Beliebtes Denkmal

Posted by on 20. August 2009
Rundweg führt auch an einem fast vergessenen Ort jüngerer Geschichte vorüber

Manchmal muss man die Niederungen der Alltagswelt einen Augenblick hinter sich lassen, um wieder frische Kraft schöpfen zu können. Um einen Moment innezuhalten, muss man nicht gleich die Urlaubskoffer packen. Auch im Unstrut-Hainich-Kreis kann man sich von der Wunderwelt der Natur faszinieren lassen. Zudem gibt es zahlreiche Naturdenkmale, die einen Abstecher wert sind. Wanderwege, die zu Naturdenkmalen führen, sollen in dieser Serie vorgestellt werden. Zu den Sommerlinden auf dem Anger in Eigenrieden führt ein Wanderweg auch an einem Gelände vorüber, dass einst jedermann kannte, heute aber Stück für Stück vom Wald zurück erobert wird.

Von Iris HENNING

EIGENRIEDEN.

Die Gemeinde im Westen des Landkreises war nie ausgewiesenes Grenzgebiet zum Hessischen. Dennoch hatte die Gemarkung Grenzen, die nicht überschritten werden durften. Die südliche Anhöhe inmitten des Waldes war über Jahre Militärgelände der Sowjetunion. Weithin sichtbar war die in den Himmel ragende Radarstation, mit der angeblich der Flugverkehr bis nach Frankfurt hin beobachtet werden konnte. Dieser von der Bevölkerung Cafe Moskau genannte Turm war die Antwort der sowjetischen Großmacht auf die Stationierung der Cruise Missile der amerikanischen Streitkräfte auf der anderen Seite der Grenze zwischen den Staaten des Warschauer Vertrages und der Nato. Heute erinnern nur noch Reste betonierter Straßen an dieses jüngere Stück heikler deutscher Nachkriegsgeschichte. Der Turm wurde nur wenige Jahre nach der politischen Wende gesprengt. Bauschutt von Häusern, Hallen und Baracken auf dem Gelände wurden während Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Projekten zu Hügeln recycelt. Seit dem nehmen Sträucher und Bäume zunehmend wieder Besitz von dem Areal. Pflanzen nutzen die kleinsten sich bietenden Ritzen in den noch vorhandenen Betonstraßen für sich, über die vor noch nicht einmal zwanzig Jahren noch schwere Fahrzeuge rollten. Die Natur lässt Gras über die Geschichte wachsen.

Einen kleinen Rundgang ist dieses Gelände wert auf der Wanderung um Eigenrieden. Die Tour beginnt auf dem kleinen Parkplatz unmittelbar an der Bundesstraße. ber den reizvollen Mühlhäuser Landgraben geht es einige hundert Meter südlich, bis dieser in den Rennstieg mündet. Rechts das Güldene Holz und links die Hohe Rode geht es nun bergan. Ist die Kreuzung erreicht, geht es linkerhand die Wetterscheiden-Chaussee entlang. Im Rücken bleibt die Himmelsleiter. Ein kurzes Stück nur, bis eine Einfahrt auf der linken Seite den Weg auf das ehemalige militärische Gelände weist. Ein Funkturm der Telekom ist ein markanter Punkt an dieser Stelle. Nach der kleinen Runde und dem Staunen darüber, wie sich der Wald entwickelt, wird der Weg auf der Chaussee fortgesetzt. Der führt ins Offenland der Katalaunischen Felder und gibt einen sehr schönen Blick auf das Mühlhäuser Becken preis. Am nächsten Waldrand angelangt, wird links auf den mit Grün auf weißem Grund markierten Wanderweg eingebogen. ber den Kühlen Berg geht es zur Haferecke, einer breiten Kreuzung im Mühlhäuser Stadtwald. Der Eigenrieder Stieg führt ins Dorf zurück. Gesäumt ist der Stieg auf seinen letzten Waldmetern von seltsam verwachsenen und verformten Buchen. Wie geheimnisvolle Gestalten aus einem alten Sagenbuch scheinen sie Wächter des Weges zu sein. Am Schäfersbrunnen angelangt, ist es noch ein knapper Kilometer bis zum Baumnaturdenkmal auf dem Eigenrieder Anger. Auf etwa 250 Jahre werden die alten Sommerlinden geschätzt, die 1936 unter Schutz gestellt wurden. Wann die Bäume gesetzt wurden und aus welchem Anlass, lässt sich heute nicht mehr sagen. In einem Dorfplan aus dem Jahr 1847 ist der Anger bereits von Bäumen umstanden. Noch heute ist das Eigenrieder Naturdenkmal ein beliebter Ort im dörflichen Leben. So wird seit einigen Jahren auf dem Anger mit einem Lichterfest die Adventszeit gefeiert. Lebendige Denkmäler sind der beste Schutz für deren Erhalt, heißt es in der Broschüre Naturdenkmale im Unstrut-Hainich-Kreis.

DIASCHAU

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