Zwischen Geschichte und Fiktion

Posted by on 20. November 2009
Podiumsgespräch widmete sich den Wegmarken der Sammlung „Thüringer Kunst“

Vor zwanzig Jahren wurde in Mühlhausen eine Thüringer Sammlung begonnen, als es das politische Land Thüringen nicht gab. In fünfzig Jahren wird es diese Sammlung Thüringer Kunst noch geben – in einem ehrenamtlich geleiteten museumsähnlichem Haus, in dem gebrechliche Greise die Erinnerung an ein Museum versuchen zu konservieren. In diesem Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und düsterer Fiktion fand ein spannendes und unterhaltsames Podiumsgespräch im Museum am Lindenbühl statt.

Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.

Jürgen Winter, Thomas T. Müller und Dr. Rolf Luihn (v.l.).

Jürgen Winter, Thomas T. Müller und Dr. Rolf Luihn (v.l.).

Zum satirischen Seitenschlag holt der stellvertretende Museumsdirektor, Jürgen Winter, in der neuen Publikation „Der Kunstraum Thüringen im 20. Jahrhundert“ aus. In einem fiktiven Zeitungsartikel beschreibt er die Eröffnung der Ausstellung ‚Thüringer Kunst` im Jahr 2059. Düstere Zeiten machen es der Kultur schwer, am Leben zu bleiben. Und auch mit der Bildung steht es nicht zum Besten.

Doch darum drehte sich glücklicherweise das Podiumsgespräch nur für den Moment einiger Minuten. Die Mühlhäuser Museen hatten dazu am Donnerstagabend eingeladen. Geschichte und Geschichten um die Sammlung „Thüringer Kunst“ rückten der Moderator und Direktor der Mühlhäuser Museen, Thomas T. Müller, und seine Gesprächspartner Dr. Rolf Luhn, der Geschäftsführer der Art Regio SparkassenVersicherung und Jürgen Winter in den Mittelpunkt des Abends. Mit zwanzig Jahren Abstand betrachtet, bekommt der Beginn der Sammlung, etwas Legendäres. Sie begann, als das Land DDR sich zum Sterben bereitmachte, das aber noch niemand der im Land Lebenden auch nur ahnte. Genauso wenig, wie damals niemand ahnte, dass diese Sammlung zwei Jahrzehnte später die Mühlhäuser Museen zu „Sitz und Stimme im Orchester der Kunstmuseen“ (Jürgen Winter) machen sollte. Das Besondere an dieser Sammlung ist, dass sie den Thüringer Kunstraum in ihrer jüngeren Geschichte und Gegenwart zeigt und Einblicke in die Kunstgeschichte des Landes im 20. Jahrhundert gibt. Sie stellt Einzelaspekte und exemplarische Künstlerpersönlichkeiten vor, verweist auf kunsthistorische Zusammenhänge und, so erklärt Winter weiter, auf kulturpolitische Konditionen. Sie macht in ihrem Umfang auch Entwicklungen, Verwerfungen und Brüche in der Thüringer Kunstlandschaft deutlich.

So birgt diese Sammlung nicht nur Potenzial für die museumstypische Arbeiten wie Sammeln, Bewahren und Forschen. Das Podiums-Trio sieht in dieser mittlerweile außergewöhnlichen Sammlung auch ein großes Potenzial für den Tourismus in der Region. Allerdings werde das in der Öffentlichkeit zu wenig beachtet, werde unterschätzt. Dabei seien es gerade die Mühlhäuser Museen, die „kulturelles Klima in die Region tragen“, wertete Dr. Luhn. Seine Vision für die Mühlhäuser Museen und speziell für die repräsentative Sammlung Thüringer Kunst sieht weniger düster aus als die von Jürgen Winter. Er wünscht den Museen eine zusätzliche Ausstellungshalle, damit die Sammlung, die längst zum Alleinstellungsmerkmal in der landesweiten Museumslandschaft geworden ist, auch die erforderliche öffentliche Aufmerksamkeit bekommen kann.

Die Ausstellung „Zwischen Wald und Welt: Der Kunstraum Thüringen im 20. Jahrhundert“ ist bis zum 5. April 2010 im Museum am Lindenbühl zu sehen. Seit gestern liegt die Begleitbroschüre vor, in dem auch der fiktive Zeitungsartikel zu lesen ist.

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