Brillante Ideen

Posted by on 22. Oktober 2009
Cornelia Wallbraun ist eine geschickte Goldschmiedin

Besenbinder und Scherenschleifer, Töpfer und Schmied, Seiler und Korbflechter: Einst waren deren Zünfte in hiesiger Region weit verbreitet. Heute sind diese und andere traditionelle Handwerke rar geworden. Diese Serie soll eine kleine, exklusive Führung durch das vielfältige Spektrum der Handwerkskunst im Unstrut-Hainich-Kreis sein und will typische Produkte und Handfertigkeiten vorstellen. Sie will ein Stück der Faszination der Arbeiten, der Schönheit der Formen und Farben, der Exaktheit der meisterlichen Arbeiten und der Vielfalt der Ideen einfangen.leichzeitig soll diese Serie eine kleine Exkursion durch die Geschichte der Handwerker sein, deren Werkstätten zum Teil über viele Generationen bestehen. Andere wiederum wagten einen Neuanfang. So wie die Goldschmiedin Cornelia Wallbraun.

Von Iris HENNING

MHLHAUSEN.

Filigrane Ketten liegen in der Auslage, ein goldener Armreif schimmert, funkelnd bricht sich das Licht im Diamanten eines Ringes. Die Goldschmiedin hat glanzvolle Arbeit geleistet. Cornelia Wallbraun ist eine Neueinsteigerin in die goldene Zunft. „Schmuck, Gestaltung, Form und Kreativität haben mich von je her fasziniert“, erzählt sie. Früh stand sie im Bann edler Schmuckstücke mit ihrem faszinierenden Glanz. Sie wollte auch Schmuck herstellen, der Stil zeigt, Individualität zum Ausdruck zu bringt und bewundernde Blicke einheimst. Früh stand für sie fest: Ich werde Goldschmiedin. Nach Abschluss der Schule begann sie, diesen Beruf zu lernen. Das war 1987, in einer Zeit, als Edelmetall in dem ärmeren Teil Deutschlands seltener als rar war und die Aussichten auf glitzerndere Zeiten keine guten waren. Abhalten von ihrem Berufswunsch konnten sie diese Engpässe nicht. Eine klassische Ausbildung absolvierte sie. In Weimar lernte sie den praktischen Teil ihres Handwerks, in Arnstadt den theoretischen. Sie lernte, zarteste Kastenschlösser aus Gold und Silber herzustellen, filigrane Fassungen und Schutzsicherungen. Sie lernte das Einmaleins des Umarbeitens, Reparierens und Restaurierens von Schmuck und Ziergegenständen. Sie kreierte Ringe und Ketten, Armreife und Broschen. „Und es hat unglaublichen Spaß gemacht“, erinnert sie sich an ihre Lehrzeit, an die sie später, als sie schon selbstständig war, noch eine Meisterausbildung fügte. In einem der wohl schönsten Fachwerkhäuser in Mühlhausens Innenstadt, am Steinweg, eröffnete sie ihre Goldschmiede. Froh ist sie, ihr eigenes Geschäft zu haben, sich als Goldschmiedin verwirklichen zu können. Der Keller des Hauses ist als Werkstatt ausgebaut. Durch ein archäologisches Fenster im Geschäft können Kunden der geschickten Goldschmiedin zusehen, wie sie mit Fingerspitzengefühl brillante Ideen in die Tat umsetzt. Jedes Schmuckstück wird zum Ausdruck von eigener Persönlichkeit, Kreativität und handwerklicher Kunstfertigkeit. Es wird Wertbeständiges aus Edelmetall und Edelsteinen geschaffen, das modische Trends übersteht. Oder es werden Werte erhalten durch das Restaurieren, Umarbeiten und Pflegen von Schmuckstücken. Die junge Goldschmiedin lässt sich gern zusehen: „Ich möchte auch zeigen, dass Goldschmieden eine Wissenschaft für sich ist, in der viel Liebe zum Detail und Einfühlungsvermögen gefragt sind“. So bietet sei Interessierten auch an, sich ihren eigenen edlen Schmuck herzustellen. Ein Brautpaar hat sich mit ihrer Hilfe Ringe gefertigt. „Individueller geht es kaum mehr“, meint die Goldschmiedin.

Das Selbermachen sei aber eher die Ausnahme. Beliebt bei den Kunden ist dagegen das Anfertigen von Schmuck nach ihren individuellen Wünschen. Ringe werden zu Anhängern, Armreifen werden mit Edelsteinen besetzt, aus unmodernen Broschen werden zeitgemäße Anstecker. Kleine Raritäten haben die Walbraun’sche Werkstatt auch schon verlassen: Afrika und Australien als stilisierte Landkarten aus Gold als Anhänger, goldene Schüsselanhänger mit dem Trabant-Logo, Hauer eines Keilers in Gold gefasst oder auch die ersten ausgefallen Milchzähne des Kindes in glitzerndes Edelmetall gehüllt. Der Phantasie der Kunden und der Jahrtausende alten Zunft der Goldschmiede sind keine Grenzen gesetzt.

DIASCHAU

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