Einblick in Seelenwelten

Posted by on 15. November 2009
Schauspielerin Cora Chilcott ließ klassische Balladen lebendig werden

Kleine Dramen und Tragödien, Sagen, Parabeln und in Lied gefasste Geschichten: Die Schauspielerin Cora Chilcott bot in ihrem Programm „Erlenkönigs Tochter“ ein tiefgründiges und abwechslungsreiches Balladen-Programm.

Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.

Cora Chilcott (2)Tyrannische Willkür, falsche Versprechen, schmachtende Liebe und sehnsuchtsvolle Hoffnungen – das sind die Zutaten für spannende Dramen, schreckliche Tragödien und mitreißende Kriminalgeschichten. Goethe, Schiller und Co. machten daraus zu ihrer Sturm-und Drang-Zeit in ihren Balladen große Weltliteratur. Cora Chilcott greift sie auf, schlüpft in die Rollen der schmachtend Liebenden, der Verzweifelten, der Hoffenden, der Tyrannen und lässt die Texte von Goethe, Schiller, Uhland, Bürger und Herder (mit denen sich nicht wenige Schüler einst im Literatur-Unterricht grausig abgequält haben) lebendig werden. Mit ihrem fesselnden Vortrag gibt sie Einblick in Seelenwelten, von abgrundtief krude bis aufopferungs-hingebungsvoll. Mit unerwartet tief-melancholischer Samtstimme trägt sie Balladen auch in Liedern vor. Beschwörend, fesselnd, sehnsuchtsvoll treibt sie die „Meeresstille“ oder das „Heidenröslein“ in die Ohren der Lauschenden.

Cora Chilcott wurde in Leipzig geboren, erwarb ihr Schauspieldiplom an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg, war Sprecherin im Deutschland Radio Berlin und war am Senftenberg Theater, im Hans-Otto-Theater in Potsdam und am „bat Studiotheater“ in Berlin engagiert. Seit 2001 ist sie Gast beim Berliner Ensemble. Auch im Fernsehen und im Kino ist sie bereits zu sehen gewesen, u.a. in dem preisgekrönten Film „Tears of Kali“, in dem sie die Hauptrolle spielte. Jetzt war sie Gast im TA-Café in der Stadtbibliothek Jakobikirche. Ein Zufall war es, dass sie fast auf den Tag genau, als die Bibliothek ihren 150. Geburtstag beging, deutsche Literatur vortrug, die fast 150 Jahre über die verschiedensten Epochen hinweg zu Hause war. Daran erinnerte Stadtbibliothekar Peter Rink in seiner Begrüßung und lud für Dienstagabend, 17. November, 19.30 Uhr, erneut in sein Haus ein. Der Mühlhäuser Chronist Dieter Fechner wird einen Vortrag über die Entwicklung der Bibliothek halten.

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