Zum Schlossteich

Posted by on 12. August 2009
Die Dicke Linde ist das einzige Mühlhäuser Baumnaturdenkmal

Manchmal muss man die Niederungen der Alltagswelt einen Augenblick hinter sich lassen, um wieder frische Kraft schöpfen zu können. Um einen Moment innezuhalten, muss man nicht gleich die Urlaubskoffer packen. Auch im Unstrut-Hainich-Kreis kann man sich von der Wunderwelt der Natur faszinieren lassen. Zudem gibt es zahlreiche Naturdenkmale, die einen Abstecher wert sind. Wanderwege, die zu Naturdenkmalen führen, sollen in dieser Serie vorgestellt werden. Die „Dicke Linde“ am Breitsülzenbach im Mühlhäuser Johannistal ist das einzige in Mühlhausen ausgewiesene Baumnaturdenkmal.

Von Iris HENNING

MHLHAUSEN.

Viele prächtige Baumgestalten sind in Mühlhausen zu finden: die Rotbuche An der Burg zum Beispiel und die Platanen, die den Petriteich säumen. Den Rang eines Naturdenkmales hat aber lediglich die Dicke Linde im westlichen Stadtrandgebiet erreichen können. Warum ausgerechnet sie, weiß vermutlich keiner mehr zu sagen. Zur speziellen Geschichte des Baumes ist in Mühlhausen nichts bekannt. Auch mit ihrem Alter von etwa 150 Jahren kann sie nicht sonderlich auftrumpfen. Aber immerhin gehört die Dicke Linde zu den bekanntesten Bäumen der Stadt und Lindenzweige sind es, die das große Wappen der Stadt zieren. An einem alten Fußweg aus der Stadt heraus ist der Baum, der 1936 unter Schutz gestellt wurde, auch ein gut erkennbarer Treffpunkt. Von diesem Treffpunkt aus soll es in Richtung Stadtwald gehen, der fast vergessene Schlossteich, das Landschaftsschutzgebiet „Schlösschen“ hinter „Peterhof“, ist das Ziel. Der gelbe Balken auf weißem Grund markiert den Weg dorthin. Ein Abstecher entlang des Randes des ehemaligen Truppenübungsplatzes zwischen Peterhof und Dörna ist geplant. Immerhin weist die Wanderkarte einen Reitweg aus. Hübsche Gärten, erntereife Felder und uriges Buschwerk säumen den Weg bis dahin. In Höhe Pfafferode wird der Wanderweg über den Sambacher Steingraben verlassen.

Doch der Versuch, den ausgewiesenen Reitweg zu nehmen, erweist sich als fragwürdige und halsbrecherische Erlebnistour. Wer sein Pferd liebt, sollte diesen Weg meiden. Bis zu einem dreiviertelmeter tief und tiefer sind die von schweren Forstfahrzeugen hinterlassenen Fahrspuren. Die heftigen Regengüsse der letzten Tage haben sie in Schlammlöcher verwandelt. Mannshoch ist das Gestrüpp, das den Weg fast undurchdringlich werden lässt. „Da geht doch auch keiner mehr durch“, erklärt schließlich ein Jäger. Er findet es gut so. „Die Tiere haben hier ihre Ruhe. Gestern bin ich erst wieder einer Wildkatze begegnet – so ein Schlaps, sage ich Ihnen.“

Doch auch der ausgewiesene Wanderweg zeigt zum Schluss kleine Tücken. Auf den letzten Metern zum „Schlösschen“ gibt er nur schwer die Richtung vor. Letztlich steht man vor einem stark verwachsenen Teich, der eine Insel, das „Schlösschen“, umschließt. Eine Eiche hat es sich auf der Insel gemütlich gemacht. Fundamentreste unter dem Baum lassen ahnen, dass hier einmal eine Bank gestanden haben muss. Lange muss es her sein, dass es Wanderer zum „Schlösschen“ zog. Wer das Gebiet von früher kennt, wird traurig sein, es so vernachlässigt und von Brombeergestrüpp überwuchert wiederzusehen. Einziger Trosts: Auch hier entstand ein Refugium für die Tiere. So fühlt sich der Kammmolch besonders wohl. Ein schmaler Pfad führt nun die letzten Meter bis zur Waldgaststätte Peterhof. Auf den ursprünglich geplanten Rückweg zur Dicken Linde, der zum Teil ebenfalls als Reitweg in der Karte gekennzeichnet ist, sollte aus gesundheitlichen Gründen besser verzichtet werden. Als Alternativen bieten sich die Rückfahrt mit dem Bus oder der Weg zu Fuß auf dem Wanderweg durch den Stadtwald, parallel zur Bundesstraße, an.

Tipps zur Tour

Ausgangspunkt für die etwa sechs Kilometer lange Wanderung ist die Dicke Linde am Breitsülzenbach im Johannistal. Zurück in die Stadt ist der Bus zu empfehlen.

Die Gehzeit für die Strecke beträgt etwa zwei bis zweieinhalb Stunden.

Besondere Anforderungen stellt die Tour an die Wanderer keine, so lange nicht versucht wird, das Naturschutzgebiet auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz zwischen Peterhof und Dörna zu streifen. Trotz in Wanderkarten ausgewiesener Wege zeigt sich das Gebiet als nur sehr schwer passierbar.

Einkehrmöglichkeit gibt es in der Waldgaststätte. Einen empfehlenswerten Rastplatz unterwegs gibt es nicht. Auf dem Flächennaturdenkmal „Schlösschen“ stand einmal eine Bank, doch das muss lange her sein.

(Quelle: R. Weise, U. Fickel, R. Halle, W. Hochstrate, E. Lehnert, R. Faupel, R. Kaiser: „Naturdenkmale im Unstrut-Hainich-Kreis“. Das Heft gibt es in der Umweltbibliothek in der Margaretenschule für eine Schutzgebühr von fünf Euro zu kaufen. )

DIASCHAU

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