Über Örtchen zur Kunst

Posted by on 29. Oktober 2009
Für andere eine anrüchige Idee, für Matthias Peinelt ein außergewöhnliches Mittel

Ein Toi-Toi-Häuschen als stilles Örtchen für die Kunst? Der Maler und Grafiker Matthias Peinelt kann sich so etwas durchaus vorstellen. Nicht nur in der Metropole Frankfurt, in der er arbeitet, sondern auch in der Provinzstadt Mühlhausen, in der er wohnt.

Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.

Matthias PeineltWill er die Kunst degradieren? Im Gegenteil, antwortet der Wahl-Mühlhäuser, der seit kurzem Mitglied im Verein „Kunstwestthüringer“ und im Verband Bildender Künstler Thüringen ist. Er will die Kunst auf den Thron heben, will sie mit außergewöhnlichen Mitteln aus dem trägen Tiefschlaf wecken. In der Schlafphase sieht Peinelt derzeit die Mühlhäuser Kunstszene. „Hier gibt es so unglaublich schöne Sachen, Vielfalt und Qualität“, sagt er. Malerei, Grafik, Fotografie, Objekte, listet er die Breite der aktuellen bildenden Kunst in Mühlhausen und Umgebung auf. Aber davon merke man als Außenstehender lediglich nur punktuell etwas. Etwa, wenn die Galerie Zimmer zur Ausstellung oder zu Gesprächen mit Stilles �rtchen als �rtchen der KunstKünstlern über Kunst einlädt. Aber da komme lediglich ein Elite-Publikum, das sich ohnehin schon für Kunst interessiere. Peinelt wünscht sich, dass sich fast alle in Mühlhausen für die Werke der Künstler aus ihrer Heimat interessieren, dass Kunst in Mühlhausen zum Stadtgespräch wird. Seiner Meinung nach lasse sich das aber nur mit außergewöhnlichen Aktionen verwirklichen.

Lokale Kunst also auf den Lokus? Peinelt relativiert: Die Toi-Toi-Häuschen, die er sich als ein Beispiel vorstellen könnte, sollen natürlich keinen Sitzplatz für die individuelle Notdurft haben. Sie sollten lediglich die Funktion des Neugierig-Machens übernehmen. Die Gestaltung der Häuschen wäre dann wieder eine künstlerische Aufgabe. Über diese provozierenden Mini-Stationen der Kunst könnte zu den großen Stätten der Kunst gelenkt werden, etwa zu den Ausstellungen in den Mühlhäuser Museen, so seine Vision.

Wenn andere über die Toi-Toi-Idee auch die Nase rümpfen: Matthias Peinelt selbst findet nichts Anrüchiges daran. Kunst, so erläutert er, hat schließlich was mit allen Facetten des Lebens zu tun. So ganz seine Erfindung seien die umgenutzten Toiletten-Häuschen auch nicht. Anderswo habe diese Idee schon guten Erfolg gehabt. Auch der Tourismus sei auf diese ungewöhnliche Weise angekurbelt worden. Plötzlich interessierten sich viele für Kunst oder treffender: für die Örtchen der Kunst. „Und die Idee ist doch eigentlich ganz witzig“, meint Matthias Peinelt, der als erster Grafiker und leitender Designer beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main arbeitet.

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