Große Tour geplant

Posted by on 22. August 2009
Behinderte Radfahrer wollen sich auf den Weg nach Hameln machen

Jens Jüngling freut sich. Es geht auf große Tour. Zum ersten Mal in seinem Leben wird der junge Mann eine mehrtägige Radtour unternehmen, Zusammen mit weiteren 18 Männern und Frauen zwischen zwanzig und fünfundfünfzig Jahren wird er nach Hameln aufbrechen. Fünfzehn der Radler sind behindert, wie Jens Jüngling. Die anderen sind die Betreuer.

Von Iris HENNING

LANDKREIS.

Radtour Behinderte (2)„Ich freue mich riesig, kann es kaum erwarten“, sagt Jens Jüngling. Ein breites Lachen hat er dabei im Gesicht. Er fährt so gerne Rad, erzählt er. Aber eine große Tour hat er noch nie unternommen, die hat er sich noch nicht getraut. Für die Fahrt nach Hameln trainiert er seit einigen Wochen. 21 Gänge hat sein Fahrrad und auch technisch ist es in Hochform, sprudelt es aus ihm heraus. Er ist sehr stolz auf sein Rad.

Am Mittwoch, 26. August, starten die Mühlhäuser Radler aus dem Wohnheim „Edith Stein“ an der Rodemannstraße. Eine der Betreuerinnen, die mitfährt, ist Beatrix Mende. Zehn Tage wird sie die Gruppe begleiten. Zwischen 25 und 40 Kilometer beträgt das Tagespensum. Erste Station ist Heyerode. Dort schließen sich die anderen Radler aus den Mühlhäuser Werkstätten an. Zweitägige Aufenthalte sind in Hannoversch Münden und in Hameln geplant. Die Städte wolle man ebenfalls besichtigen, erzählt die die junge Frau, die von den Heimbewohnern „Trixi“ genannt wird. Insgesamt ist die Strecke etwa 230 Kilometer lang. Von Hameln aus geht es mit dem Zug zurück, mit dem Wochenend-Ticket. Das ist am preiswertesten. Die Fahrräder werden mit den Fahrzeugen er Mühlhäuser Werkstätten transportiert.

Die unweigerliche Frage, ob Behinderten so eine Tour zuzutrauen ist, kennt Beatrix Mende. Sie lächelt und erklärt geduldig, dass solche Unternehmungen durchaus möglich sind. Wie bei „normalen“ Menschen auch müsse natürlich eine gewisse Kondition vorhanden sein und – ebenfalls selbstverständlich – ein verkehrstüchtiges Fahrrad. Um beides kümmerten sich die Bewohner der Heime eigenständig. Auch ihren Urlaub müssten sie entsprechend einplanen, genau wie im „richtigen Leben“. So hat Jens Jüngling, der im Servicebereich der Gaststätte „Alter Bahnhof“ in Heyerode arbeitet, von seinen 35 Urlaubstagen im Jahr einen Teil davon für die Radtour eingeplant. Auch sein Gepäck wird er selbst zusammenstellen: für warme Tage, für kühle Tage und für Regenwetter will er geeignete Sachen mitnehmen, packt er gedanklich schon die Satteltaschen. Sicherheitshalber werden die Betreuer das Gepäck noch einmal nachsehen, ergänzt die Betreuerin. Ein vergessene Regenjacke will man nicht riskieren.

Die Radtour nach Hameln ist die dritte, die fahrradbegeisterte Betreuer in den Mühlhäuser Werkstätten für ihre Behinderten organisieren. Die erste Tour vor zwei Jahren führte an der Elbe entlang, die im vergangenen Jahr an der Unstrut. „Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht“, blickt Beatrix Mende zurück. Sie meint damit sowohl die Kondition und das Durchhaltevermögen der Behinderten als auch die freundliche Aufnahme der Gruppen in den Herbergen. Auch den behinderten Teilnehmern hat es gefallen. Die meisten von ihnen werden zu „Wiederholungstätern“, sind infiziert vom Radfahr-Virus. „Ich glaube, ich werde auch im nächsten Jahr wieder Urlaub für eine Radtour einplanen“, ist ebenfalls Jens Jüngling überzeugt von einem interessanten Radtour-Erlebnis, das ihm bevorsteht.

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