Kleinod am Lämpertsbach

Posted by on 5. September 2009
Heyeröder sind besonders stolz auf ihre Stiel-Eiche

Manchmal muss man die Niederungen der Alltagswelt einen Augenblick hinter sich lassen, um wieder frische Kraft schöpfen zu können. Um einen Moment innezuhalten, muss man nicht gleich die Urlaubskoffer packen. Auch im Unstrut-Hainich-Kreis kann man sich von der Wunderwelt der Natur faszinieren lassen. Zudem gibt es zahlreiche Naturdenkmale, die einen Abstecher wert sind. Wanderwege, die zu Naturdenkmalen führen, sollen in dieser Serie vorgestellt werden. Sehenswert sind die zwei Sommerlinden bei der Obermühle in Heyerode und die Pyramideneiche im Ortszentrum des Dorfes

Von Iris HENNING

HEYERODE.

Es ist selten, dass das Jahr bekannt ist, in dem der Baum gepflanzt wurde, der heute unter Naturschutz steht. Für die zwei prächtigen Sommerlinden bei der Obermühle Heyerode – sie wurden 1941 unter Schutz gestellt – ist mündlich durch Alfons Marx das Jahr 1826 überliefert. In ihrem über 180-jährigen Leben haben die Linden mittlerweile die Höhe von gut 26 Meter erreicht. In Gemeinschaft mit der steinernen Sitzgruppe und der funktionstüchtigen Wassermühle bilden sie ein harmonisches Ensemble. Mit ihrer Schönheit danken die Bäume den Mühleninhabern für deren rücksichtsvolle Umlandnutzung.

Seit dem Jahr 1650 ist die Obermühle in Familienbesitz. Nun sucht das malerisch gelegene Mühlengrundstück einen neuen Besitzer: Es steht zum Verkauf. Vielleicht findet die Mühle einen touristisch begabten und für das Umland sensiblen Gastronomen, der es versteht, Wanderer zu verwöhnen und zu begeistern.

Ein für Wanderungen ausgewiesener Weg zur Obermühle existiert allerdings nicht. Dennoch zeigt die Wanderkarte einen Weg vom Parkplatz am Grenzhaus Heyerode durch das Niederdorlaer Holz, mitten durch den Wald, zum Mühlengrundstück. Die Karte und Orientierungsvermögen sind hilfreiche Begleiter, sich nicht zu verlaufen. Besonders an einer Wegekreuzung kann man über die Richtung ins Grübeln geraten. Auch das letzte Stück des Weges ist im nachwachsenden Unterholz nur schwer zu erkennen. Gut, dass die Mühle da schon zu sehen ist. Nach der Brücke über den Lämpertsbach gebietet die Absperrung Halt. Hier beginnt der Privatbesitz. Gut zu sehen sind von hier aus aber die schönen Linden, die historische Mühle und ein traumhaftes Grundstück. Nun ist auch der weitere Weg, Richtung Dorf, wieder gut erkennbar und leichter zu laufen. Nach gut einem Kilometer Fußmarsch ist das Zentrum des gepflegten Dorfes erreicht. Dort steht die Pyramideneiche, eine Stiel-Eiche, die in der Region sehr selten zu finden ist. Auf gut 250 Jahre wird das Alter der Heyeröder Stiel-Eiche, die als potenzielles Naturdenkmal vorgemerkt ist, geschätzt. Wie stolz die Einwohner auf ihren Baum sind, zeigt das Ortswappen von Heyerode. Es wird von der stilisierten Eiche geziert.

Wer nun noch eine kleine Attraktion sucht, sollte sich die Mühe machen, die angrenzende, steil ansteigende Gasse zu erklimmen. Am oberen Ende tritt der „Hachelborn“ aus dem Berg. Die Quelle gilt als Ursprung für die Ortsgründung. Gemütlich, an hübschen Häusern und Gärten vorüber, geht es nun weiter in Richtung Ausgangspunkt der Heyeröder Rundtour. Das historische Heyeröder Grenzhaus, durch dessen Tor man muss, ist nicht mehr weit. Ein krönender Abschluss, besonders für Familien mit Kindern, ist nun noch der Besuch des „Alten Bahnhofs“. Die Mühlhäuser Werkstätten haben ein touristisches Kleinod daraus entwickelt. An den vielen Tieren und dem ausreichenden Platz zum Spielen und Toben werden besonders die Kinder ihre Freude haben. Wanderfreunde sollten darum erst im Anschluss an die Tour einkehren. Die lieben Kleinen werden sonst kaum mehr zu motivieren sein, sich „nur Bäume“ anzuschauen, wenn hier streichelzahme Tiere wie Ziegen, Hängebauchschweine, Hühner, Ponys und Co. locken.

Tipps zur Tour

Ausgangspunkt für die etwa sieben Kilometer lange Wanderung durch viel Wald ist der Parkplatz am Grenzhaus Heyerode. Ein Forst- und Reitweg führt durch das Niederdorlaer Holz. Eine Wanderkarte, zum Beispiel die „Rad- und Wanderkarte Unstrut-Hainch-Kreis“ im Maßstab 1 : 50000, sollte man dabei haben.

Die Gehzeit für die Strecke beträgt etwa zwei bis zweieinhalb Stunden.

Die Wanderung erfordert etwas Kondition. Eingerichtete Rastmöglichkeiten gibt es zwischendurch keine.

Insgesamt sind während der Tour 198 Höhenmeter zu bewältigen. Die maximale Steigung beträgt 35 Prozent.

Einkehrmöglichkeiten gibt es im Dorf sowie unmittelbar am Ausgangspunkt, am „Alten Bahnhof“

(Quelle: R. Weise, U. Fickel, R. Halle, W. Hochstrate, E. Lehnert, R. Faupel, R. Kaiser: „Naturdenkmale im Unstrut-Hainich-Kreis“. Das Heft gibt es in der Umweltbibliothek in der Margaretenschule für eine Schutzgebühr von fünf Euro zu kaufen. )

DIASCHAU

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