Attacke auf ranzige Gewohnheiten

Posted by on 5. Oktober 2009
Der Reiseschriftsteller Andreas Altmann stellt sein neues Buch „Sucht nach Leben“ vor

Andreas Altmann hat fast alle Erdteile gesehen. Der Weltreisende gilt als einer der besten Reiseschriftsteller Deutschlands. Am Dienstag, 20. Oktober, ist er Gast im TA-Café in der Jakobikirche. Dort stellt er sein neues Buch „Sucht nach Leben“ vor.

MHLHAUSEN (ih).

Unterwegs Andreas AltmannSein neues Buch „Sucht nach Leben“ beginnt der Reporter Andreas Altmann wie man es von ihm erwartet – mit einem Vorwort. Darin vergleicht er sein Buch mit einer Attacke. Nicht auf Leib und Leben der Leser, aber auf „ihre Gedanken und ranzigen Gewohnheiten“. Recht wird er behalten. „Sucht nach Leben“ ist eine einzige Attacke auf die beschauliche Stille in den Köpfen. Die „Geschichten von unterwegs“ (so der Untertitel des Buchs) hämmern mit Wortgewalt auf die Gedanken und Nerven des Lesenden ein. Altmanns Geschichten stiften an zur Empörung über den Irrsinns auf dieser Welt. Andererseits erzählt Altmann auf berührende Weise wieder und wieder vom wunderlichen Reichtum der Welt, von nie geahnten Versuchungen und Belohnungen.

Der rastlose Glücks- und Daseinssucher Altmann hat in „Sucht nach Leben“ 60 Geschichten in zehn Kapiteln zusammengestellt: abenteuerliche Episoden und Storys zwischen Feature, Reportage und Kurzgeschichte. So lädt er eine Geisha zum Dinner in sein Hotelzimmer ein, spielt den Sünder bei einem amerikanischen TV-Evangelisten, lässt sich als Sex-Schwächling bei indischen Quacksalbern kurieren und wird auf einer Südseeinsel als „Gott“ entdeckt. Als Junkie quartiert sich unser Held in einem New Yorker Crackhouse ein und lässt sich als Zen-Schüler in einem japanischen Kloster in der Kunst der Meditation unterweisen.

Die von Altmann erlebten und aufgeschriebenen Geschichten sind Geschichten, die unter die Haut gehen, sich mitunter schmerzhaft einbrennen ins Hirn. Ganz besonders die von Popy und Asma, zwei jungen Frauen aus Dhaka, Bangladesh. Von abgewiesenen Männern wurden ihre Gesichter mit Säure verätzt. In der tiefen Einsamkeit ihres unendlichen Leids und mit dem Wissen ihrer zerstörten Zukunft sitzen Popy und Asma still da. Andere Geschichten sind verhaltener. Es sind Episoden über Momente des Glücks und der Schönheit, über Niederlagen und Verwirrungen. Es sind Geschichten aus dem Alltag hier und heute in Thailand und Indien, in Frankreich und Deutschland vielleicht auch in Mühlhausen. Eines ist allen Geschichten eigen: Altmanns radikal subjektiver Stil. Den muss man mögen, um sich einzulassen auf seine Sicht, seine Gier auf das Leben.

Karten für die Buchlesung innerhalb des TA-Café gibt es im Vorverkauf in der Tourist-Information. Die Lesung beginnt am Dienstag, 20. Oktober, um 19.30 Uhr.

Mehr über Andreas Altmann im Internet:

www.andreas-altmann.com

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