker selbst hatte das Bild während einer Auktion erworben, aber dann feststellen müssen, dass ein so großes Format gar nicht in seine Wohnung passe.

In das Museum am Lindenbühl passt dagegen das Bildnis sehr gut. Nicht nur, weil die imposante Größe des Gemäldes dort gut zur Geltung kommt. Das Bildnis ist eine wunderbare Bereicherung für das Stadt- und Regionalgeschichtsmuseum, in dem die Gäste die thüringenweit einmalige Darstellung reichsstädtischer Geschichte erleben können.

Ehe sich Philipp von Schwaben aber dem Publikum öffentlich zeigen kann, muss er dringend restauriert werden. Adel verpflichtet. Der König braucht Geld.

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