Denkmale der Natur

Posted by on 17. September 2009
Bickenriede ist am reichsten bestückt

„Nat(o)ur erleben“: 58 offiziell ausgewiesene Naturdenkmale gibt es derzeit im Landkreis. Hinzu kommen zwölf Kandidaten, die diesen Schutzstatus anstreben. Weithin bekannt sind die wenigsten der Denkmale. In 22 Beiträgen wurden darum mehr als dreißig von ihnen vorgestellt, um ein Stück öffentliche Aufmerksamkeit auf sie zu lenken. Verdient haben sie es. Naturdenkmale sind mitten in Ortschaften zu finden, an wenig begangenen Feldrändern, an beliebten Wanderwegen oder verborgen im Wald. Ausnahmen befinden sich in Privatbesitz. ber Wanderwege, Feld- und Forstwege sind die meisten Denkmale zu erreichen. Zugegeben: Mancher zusammengestellter Rundweg war nicht einfach zu laufen. In Karten ausgewiesene Wege erwiesen sich in der Praxis als zerfahren oder stark zugewachsen. Erlebnisreich und wissensvermittelnd waren sie dennoch alle, auch wenn man sich in extremen Ausnahmefällen eine Machete gewünscht hätte, sich den Weg zu bahnen. Umso glücklicher war man letztlich, das verborgene, oft Jahrhunderte alte Denkmal aufgespürt zu haben und dessen Schönheit und Eigenwilligkeit kennenzulernen.

Von Iris HENNING

LANDKREIS.

Würde man vom Unstrut-Hainich-Kreis eine Steckkarte über die Naturdenkmale anfertigen, sticht Bickenriede besonders hervor: drei geologische Denkmale, sechs Baumnaturdenkmale und zwei potenzielle Naturdenkmale weist die Eichsfeldgemeinde im Nordwesten des Landkreises aus. Das sind mehr, als die Kreisstadt Mühlhausen zu bieten hat. Die bringt es zwar auf fünf geologische Naturdenkmale, aber nur ein Baumnaturdenkmal und ebenfalls zwei Nachwuchskandidaten. Ein weißer Fleck auf dieser Landkarte wäre Herbsleben im Südosten des Kreises. Nicht eins ist dort zu finden. Rückschlüsse, dass Herbsleben oder andere weiße Flecken in dieser Hinsicht nichts zu bieten hätten, wären vermutlich falsch. Denn eine behördlich veranlasste flächendeckende Registrierung von Naturdenkmalen gibt es nicht. Dass Bickenriede so reich bestückt an diesen Denkmalen ist, könnte am besonders eifrigen ehrenamtlichen Naturschutz Ende der dreißiger, Anfang der vierziger Jahres des vergangenen Jahrhunderts liegen, mutmaßt Ramona Halle von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. Damals seien die Grundlagen für ein Naturschutzgesetz entstanden. Naturschutzvereine waren aufgefordert, ihre schutzwürdigen Kandidaten der Behörde mitzuteilen. So wurden allein 1941 in Bickenriede vier Bäume unter Schutz gestellt. In den Altkreisen Bad Langensalza und Mühlhausen wurden in dem Jahr insgesamt dreizehn Unterschutzstellungen registriert. Zwischen 1936, dem Inkrafttreten des Naturschutzgesetzes, und 1941 boomte die Unterschutzstellung: 44 Naturdenkmale wurden in diesen wenigen Jahren ausgewiesen. Dann kleckerte es so vor sich hin: Noch nicht einmal eins pro Jahr kam hinzu. Der letzte Baum, der den Schutzstatus erreichte, ist die Blutbuche bei Klettstedt. Diese erhielt im Frühjahr dieses Jahres eine einstweilige Unterschutzstellung. Die Blutbuche war zum Baum des Anstoßes geworden. Entgegen dem Willen der meisten Klettstedter sollte das etwa 300 Jahre alten Wahrzeichen des Dorfes zum Opfer des Straßenbaus werden. Mit ihrem Bürgerprotest und der einstweiligen Unterschutzstsellung durch die Untere Naturschutzbehörde konnte das verhindert werden.

Zwölf potenzielle Naturdenkmale stehen noch auf der Warteliste. Auch diese Kandidaten wurden von Naturschutzvereinen vorgeschlagen. Nach den Kriterien Schutzbedürftigkeit und Schutzwürdigkeit entscheidet die Behörde über deren Aufnahme in die Adelsliste der Naturdenkmale. „Es reicht nicht, nur ein schöner Baum zu sein. Alter, Häufigkeit des Vorkommens, Wuchsform und der Standort sind ebenfalls entscheidend“, erklärt Frau Halle die langwierige Entscheidungsprozedur.

Der Besuch der Naturdenkmale erweist sich als lohnenswertes Unternehmen, den Unstrut-Hainich-Kreis von seinen weniger bekannten Seiten kennenzulernen. Findlinge machen mit Neunheilingen und Isserheilingen bekannt, eine alte Linde mit Tottleben, eine Traueresche mit Blankenburg. Auch für sportlich Ambitionierte können die Wandertouren, die sich in Einzelfällen auch mit dem Mountainbike gut fahren lassen, eine kleine Herausforderung sein. Während der 22 zusammengestellten Touren wurden insgesamt etwas mehr als 200 Kilometer zurückgelegt und knapp 2700 Höhenmeter überwunden. Das ist schon eine alpine Größe.

DIASCHAU

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