Ansichtskartenreif

Posted by on 5. August 2009
Zwei trotzige Sommerlinden und eine selten dicke Esche

Manchmal muss man die Niederungen der Alltagswelt einen Augenblick hinter sich lassen, um wieder frische Kraft schöpfen zu können. Um einen Moment innezuhalten, muss man nicht gleich die Urlaubskoffer packen. Auch im Unstrut-Hainich-Kreis kann man sich von der Wunderwelt der Natur faszinieren lassen. Zudem gibt es zahlreiche Naturdenkmale, die einen Abstecher wert sind. Wanderwege, die zu Naturdenkmalen führen, sollen in dieser Serie vorgestellt werden. Die Lindenhecke bei Schierschwende ist allemal einen Ausflug wert. Die kleine Anhöhe, auf der die Linden stehen, bietet einen ansichtskartenreifen Blick zum Thüringer Wald und zum Heldrastein.

Von Iris HENNING

SCHIERSCHWENDE.

Der Höhepunkt ist vorweg genommen: Der Platz, auf dem die schönen Sommerlinden seit etwa 150 und 120 Jahren stehen, soll Ausgangspunkt und Ziel der kleinen Rundwanderung sein. Südlich von Schierschwende steht die Lindenhecke, in deren Schatten Sitzgruppen zum Verweilen einladen. Die Bäume mit ihrem weit ausladenden Astwerk sind die einzigen Schattenspender in der ansonsten ausgeräumten Höhenlage. Den Linden scheinen das raue Klima und die harten Bodenverhältnisse nur wenig auszumachen. Mit gedrungener Form – die Bäume sind lediglich 17 und 15 Meter hoch – und langsameren Wachstum haben sie sich den Bedingungen angepasst. Eine Pause unter den Linden soll es aber erst am Ende der Wanderung geben. Mit dem genussvollen Fernblick von der exponierten Lage weit ins Thüringische und Hessische in Erinnerung, geht es auf den sehr abwechslungsreichen Weg, der mit „T2“ gekennzeichnet ist. Diese Markierung weicht zwar ab von der in der „Rad- und Wanderkarte Unstrut-Hainich-Kreis“ ausgewiesenen, doch dafür ist sie ein guter und zuverlässiger Wegbegleiter während der gesamten Tour. Zudem ist der Weg auf einer Informationstafel unmittelbar an der Lindenhecke zusammen mit weiteren regionalen und Fernwanderwegen ausgewiesen. An Feldern und Wiesen vorüber, durch Wald und Flur führt der Weg ganz dicht an der Burg Normannstein vorbei. Die Zeit für diesen wenige hundert Meter kleinen Abstecher zur immer schöner werdenden Burgruine sollte man sich gönnen. Er lohnt sich auf jeden Fall. Der Blick auf Treffurt mit seinen hübschen Fachwerkhäusern und in das Werratal ist einzigartig. Wer sich auf dieser Etappe schon mit einem kleinen Imbiss belohnen will: bitteschön. Schließlich verlangt die Abweichung vom Weg in diesen Zipfel des Wartburg-Nachbarkreises letztlich einen kräftigen Bergaufmarsch, um wieder auf den „T2“ zu gelangen. Der überrascht im weiteren Verlauf mit sehr abwechslungsreicher Vegetation und romantischen, vermutlich selten begangenen Wegen. Nur manchmal sind diese von PS-starken Gefährten bis zum Hochsitz eines Jägers tief gefurcht. Die vielen bunten Schmetterlinge, die hier reichlich Blütenpracht finden, stört das nicht. Sie müssen ja auch nicht laufen. Nach gut zwei Stunden sind die Sommerlinden wieder erreicht. Jetzt ist es an der Zeit, es sich in deren Schatten gemütlich zu machen, den Proviant auszupacken und den Blick in die Ferne zu genießen. Der örtliche Heimatverein war es, der die Sitzgruppen und eine Schutzhütte unmittelbar an den Linden errichten ließ. Wer nun noch gut zu Fuß ist, dem ist noch der etwa ein Kilometer lange Weg Richtung Osten, zur „Guten Hoffnung“, zu empfehlen. Der führt über eine von Mehlbeeren gesäumte Schotterstraße. Pupurrot glühen die reifenden Früchte der Bäume in der Sommersonne. Die Vögel können sich auf einen guten Schmaus während der kargen Wintermonate freuen. An die frühere Ausflugsgaststätte, an der einst historisch bedeutsame Handelswege entlang führten, erinnert heute eine Informationstafel.

Noch ein weiteres Baumnaturdenkmal gibt es in der Nähe von Schierschwende zu bewundern. Eine etwa zweihundert Jahre als Esche steht am ländlichen Weg nördlich vom Gut Schierschwende. Ein Wanderweg führt allerdings nicht dorthin. Mit dem Auto ist es vom Parkplatz bei den Sommerlinden aber nur eine kleine Tour auf der Straße zwischen Schierschwende und Falken. Die beeindruckend dicke Esche befindet sich an der oberen Einfahrt zum Gut Schönberg. Sowohl diese Esche als auch die Linden wurden erst vor kurzem, im Jahr 2004, zu Baumnaturdenkmalen erklärt.

Tipps zur Tour

Ausgangspunkt für die etwa sieben Kilometer lange, familienfreundliche Wanderung ist der kleine Parkplatz südlich von Schierschwende, direkt an den Sommerlinden. Alternativ kann die Tour auch an der „Guten Hoffnung“, an der Straße zwischen Schierschwende und Falken, begonnen werden.

Die Gehzeit für die Strecke beträgt etwa zwei bis zweieinhalb Stunden. Ein Abstecher zur Burg Normannstein verlängert die Wanderung.

Besondere Anforderungen stellt die Tour an die Wanderer keine. Insgesamt sind während des Wanderwegs etwa 165 Höhenmeter zu bewältigen. Die maximale Steigung beträgt 36 Prozent.

Die Rundwanderung ist eine von mehreren möglichen, die auf einer Informationstafel bei den zwei Sommerlinden ausgewiesen sind. Eine Wanderkarte im Maßstab 1 : 50 000 kann aber weitere Hilfe bei der Orientierung sein.

Einkehrmöglichkeit gibt es in der Burg Normannstein, die nur wenige Gehminuten vom ausgewiesenen Wanderweg liegt. Ein schöner Rastplatz ist unmittelbar unter den Linden. Die exponierte Höhenlage besticht mit der schönen Fernsicht weit hinein nach Thüringen und Hessen.

(Quelle: R. Weise, U. Fickel, R. Halle, W. Hochstrate, E. Lehnert, R. Faupel, R. Kaiser: „Naturdenkmale im Unstrut-Hainich-Kreis“)

DIASCHAU

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