Das ist unser Glück

Posted by on 19. Oktober 2009

Tulpenweg 22. Die blumige Adresse ist seit drei Jahren das zweite Zuhause von Dieter und Bärbel Lauberbach. Diesen Kleingarten in der Mühlhäuser Gartenanlage „Windeberg Ost“ nennen sie „unser Glück“. Ihr Glück hat ein Maß: Knapp fünfhundert Quadratmeter ist es groß und vom zeitigen Frühjahr bis hin zum späten Herbst eine spendable Quelle von Obst, Gemüse und Blumenpracht.

Von Iris HENNING

MHLHAUSEN.

Die Landwirtschaft prägte über Jahrzehnte das Leben der Lauberbachs. Gut fünftausend Quadratmeter bewirtschafteten sie um ihr Haus im kleinen Ort Annaberg bei Struth, sie versorgten ihr Vieh und kümmerten sich um ihre Familie. Sieben Kinder sind groß geworden in ihrem Haus, das später keiner von ihnen haben wollte. Das beschauliche Annaberg mit seinen wenigen Einwohnern reizte die Kinder nicht als Wohnort für die Zukunft. Sie zogen in die Welt. Dieter und Bärbel Lauberbach zogen nach Mühlhausen. Zu groß war ihnen die Wirtschaft geworden, ebenso das mit der Familie gewachsene Haus. „Wir haben alles verkauft und zogen in die Stadt“, erzählt Frau Lauberbach. Hier habe man es bequemer, wenn man zum Frisör wolle, den Einkauf erledigen müsse oder einen Arzt brauche. Nicht kalkuliert hatten sie allerdings die Sehnsucht nach der frischen Erde, nach dem Duft nach Pflanzen, nach der Arbeit mit Hacke und Spaten, nach Grünem um eine Bank, die ihnen allein gehört.

Die Lauberbachs hatten Glück. Parzellen in Kleingartenanlagen gibt es derzeit reichlich. Die Nachfrage ist gering. So konnten sie die unmittelbare Nachfolge eines gerade aufgegebenen Kleingartens antreten. „Der war gut in Schuss“, denkt Dieter Lauberbach an die bergabe zurück: Ein kleines Häuschen, gepflegte Beete. Nur der Boden brauchte eine Kur. Und es blieb Platz für die kleinen individuellen Gestaltungswünsche, die man hatte. Ein Pavillon wurde auf einem Stück Wiese aufgebaut, Weintrauben, Beerenobst und Stangenbohnen als Sicht- und Windschutz angepflanzt. Dieses Stückchen Wiese ist der einzige Erholungsplatz inmitten der gepflegten Beete.

Oft scheinen sich die Lauberbachs aber nicht in ihrer grünen Oase auszuruhen. Vom zeitigen Frühjahr bis zum späten Herbst sind sie beschäftigt: Kräuter werden selbst gezogen, Obst und Gemüse werden reichlich angebaut. Die Blumenrabatten hören gar nicht auf zu blühen. „Wir sind Selbstversorger“, sagt das Seniorenpaar. Was auf dem Speiseplan steht, bestimmt die Saison, im Winter die Vorratskammer. Die Rezeptsammlung von Frau Lauberbach ist üppig, auch an Mediterranem. „Ich habe mir viel in Spanien abgeguckt“, erzählt sie. „Meine Frau probiert gern Neues aus“, freut sich auch Dieter Lauberbach über diese Vielfalt. Probierfreudig ist Bärbel Lauberbach nicht nur am Herd sondern ebenso im Garten. So manche Blumensaat aus Spanien und Italien fühlt sich auch in der Mühlhäuser Erde wohl.

Jetzt haben die Lauberbachs ihren Garten für die Winterruhe vorbereitet. Die Beete sind umgegraben, die Kräuter getrocknet, Marmeladengläser und eingekochtes Obst und Gemüse stehen in Reihe und Glied in den Regalen. Die Tiefkühltruhe ist gut gefüllt. Auch für die Kinder war von der Ernte reichlich übrig geblieben.

Nur noch einige Reihen Möhren harren im Garten. Die sollen noch mit Erde bedeckt und so über den Winter gebracht werden. Die Möhren sollen erstes Frisches im nächsten Frühjahr sein. Schon jetzt sehnen sich Bärbel und Dieter Lauberbach nach der neuen Zeit des Erwachens, des Wachsens und Werdens. Mit den ersten Schneeglöckchen werden sie wieder auf ihrem Stückchen Glück sein.

Steckbrief:

Pächter: Dieter und Bärbel Lauberbach, 73 und 70 Jahre

Wohnort: Mühlhausen

Ort der Kleingartenanlage: im Nordosten von Mühlhausen

Tulpenweg 22. Die blumige Adresse ist seit drei Jahren das zweite Zuhause von Dieter und Bärbel Lauberbach. Diesen Kleingarten in der Mühlhäuser Gartenanlage „Windeberg Ost“ nennen sie „unser Glück“. Ihr Glück hat ein Maß: Knapp fünfhundert Quadratmeter ist es groß und vom zeitigen Frühjahr bis hin zum späten Herbst eine spendable Quelle von Obst, Gemüse und Blumenpracht.

Von Iris HENNING

MHLHAUSEN.

Die Landwirtschaft prägte über Jahrzehnte das Leben der Lauberbachs. Gut fünftausend Quadratmeter bewirtschafteten sie um ihr Haus im kleinen Ort Annaberg bei Struth, sie versorgten ihr Vieh und kümmerten sich um ihre Familie. Sieben Kinder sind groß geworden in ihrem Haus, das später keiner von ihnen haben wollte. Das beschauliche Annaberg mit seinen wenigen Einwohnern reizte die Kinder nicht als Wohnort für die Zukunft. Sie zogen in die Welt. Dieter und Bärbel Lauberbach zogen nach Mühlhausen. Zu groß war ihnen die Wirtschaft geworden, ebenso das mit der Familie gewachsene Haus. „Wir haben alles verkauft und zogen in die Stadt“, erzählt Frau Lauberbach. Hier habe man es bequemer, wenn man zum Frisör wolle, den Einkauf erledigen müsse oder einen Arzt brauche. Nicht kalkuliert hatten sie allerdings die Sehnsucht nach der frischen Erde, nach dem Duft nach Pflanzen, nach der Arbeit mit Hacke und Spaten, nach Grünem um eine Bank, die ihnen allein gehört.

Die Lauberbachs hatten Glück. Parzellen in Kleingartenanlagen gibt es derzeit reichlich. Die Nachfrage ist gering. So konnten sie die unmittelbare Nachfolge eines gerade aufgegebenen Kleingartens antreten. „Der war gut in Schuss“, denkt Dieter Lauberbach an die bergabe zurück: Ein kleines Häuschen, gepflegte Beete. Nur der Boden brauchte eine Kur. Und es blieb Platz für die kleinen individuellen Gestaltungswünsche, die man hatte. Ein Pavillon wurde auf einem Stück Wiese aufgebaut, Weintrauben, Beerenobst und Stangenbohnen als Sicht- und Windschutz angepflanzt. Dieses Stückchen Wiese ist der einzige Erholungsplatz inmitten der gepflegten Beete.

Oft scheinen sich die Lauberbachs aber nicht in ihrer grünen Oase auszuruhen. Vom zeitigen Frühjahr bis zum späten Herbst sind sie beschäftigt: Kräuter werden selbst gezogen, Obst und Gemüse werden reichlich angebaut. Die Blumenrabatten hören gar nicht auf zu blühen. „Wir sind Selbstversorger“, sagt das Seniorenpaar. Was auf dem Speiseplan steht, bestimmt die Saison, im Winter die Vorratskammer. Die Rezeptsammlung von Frau Lauberbach ist üppig, auch an Mediterranem. „Ich habe mir viel in Spanien abgeguckt“, erzählt sie. „Meine Frau probiert gern Neues aus“, freut sich auch Dieter Lauberbach über diese Vielfalt. Probierfreudig ist Bärbel Lauberbach nicht nur am Herd sondern ebenso im Garten. So manche Blumensaat aus Spanien und Italien fühlt sich auch in der Mühlhäuser Erde wohl.

Jetzt haben die Lauberbachs ihren Garten für die Winterruhe vorbereitet. Die Beete sind umgegraben, die Kräuter getrocknet, Marmeladengläser und eingekochtes Obst und Gemüse stehen in Reihe und Glied in den Regalen. Die Tiefkühltruhe ist gut gefüllt. Auch für die Kinder war von der Ernte reichlich übrig geblieben.

Nur noch einige Reihen Möhren harren im Garten. Die sollen noch mit Erde bedeckt und so über den Winter gebracht werden. Die Möhren sollen erstes Frisches im nächsten Frühjahr sein. Schon jetzt sehnen sich Bärbel und Dieter Lauberbach nach der neuen Zeit des Erwachens, des Wachsens und Werdens. Mit den ersten Schneeglöckchen werden sie wieder auf ihrem Stückchen Glück sein.

Steckbrief:

Pächter: Dieter und Bärbel Lauberbach, 73 und 70 Jahre

Wohnort: Mühlhausen

Ort der Kleingartenanlage: im Nordosten von Mühlhausen

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