Ein Methusalem

Posted by on 22. August 2009
Eine uralte Rotbuche und Grenzerfahrungen

Manchmal muss man die Niederungen der Alltagswelt einen Augenblick hinter sich lassen, um wieder frische Kraft schöpfen zu können. Um einen Moment innezuhalten, muss man nicht gleich die Urlaubskoffer packen. Auch im Unstrut-Hainich-Kreis kann man sich von der Wunderwelt der Natur faszinieren lassen. Zudem gibt es zahlreiche Naturdenkmale, die einen Abstecher wert sind. Wanderwege, die zu Naturdenkmalen führen, sollen in dieser Serie vorgestellt werden. Eine historisch interessante Tour ist die zu der alten Rotbuche bei Wendehausen und zu den Linden auf dem Karnberg in der Nähe des Grenzstreifens bei Wendehausen.

Von Iris HENNING

WENDEHAUSEN.

Die Scharfloher Straße kräftig bergan, vorüber an hübschen Häusern und gepflegten Gärten, führt der Weg zur alten Buche. Die steht an dem Feldweg nach Katharinenberg, in die die Straße mündet. Mit ihren geschätzten vierhundert Jahren ist die Rotbuche ein Methusalem ihrer Art. Kaum eine Buche schafft es bis in dieses hohe Alter. Von vielen Narben ist der Methusalem entstellt. Nur noch Stümpfe sind übrig geblieben von einst starken sten. Die Krone ist deutliche zurückgeschnitten. Nur noch schwach treibt die Rotbuche ihr Laub aus. Dennoch behauptet sie ihre Dominanz am Feldrain. An ihr kommt keiner vorüber, ohne wenigstens einen Blick für sie übrig zu haben. 1941 wurde die Rotbuche zum Baumnaturdenkmal erklärt.

An ein Stück jüngster deutscher Geschichte erinnert der weitere Verlauf der Tour, die einen großen Abschnitt mit grünem Balken auf weißem Grund auf Wanderkarten und Wegen gekennzeichnet ist. ber die Wüstung Vorwerk Scharfloh geht es eine gute Strecke entlang des ehemaligen Grenzstreifens. Wegweiser machen auf die Agentenschleuse und Grenztürme aufmerksam, die heute Mahnmale und Erinnerungen sind. Der einstige Kolonnenweg führt zudem vorüber an Rudimenten des ehemaligen Zaunes, die bei den Mainzer Köpfen besonders gut zu sehen sind. Zuvor, auf dem Karnberg, begegnet man dem zweiten Naturdenkmal von Wendehausen: einer Lindengruppe. Die steht auf dem Gelände des ehemaligen Gutes Karnberg, das ein Vorwerk des Rittergutes Kleintöpfer war, später bis 1945 – als Forsthaus und nach Ende des zweiten Weltkrieges kurze Zeit als Kinderheim genutzt wurde. Wegen der direkten Nähe zur innerdeutschen Grenze wurde das Gut 1952 gänzlich geschliffen. Lediglich die so genannten Gutslinden, die früher zur Anlage gehörten, lassen den einstigen Standort des Gutshauses erkennen. Erst vor wenigen Jahren, 2004, wurden die Linden zum Naturdenkmal. Ein verwittertes Holzschild an einem der Bäume trägt den kaum noch erkennbaren Namen Karnberg zur Ortsbezeichnung. Heute gehört der Karnberg wieder in Privatbesitz. Schafe weiden auf der mit Hecken und Steinen begrenzten Wiese unter den Linden.

Zurück auf dem Kolonnenweg, auf dem einst die Grenzer der DDR ihre Patrouillefahrten absolvierten, ist Natur pur zu genießen. Sie ist die einzige Gewinnerin der jahrzehntelangen Teilung des Landes. Als Grünes Band ist der ehemalige Grenzstreifen ausgewiesen. Naturschützer haben sich dafür stark gemacht. Mittlerweile gehört dieses Grüne Band zu den beliebtesten Wander- und Radwegen Deutschlands. Besonders in diesem Jahr, in dem sich der Jahrestag der ffnung der innerdeutschen Grenze zum zwanzigsten Mal jährt, rückt die ehemalige Grenze wieder ein Stück mehr in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Wir bleiben noch eine Weile auf dem Kolonnenweg, überqueren eine Landstraße und treffen auf die als Unstrut-Werra-Radweg ausgeschilderte Strecke. Auf dem alten Bahndamm, der einst Treffurt mit Mühlhausen verband, geht es zurück nach Wendehausen. Auch hier grüßen Zeugen der jüngeren Vergangenheit. Informationstafeln und ein Teil einer Gleisanlage erinnern an den Haltepunkt Normannstein der Bahnlinie. Der Normannstein mit seiner Burg war beliebter Ziel vieler Sonntagsausflügler.

Tipps zur Tour

Ausgangspunkt für die etwa vierzehn Kilometer lange Wanderung durch das geschichtsreiche Gelände ist die Scharfloher Straße in Wendehausen.

Die Gehzeit für die Strecke beträgt etwa vier bis viereinhalb Stunden. Wer mehr Geschichte direkt am ehemaligen Grenzstreifen erleben möchte, sollte zusätzliche Zeit zur Besichtigung der Grenztürme einplanen.

Die Wanderung erfordert auf Grund der Länge und der Steigungen bereits gute Kondition. Insgesamt sind während der Tour 292 Höhenmeter zu bewältigen. Die maximale Steigung beträgt auf einem kurzen Abschnitt immerhin 46 Prozent.

Einkehrmöglichkeit gibt es in Wendehausen. Kleine Rastplätze entlang des Weges laden zur Brotzeit aus dem eigenen Rucksack ein. An den Mainzer Köpfen gibt es einen schönen Ausblick ins Hessische.

(Quelle: R. Weise, U. Fickel, R. Halle, W. Hochstrate, E. Lehnert, R. Faupel, R. Kaiser: „Naturdenkmale im Unstrut-Hainich-Kreis“. Das Heft gibt es in der Umweltbibliothek in der Margaretenschule für eine Schutzgebühr von fünf Euro zu kaufen. )

DIASCHAU

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