Reichlich Lob, reichlich Sorgen

Posted by on 17. Dezember 2009
Kunstsammlung der Mühlhäuser Museen wird von Experten als eine der bedeutendsten eingeschätzt

Eines der bedeutendsten Museumsprojekte Thüringens ist im Eigentum der Mühlhäuser Museen: die Sammlung „Thüringer Kunst“. So schätzen es die Experten Günther Schuchardt und Holger Nowak ein. Trotz Lichtblick sorgen sie sich um die Zukunft von Kunst und Kultur in Thüringen.

Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.

Im Museum  Schuchard und Holger NowakDer Vorsitzende und der Geschäftsführer des Museumsverbandes Thüringen waren jetzt Gäste im Mühlhäuser Museum. Anlass für ihren Besuch war zum einen die Ausstellung mit Exponaten aus der Kunstsammlung, die als einzige im Land einen Überblick über den Kunstraum Thüringen geben kann. Zudem soll das Mühlhäuser Haus im nächsten Jahr Gastgeber für die Sitzung des Vorstandes der Thüringer Museumsverbandes sein. „Wir wollen dort tagen, wo es entweder etwas Positives zu zeigen gibt oder wo ein Brennpunkt ist“, begründete Schuchardt die Wahl für Mühlhausen. Die Mühlhäuser Museen sehen er Nowak als Vorbild in der Thüringer Museumslandschaft. Fünf Häuser haben die Mühlhäuser Museen im Verbund: Neben dem Haus am Kristanplatz gehören die Marienkirche, die Kornmarktkirche, die Allerheiligenkirche und die historische Wehranlage dazu.

Als so genanntes Mehrspartenhaus können die Besucher neben naturkundlichen (Geologie und Biologie Nordwestthüringens) und ur- und frühgeschichtlichen (Entwicklung von der Steinzeit bis zur fränkischen Kolonisierung) Dauerausstellungen auch die thüringenweit einmalige Darstellung reichsstädtischer Geschichte erleben sowie zeitgenössische Kunst genießen. „Die Mühlhäuser Museen sind mit diesen Sparten die wichtigste museale Einrichtung in Nordthüringen“, hebt Schuchardt den Stellenwert hervor. Museumsdirektor Thomas T. Müller und sein Vize Jürgen Winter tut diese Wertschätzung gut. Die tägliche akribische Arbeit der Mitarbeiter im Haus ist seit Jahren begleitet von der Sorge um die Finanzierung. Ganz unbegründet ist die nicht. Rabiate Eingriffe in das Kulturleben hat es schon in ganz anderen Regionen gegeben, in denen kommunale Politiker ihre Haushaltssicherungskonzepte mit teils abenteuerlichen Sparfantasien und -wirklichkeiten durchsetzen wollen. Weit schauen muss man nicht: Im benachbarten Creuzburg wurde jetzt die einzige Fachpersonalstelle im Museum weggespart, beklagt der Besuch. Die Stadt wolle sich diese Stelle nicht mehr leisten. Ab nächstem Jahr müsse die Creuzburg, die dem Ort den Namen gab, mit Ein-Euro-Jobbern und mit Ehrenamt auskommen. „Da wird der Museumsbetriebe erheblich leiden müssen“, befürchtet Günther Schuchardt. Auch Thomas T. Müller und Jürgen Winter sehen solches Wegsparen als kurzsichtig und unüberlegt. „Museen sind zwar auf dem ersten Blick ein Kostenfaktor“, meint Müller. Aber als Anziehungspunkt für Touristen seien sie auch ein Wirtschaftsfaktor. „Zu uns kommen derzeit viele Gäste von auswärts, um die Ausstellung Thüringer Kunst zu sehen. Die Besucher gehen dann auch in Mühlhausen in die Gaststätten und bleiben noch zum Einkaufsbummel; sie lassen Geld in der Stadt“, argumentiert er.

So können bedeutende Museumsprojekte auch einer kleinen Stadt wie Mühlhausen zu Einnahmen verhelfen. Wenn die Museen nicht weggespart werden, wie es in Creuzburg zu befürchten ist. In solchen Orten wird dann noch weniger los sein. Manche nennen solche abgründigen Eingriffe in das Kulturleben aber auch Zukunft.

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