Fantasievolles aus Paraffin

Posted by on 18. Dezember 2009

Besenbinder und Scherenschleifer, Töpfer und Schmied, Seiler und Korbflechter: Einst waren deren Zünfte in hiesiger Region weit verbreitet. Heute sind diese und andere traditionelle Handwerke rar geworden. Diese Serie soll eine kleine, exklusive Führung durch das vielfältige Spektrum der Handwerkskunst im Unstrut-Hainich-Kreis sein und will typische Produkte und Handfertigkeiten vorstellen. Sie will ein Stück der Faszination der Arbeiten, der Exaktheit einfangen. So in der Weberstedter Kerzenmanufaktur. Dort zieht und gießt Ralf Hunstock Fantasievolles aus Paraffin.

Von Iris HENNING

WEBERSTEDT.

Wann begann die Kerzengeschichte? Es ist nicht einfach, Licht in das Dunkel der frühesten Kerzengeschichte zu bringen. Die Erfindung der „Kerze“ liegt mindestens 3000 Jahre zurück. Die „Kerzen“ damals bestanden aus Stroh, Hanf oder Schilfrohr, das mit Fett oder Harz getränkt war – entsprechenden Gestank verströmten diese Lichter. Erst etwa in der Mitte des zweiten Jahrhunderts sollen bei den Römern niedrige Wachskerzen soweit entwickelt gewesen sein, dass sie in einem geschlossenen Raum brennen konnten – ohne lästiges, übermäßiges Rußen und üblen Geruch. Das Christentum und die Entwicklung seiner liturgischen Gebräuche waren der Impuls für eine rasche Verbreitung des Kerzengebrauchs. Mit dem Bienenwachs entfaltete sich die Kerzentechnologie das ganze Mittelalter hindurch. Dieses sehr wertvolle Wachs war jedoch vor allem den Kirchen und den reichen Fürstenhäusern vorbehalten. Für normale Haushalte blieben diese Kerzen unbezahlbar. Dort benutzte man Talgkerzen. Sie wurden aus minderwertigem Rindernierenfett oder Hammeltalg hergestellt, rochen entsprechend ranzig, qualmten und rußten.

Kerzen fanden erst weitere Verbreitung, als Ende des 18. Jahrhunderts die ersten größeren Produktionsstätten für Kerzen entstanden. Doch richtig erschwinglich wurden sie erst im 19. Jahrhundert, als Stearin und Paraffin als tropfenfreie und billig herzustellende Brennstoffe für Kerzen erfunden waren. Aus war es mit dem Luxusartikel. Die Kerzen wurde bezahlbar und entwickelte sich zum „Dauerbrenner“

Heute werden Kerzen in allen erdenklichen Farben und Formen hergestellt – der Fantasie und den technischen Möglichkeiten sind fast keine Grenzen mehr gesetzt. Doch lediglich nur noch ein paar wenige Prozent aller Kerzen, die es heute in Hülle und Fülle zu kaufen gibt, sind noch von Hand hergestellt. Einer, der noch Kerzen selbst zieht und formt ist Ralf Hunstock in seiner „Weberstedter Kerzenmanufaktur“. Echte Handarbeit und viel Liebe zum Detail sind die besonderen Merkmale seiner Produkte. Zeit und Geduld muss der 47-Jährige mitbringen, wenn er an sein Handwerk geht. Zwei Kerzen zu ziehen, dauert eine halbe Stunde. So ist der Docht langsam in das flüssige Wachs zu tauchen, langsam herauszuziehen, eine Minute warten, Docht wieder in das flüssige Wachs einzutauchen und herauszuziehen, eine Minute warten … Aufwendig ist auch das Kerzengießen in Formen, die er entweder gekauft oder selbst hergestellt hat. Es dauert, bis sich die Waldgeister, Holzmichel, knorrige Wurzelgesichter und andere Figuren aus den Formen schälen. „Eigentlich viel zu schade, um als Kerze angezündet zu werden“, hört der Kerzenmacher oft von seinen Kunden – meist Hainich-Touristen. Dann lächelt er und entgegnet: „Muss man ja auch nicht.“ Seine Kerzen sind auch ohne das warme Licht in vielen Wohnzimmern eine Zierde. Und wenn sie doch eines Tages zweckbestimmt verbraucht sind: Kerzen sind ja längst keine Luxusartikel mehr. Auch die aus der Weberstedter Manufaktur, ob nun gezogene oder gegossene Kerzen, mit oder ohne Duft, für besondere Anlässe wie Hochzeiten, Geburtstage oder Taufen, sind bezahlbar. Angeboten werden die Kreationen aus der Weberstedter Kerzenmanufaktur am Baumkronenpfad an der Thiemsburg.

DIASCHAU

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