Intensive Reise durch Lebenszustände

Posted by on 22. Oktober 2009
Andreas Altmann las in ausverkaufter Stadtbibliothek aus seinem neuen Buch „Sucht nach Leben“

Da sitzt er. Der Mann, der süchtig ist. Süchtig nach Leben. In dunkler Lederjacke, Jeans, die langen Haare zu einem unkonventionellen Zopf gebunden stimmt er sein Publikum ein auf „Sucht nach Leben“. Sein neues Buch stellte der Reisereporter Andreas Altmann am Dienstagabend im ausverkauften TA-Café vor.

Von Iris HENNING

MHLHAUSEN.

Andreas Altmann im TA-Cafe (1)Mit seinem Vorwort beginnt er. Alle seine Bücher beginnen mit einem Vorwort von ihm. Darin schwört er die Leser, die Zuhörer ein auf die Melodie, auf den Rhythmus des Buches. „Sucht nach Leben“ enthält Geschichten, die betören und verzaubern, weil sie auf bizarre Weise vom Reichtum der Menschlichkeit in der Welt erzählen. Und es enthält Geschichten, die bestürzen, traurig und wütend machen, weil sie über den steten und ständigen Wahnsinn in der Welt berichten. Letztere sind die Geschichten, die „ich … mit dem Presslufthammer geschrieben (habe)“, sagt Altmann. Die andere Hälfte soll von den „wunderbar wunderlichen Versuchungen und Belohnungen (erzählen), die sie (die Welt) für jeden Welthungrigen bereithält.“ So lässt Altmann an diesem Abend seine Zuhörer teilnehmen an seinem Besuch bei indischen Scharlatanen, bei denen er sich als angeblicher Sex-Schwächling kurieren lassen will, stellt den Mühlhäusern sein Pariser Café vor und nimmt sie mit in das Crackhouse in East New York, einem Viertel in Brooklyn, in dem er achtzehn Tage lang als vermeintlich Drogenabhängiger unter Drogensüchtigen lebte. Fassungslos, wortlos schließlich macht die Begegnung mit zwei einsamen Frauen in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesh. Für Asma und Popy ist das Leben in dem Moment abgestürzt, als sie von Männern mit Säure überschüttet wurden. Asma, hochschwanger, von ihrem unzufriedenen Ehemann, Popy von einem eifersüchtigen Besitzdenker. Die Schwefelsäure fraß ihre Gesichter weg, entstellte ihre Körper. Es sind Bilder, die der Reporter Andreas Altmann nicht vergessen kann, die sich ihm unter die Schädeldecke eingebrannt haben.

Sechzig Geschichten von unterwegs hat Altmann in „Sucht nach Leben“ aufgeschrieben. Sie sind überraschend, bestürzend, wunderlich schön und tragisch. Sie sind eine intensive Reise durch Lebenszustände in der Welt, eine Attacke auf „ranzige Gewohnheiten“.

Mit „Sucht nach Leben. Geschichten von unterwegs“ legt Andreas Altmann, mehrfach preisgekrönter Autor – er erhielt unter anderem den Egon-Erwin-Kisch-Preis und den Reisebuch-Preis – sein nunmehr zwölftes Buch vor. Sein dreizehntes mit dem provokanten Titel „Triffst Du Buddha, töte ihn!“ bereitet er gerade vor. Im Februar 2010 soll es erscheinen. Vielleicht wird er auch dieses in Mühlhausen vorstellen. Andreas Altmann war das vierte Mal Gast in der Stadtbibliothek. Mit einem herzlichen Dankeschön für die Gastfreundschaft bedankte sich Deutschlands bekanntester Reisereporter auch bei der „Thüringer Allgemeinen“ für die Einladung ins TA-Café.

(„Sucht nach Leben – Geschichten von unterwegs“, Dumont Verlag, ISBN 978-3-8321-9500-7, 16,95 Euro)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.