Verwechslung hat fatale Folgen

Posted by on 18. Oktober 2009
Wer statt der Stockschwämmchen den Gift-Häubling zubereitet, hat eine mörderische Mahlzeit

Steinpilze, Perlpilze, Butterpilze, Stockschwämmchen, Hallimasch, Reizker, Ritterlinge und Co.: Die feuchte Witterung hat die Waldfrüchte im Hainich in Mengen sprießen lassen. Doch nicht alle Pilze, die auf den ersten Blick in den Sammelkorb gehören, sind tatsächlich für Topf und Pfanne geeignet. Gefährliche Doppelgänger können zur tödlichen Mahlzeit werden.

Von Iris HENNING

HAINICH.

StockschwämmchenIm Herbst ist Pilzsaison. Dann zieht es manch einen in den Wald auf der Suche nach den wildwachsenden Köstlichkeiten. Doch bekanntlich sind längst nicht alle Pilze essbar. Und manche Speisepilze – zum Beispiel die Stockschwämmchen – haben giftige Doppelgänger, die selbst erfahrene Pilzsammler täuschen können. Ist das Gift erst einmal im Körper, kann es im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden. Wer statt der Stockschwämmchen die Gift-Häublinge sammelt und zubereitet, hat eine mörderische Mahlzeit auf dem Tisch.

Böse Folgen kann auch ein Gericht aus dem Satanspilz haben. Mit seinem roten Stiel und heller Kappe sieht dieser Pilz prächtig aus – und manchmal auch leider wie ein Steinpilz. Doch wer den Satanspilz auf dem Teller hatte, kann schnell auf der Intensivstation des nächsten Krankenhauses landen.

SchwefelköpfeDennoch zählt der Satanspilz nicht zu den giftigsten Pilzen. Dem Gefährlichsten eilt sein mörderischer Ruf inzwischen voraus: Die Amatoxine des Knollenblätterpilzes sind tödlich. Schon ein Exemplar des grünen Knollenblätterpilzes kann ausreichen. Die Qual beginnt mit Erbrechen und Durchfall. Während bei harmloseren Giftpilzen schon nach einer halben bis drei Stunden der Magen rebelliert, beginnt der Knollenblätterpilz erst nach frühestens sechs Stunden zu wirken. Nach ein bis zwei Tagen erholt sich der Erkrankte scheinbar. Dann kommt es zu Leberschäden. Zwar existiert ein Gegenmittel. Doch oft kommt es zu spät zum Einsatz. Hat die Leber zu viel Gift aufgenommen, hilft nur noch eine Transplantation.

Durch seine Knolle und die weißen Lamellen ist Deutschlands gefährlichster Giftpilz allerdings leicht von seinem genießbaren und schmackhaften Verwandten, dem Champignon, zu unterscheiden. Tückischer ist das Verwechslungsspiel beim Nadelholzhäubling, der dem Stockschwämmchen verblüffend ähnelt. Auch er enthält das Knollenblätterpilz-Gift. Experten erkennen den Gift-Kandidaten am weiß überzogenen Stiel und am weißen Sporenpulver. Der Stiel des Stockschwämmchens ist dagegen geschuppt, das Sporenpulver kupferbraun. Außerdem wächst er, wie sein Name verrät, auf Nadelholz. Allerdings: Wenn nichts anderes da ist, nimmt dieser Gift-Häubling auch mal Laubholz. Selbst einzelne Gift-Häublinge zwischen einem Büschel von Stockschwämmchen soll es geben.

Mehr als 2.000 Pilzvergiftungsfälle wurden in Deutschland im vergangenen Jahr offiziell gemeldet. Oft mit fatalen Langzeit-Folgen,

Etwa 3500 Großpilzarten sind gegenwärtig in Thüringen bekannt. Allein im Hainich sind davon bisher rund 1 650 Arten nachgewiesen. Welche essbar und welche giftig sind, das wissen mit Sicherheit die Pilzberater. Zwei gibt es im Unstrut-Hainich-Kreis: In Lengenfeld unterm Stein ist Josef Hagedorn der Experte. Er hat täglich zwischen 17 und 19 Uhr Sprechzeit. Zu finden ist der Pilzberater an der Hauptsraße 15. , Tel. (036027) 70205. Der zweite Pilzberater ist Michael Kleinschmidt in Oberdorla, Burg 7. Montags bis freitags ab 18 Uhr berät er die Pilzsammler, bittet aber um vorherige Anmeldung: (03601) 756801. Die Pilzberatung ist kostenfrei.

One Response to Verwechslung hat fatale Folgen

  1. Rainer-Dieter lehmann

    Sehr geehrter Herr Henning,
    ich habe das Buch „Taschenbuch für Pilzfreunde“ von Bruno Hennig, VEB Gustav Fischer Verlag, 1975. Dort ist unter Stockschwämmchen nichts zu lesen von einem giftigen Nadelholzhäubling, im Gegenteil: „Im allgemeinen kann man sagen, daß Pilze, die an Bäumen wachsen, nicht giftig sind …“. Ist dieser tödlich giftige „Doppelgänger“ erst später entdeckt und/oder als giftig erkannt worden? Ich habe früher die Stockschwämm-chen ohne großes Nachdenken gesammelt und gegessen (der grünblättrige giftige und bittere Schwefelkopf war und ist mir natürlich bekannt).
    Es scheint überhaupt so zu sein, dass einige ursprüng-lich als essbar eingestufte Pilze (Kahler Krempling, Grünling, …) jetzt als (sehr) giftig erklärt werden.
    MfG R.-D. Lehmann

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