Gefragte Töpferwaren

Posted by on 26. November 2009

Besenbinder und Scherenschleifer, Töpfer und Schmied, Seiler und Korbflechter: Einst waren deren Zünfte in hiesiger Region weit verbreitet. Heute sind diese und andere traditionelle Handwerke rar geworden. Diese Serie soll eine kleine, exklusive Führung durch das vielfältige Spektrum der Handwerkskunst im Unstrut-Hainich-Kreis sein und will typische Produkte und Handfertigkeiten vorstellen. Sie will ein Stück der Faszination der Arbeiten, der Schönheit der Formen und Farben, der Exaktheit der meisterlichen Arbeiten und der Vielfalt der Ideen einfangen, so in der Töpferei in Kammerforst.

Von Iris HENNING

KAMMERFORST.

Erde und Feuer: Die Arbeit mit Ton und der anschließende Brand zur Keramik ist eine der ersten Handwerkskünste, die mit der Entstehung der menschlichen Kultur verbunden ist. Töpferei ist die älteste Methode zur Herstellung von Gefäßen. Die frühesten europäischen Keramikfunde – gebrannte Tonfiguren – datieren die Wissenschaftler auf etwa 24.000 Jahre. Die ältesten bekannten Keramikgefäße sind etwa 18.000 Jahre alt und stammen aus China.

Dem uralten Handwerk haben sich Heike und Uwe Kley aus Kammerforst verschrieben. Vor zwanzig Jahren gründeten sie in dem Hainich-Dorf ihre Töpferei. Das war, als sie gerade ihre Diplome als Ingenieur für Technologie der Keramik in der Tasche hatten. Ein ehemaliger Hühnerstall wurde die erste Werkstatt. Die Hühnerstangen wichen Regalen. Wo das Futterdepot stand, wurde der Brennofen aufgebaut. Voller Lust und Ideen gingen sie ans Werk, ihren Lebensunterhalt als Kunsthandwerker zu ertöpfern. Töpfe, Schalen, Schüsseln sowie Krüge, Tassen, Vasen und dekorative Einzelteile formen sie aus dem feuchten Ton, lassen sie trocknen und schicken sie in den Ofen, damit sie wasserunlöslich und hart werden. Mit dekorativen Glasuren versehen, trotzt die Kley’sche Gebrauchskeramik den heutigen Massen an industriell produziertem Steingut.

Längst wird nicht mehr in dem umgebauten Hühnerstall produziert. An der Reckenbühler Straße haben sie vor einigen Jahren eine kleine Manufaktur errichtet. Die Werkstatt ist gleichzeitig ein Schauraum: Dort hat sich Uwe Kley mit seiner Töpferscheibe eingerichtet. Ihm macht es nichts aus, wenn Neugierige beim Arbeiten zuschauen. Aber nur selten blickt der Mann dabei von seiner Arbeit auf, so vertieft ist er in die Genauigkeit seiner Arbeiten. Wenn auch die Tassen, Schalen, Krüge und Co. von Hand gefertigte Unikate sind, gleichen sich die Serienprodukte dennoch. Das ist wichtig. Wer will schon ein Kaffeeservice mit ungleichen Tassen?

Gefragt sind die qualitativ hochwertigen Keramik-Gebrauchsgegenstände aus Kammerforst längst nicht mehr nur in der Region. Große Kisten voll Geschirr verlassen das Haus, um auf Reisen zu gehen. Die weitesten führen nach Singapur, Korea und Indonesien. Eine große, internationale Marktkette im Gastronomiebereich hat die Keramik aus dem Hainich-Dorf für sich entdeckt, um ihr gehobene Individualität zu unterstreichen. Anfangs hegte sie zwar Skepsis, ob ein so kleines Unternehmen überhaupt in der Lage sei, einen so umfangreichen Auftrag erfüllen zu können. Doch die Manager vertrauten schließlich dem Ruf der Thüringer als verlässliche Partner. Nun hat das Unternehmen für nächstes Jahr einen Großauftrag nach Kanada in Aussicht gestellt. Das macht die Kleys schon stolz, dass ihre Klassiker, also das Geschirr für den täglichen Bedarf, an Beliebtheit gewonnen haben. Ihre Kreativität und Phantasie, Neues zu entwickeln hemmt das nicht. Im Gegenteil, meint der Töpfermeister: „Wir werden richtig herausgefordert.“.So haben sie jetzt ein neues Dekor als Kontrast zu ihren Uni-Farben entwickelt: Die „Mohnblume“ soll noch mehr Abwechslung in das Sortiment bringen.

Die Töpferei Kley lädt heute und morgen, jeweils ab 14 Uhr, zu ihrem traditionellen Weihnachtsmarkt in ihre Werkstatt und auf den Hof ein.

DIASCHAU

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