Tiefschwarze Ich-Suche

Posted by on 31. Oktober 2009
Mühlhäuser Satireherbst: Fabian Lau servierte bitterböse Sprachakrobatik

Ein Intellektuellen-Typ mit Woody-Allen-Brille: Fabian Lau war dann mal hier. Er ging in der 3K-Spielstätte Kilianikirche auf bitter-komische satirische Ich-Suche.

Von Iris HENNING

MHLHAUSEN.

Satireherbst mit Fabian LauEr will keinen Streit mit dem Kollegen Herpe Kerkeling, „den auch ich wirklich sehr verehre. Schließlich war es doch sein Bestseller, der mich dazu inspiriert hat, einmal selbst so eine Art Reise zu dem eigenen Ich anzutreten – eben nur auf meine Weise“, sagt Fabian Lau. Der freie Autor und Satiriker aus Paderborn griff am Wochenende mit seinem Programm „Ich bleib dann mal hier – meine Ich-Suche auf der Fernsehcouch“ tief in die psychologische Kiste der zwischenmenschlichen Beziehungen. Haarsträubendes Bitterböses und Bitterernstes brachte er auf der 3K-Bühne zum Vorschein. Grausamkeiten aus der Familie und der Nachbarschaft verpackte er mit tiefschwarzem Humor in präzise Wortspielereien. In dem per Post geschickten Ohr seiner entführten Gattin fand er endlich eine schweigende Zuhörerin und die Wochenend-Opfer-Katze wurde zum Fall für die Bio-Tonne. Egal, was aus der boshaften Kiste kam: Lau griff immer ins Makabere und montierte daraus im Handumdrehen gedankenakrobatische Spannungsbögen. Selbstvergessen, selbstironisch, knapp im modischen Abseits und mit Hornbrille: Die Attribute, mit denen Womit Woody Allen seine Weltkarriere machte, sind für den Satiriker Fabian Lau ebenfalls die Zutaten, mit denen er köstlich hantiert. Nur mit der Durch-den-Wind-Frisur des amerikanischen Stars kann sich der hessische Künstler nicht messen. Aber Fabian Lau ist ja auch Fabian Lau. Zum Glück aller hiesigen Kabarett-Liebhaber blieb er dann mal hier – zur ganz persönlichen Ich-Suche auf der Fernsehcouch und später noch im Theater-Café der Kilianikirche, wo die Gäste dieses Mühlhäuser Satireherbstabends noch viel Spaß mit ihm hatten.

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