Messer aus Feuer und Stahl

Posted by on 29. Oktober 2009

Besenbinder und Scherenschleifer, Töpfer und Schmied, Seiler und Korbflechter: Einst waren deren Zünfte in hiesiger Region weit verbreitet. Heute sind diese und andere traditionelle Handwerke rar geworden. Diese Serie soll eine kleine, exklusive Führung durch das vielfältige Spektrum der Handwerkskunst im Unstrut-Hainich-Kreis sein und will typische Produkte und Handfertigkeiten vorstellen. Sie will ein Stück der Faszination der Arbeiten, der Schönheit der Formen und Farben, der Exaktheit der meisterlichen Arbeiten und der Vielfalt der Ideen einfangen.Gleichzeitig soll diese Serie eine kleine Exkursion durch die Geschichte der Handwerker sein, deren Werkstätten zum Teil bereits über viele Generationen bestehen. So wie die des Schmiedes Jan Zilling in Kammerforst. Seine Spezialität: Messer aus Feuer und Stahl

Von Iris HENNING

KAMMERFORST.

Orientalische Schmiede schufen einst Stahlklingen von unübertroffener Güte. Heere mit Damaszenerschwertern, denen die abendländischen Ritter zuerst bei den Kreuzzügen begegneten, hatten waffentechnisch einen klaren Vorteil. Die Schneide war unglaublich scharf. Angeblich konnten Damaszenerschwerter in der Luft schwebende seidene Taschentücher zerteilen. Dazu wäre ein europäisches Gegenstücke niemals fähig gewesen. Diese Eigenschaft verschaffte den Damastklingen einen legendären Ruf.

Damaszenerklingen wurden ursprünglich in Damaskus – daher ihr Name – und später auch andernorts im islamischen Orient hergestellt. Ihre Oberfläche zierte ein wellenförmiges Muster, das heute unter dem Namen Damast bekannt ist. ber Jahrhunderte war die Herstellung dieses Stahls, der für Schwerter, Dolche, xte und Speerspitzen verwendet wurde, gehütetes Geheimnis.

Von Hand gefertigte Damast-Klingen sind auch heute noch begehrt, wenn auch nicht als Kriegswaffe. Aber für ein solches Kleinod als Jagd- oder Küchenmesser legen Liebhaber schon einmal mehrere hundert Euro auf den Tisch.

Einer, der den Weg zum Damszener Stahl gefunden hat, ist der Schmied Jan Zilling aus Kammerforst. Er ist die vierte Generation in der über 100-jährigen familiengeführten Schmiede und Schlosserei. „Messer aus Feuer und Stahl“ nennt Jan Zilling seine Klingen. Weiches Eisen paart er mit hartem, spröden Stahl. In der über 1300-Grad-Hitze des Schmiedefeuers entsteht ein Werkstoff mit neuen Eigenschaften: „Härte, gepaart mit Elastizität“, erklärt der Schmiedmeister. In vielen Lagen wird der Stahl auf dem Amboss unter der Wucht des Schmiedehammers gefaltet und immer wieder gefaltet, damit später das einzigartige Damast-Muster entsteht. Mitunter sind mehr als 300 Lagen notwendig. Mit Wissen und Können lässt der Schmied jedes seiner Messer zum unverwechselbaren, kunstvollen Einzelstück werden. Er verleiht selbst den Zwergen unter seinen Messern, den „Hainich-Knirpsen“, Griffe aus Hirschhorn und Schmiedbronze, aus Pockholz und Edelstahl, aus Ebenholz und Neusilber. Seine Leidenschaft zu dieser alten Schmiedetechnik zahlt sich aus: Vor allem Hainich-Touristen, die das schöne Kammerforst für sich als Ferienziel entdeckt haben, wissen die Schmiedekunst zu schätzen. Aber auch Jäger, Sammler und Köche begehren mitunter ein solch seltenes und sehenswertes Einzelstück.

Geschickte Handwerker sind die Zillings nicht nur in der Damastschmiede. Restauration, Metallbau, Herstellung von Toren, Zäunen, Gitter, Treppen und Geländer sowie von berdachungen und Kunstschmiedearbeiten gehören zur täglichen Arbeit. In der Kammerforster Schmiede wurden auch schon historischer Kulturgüter restauriert. Die Zaun- und Toranlage im Stil des ländlichen Barocks um 1750 für den Ehrenhof des Schlosses Meseberg in Brandenburg wurde in Kammerforst restauriert. Ebenso das etwa sieben Meter hohe und 700 Kilogramm schwere Turmkreuz der Mühlhäuser Marienkirche.

Zeugnis lebendiger Handwerkskunst sollen künftig nicht mehr nur die Schmiedarbeiten sein. Jan Zilling will Interessierten künftig auch die Gelegenheit geben, einem Schmied bei der Arbeit zuzuschauen. Er will eine Schauschmiede bauen. Dort soll gezeigt werden, wie aus Feuer und Stahl ein Damastmesser entsteht. Denkbar ist für Jan Zilling auch, Schmiede-Seminare anzubieten. „Wer geschickt ist, kann sich dabei sein eigenes Damast-Messer mitten im Hainich schmieden“, sagt er. Von seinem Wissen und Können will er gern abgeben.

DIASCHAU

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.