Langulaer Spezialitäten

Posted by on 28. Juli 2009
Der alte Baum am Lehdeborn und ein nachdenklich stimmender Erdfall

Manchmal muss man die Niederungen der Alltagswelt einen Augenblick hinter sich lassen, um wieder frische Kraft schöpfen zu können. Um einen Moment innezuhalten, muss man nicht gleich die Urlaubskoffer packen. Auch im Unstrut-Hainich-Kreis kann man sich von der Wunderwelt der Natur faszinieren lassen. Zudem gibt es zahlreiche Naturdenkmale, die einen Abstecher wert sind. Wanderwege, die zu Naturdenkmalen führen, sollen in dieser Serie vorgestellt werden. Ein wenig bekanntes Baumnaturdenkmal ist eine alte Linde am Lehdeborn bei Langula. Zudem befindet sich in der Nähe des Hainichdorfes ein geologisches Naturdenkmal: der Erdfall bei der Dorfstelle Harterode.

Von Iris HENNING

LANGULA.

Die alte Sommerlinde hat zu tun, ihr Dasein zu behaupten. Sie steht unter Konkurrenzdruck des Hochwaldes. Das war nicht immer so. Ein Foto aus dem Jahr 1890 zeigt den Baum noch als markanten Solitär. Gepflanzt wurde die Linde vermutlich in dem Jahr, als auch der Steintisch neben der Quelle, dem Lehdeborn, gesetzt wurde: 1746. Steintisch und Lehdeborn werden von Wanderern gern besucht. Zudem gibt es auf dem Weg so manche Entdeckung

Von Langula aus führt der Wegweiser in Richtung „Dornschildchen“. Hört man ein zartes Bachgemurmel, kann man sicher sein: Es geht durch das Langulaer Tal. Ein bisschen Aufmerksamkeit ist nun erforderlich, will man das Taternkreuz nicht verpassen. Das sagenumwobene Sühnekreuz mit der Jahreszahl 1593 hat sich gut im Wald versteckt. Auch, wenn eine gemütliche Sitzgruppe zur Rast einlädt: Nach der kurzen Wegstrecke ist es dafür noch zu zeitig. Zudem sind Lehdeborn, Steintisch und das erste Naturdenkmal nicht mehr weit. Die hölzernen Stufen, links den steilen Hügel hinauf, können Ungeübte allerdings schon etwas außer Atem bringen. Eine kleine Rast sei darum jedem gegönnt, ehe es zurück auf den Hauptweg geht. Der führt in sanften Kurven leicht bergan auf ein Relikt der Bahngeschichte – auf einen seit Jahrzehnten arbeitslosen Bahntunnel, der sich romantisch in die Landschaft fügt.

Immer noch führt der Hauptweg stetig bergauf. Und wieder gibt es eine kleine Entdeckung: Ihrem über drei Jahrzehnte wirkenden Revierförster Wilhelm Biehl widmeten die Langulaer einen Gedenkstein. An der Stelle ist der errichtet, wo der Förster verstorben ist – mitten im Wald.

Nur noch ein kurzes Stück trennt nun den Wanderer vom Dornschildchen, einem kleinen Festplatz auf einer Lichtung. Hier lässt es sich eine Weile gut verschnaufen, ehe es nach links, ein Stück den Rennstieg entlang, weiter geht. Dort warten weitere Rastplätze, etwa nach fünfhundert Metern die Mareilebank und nach einem knappen Kilometer die Bänke am Trockenschildchen. Nur noch einen Katzensprung von dort entfernt steht die Struppeiche. Doch Vorsicht: Die stark befahrene Landstraße zwischen Mühlhausen und Eisenach muss überquert werden, bis man vor dem neu gepflanzten Bäumchen „Struppeiche“ steht. Eine kurze Wegstrecke noch ist von Wanderschildern markiert. Von denen heißt es nun Abschied nehmen. Links führt der Steingrabenweg zurück in Richtung Langula. Verlaufen kann man sich auf dem bergab führenden Weg eigentlich nicht. Hat der Weg den Wald verlassen, grüßen die roten Dächer von Langula bereits. Doch wir wollen zurück zum Langulaer Tal, dem Ausgangspunkt der Tour und noch vorbei am Erdfall und suchen uns links den Weg. Wieder muss nach kurzer Zeit die Landstraße gequert werden. Die nördliche Richtung haltend, geht es entlang der Kirschplantage weiter. Nach einigen Gehminuten ist auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche eine auffällige Baumgruppe auszumachen. Die umringt den Erdfall, der eigentlich nicht mehr ist als eine in der Landschaft auffällige Vertiefung. Nachdenklich stimmt nach der jüngsten Katastrophe in Sachsen-Anhalt, dem Erdrutsch in Nachterstedt, dass an der Stelle des Erdfalls die einstige Dorfstelle Harterode zu finden ist. Vielleicht hat auch hier der Erdfall einst ein Haus oder ganze Teile des Dorfes mit in die Tiefe gerissen.

Unter Schutz gestellt wurde der Erdfall im Jahr 1941, genau wie die Linde am Lehdeborn.

Tipps zur Tour

Ausgangspunkt für die etwa zehn Kilometer lange Wanderung ist der kleine Parkplatz am Langulaer Tal.

Die Gehzeit für die Strecke beträgt etwa dreieinhalb Stunden.

Besondere Anforderungen stellt die Tour an die Wanderer keine. Eine kleine Herausforderung kann für ungeübte der Aufstieg zum Lehdeborn sein. Insgesamt sind während des Wanderwegs etwa 230 Höhenmeter zu bewältigen. Die maximale Steigung beträgt 24 Prozent.

Die vorgeschlagene Rundwanderung ist eine individuell zusammengestellte Tour. Eine Wanderkarte im Maßstab 1 : 50 000 ist zu empfehlen.

Einkehrmöglichkeit gibt es keine. Eine Brotzeit aus dem eigenen Rucksack ist empfehlenswert. Ein schöner Rastplatz, etwa in der Mitte der Tour, ist das Dornschildchen mitten im Wald.

(Quelle: R. Weise, U. Fickel, R. Halle, W. Hochstrate, E. Lehnert, R. Faupel, R. Kaiser: „Naturdenkmale im Unstrut-Hainich-Kreis“)

DIASCHAU

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