Drei auf einen Streich

Posted by on 22. Juli 2009
Abwechslungsreiche Tour um Bickenriede

Manchmal muss man die Niederungen der Alltagswelt einen Augenblick hinter sich lassen, um wieder frische Kraft schöpfen zu können. Um einen Moment innezuhalten, muss man nicht gleich die Urlaubskoffer packen. Auch im Unstrut-Hainich-Kreis kann man sich von der Wunderwelt der Natur faszinieren lassen. Zudem gibt es zahlreiche Naturdenkmale, die einen Abstecher wert sind. Wanderwege, die zu Naturdenkmalen führen, sollen in dieser Serie vorgestellt werden. Bekannte und weniger bekannte Baumnaturdenkmale gibt es in Bickenriede. Während die alte Linde am Obertor ein vertrauter Anblick ist, sind die am Luhneufer im Dickicht versteckte Zwillingslinde und die Schwedische Mehlbeere am ehemaligen Forsthaus Neuhaus weniger populär.

Von Iris HENNING

BICKENRIEDE.

Wo die Zwillingslinde steht? Der alte Mann schüttelt mit dem Kopf. Keine Ahnung. Vielleicht sind es ja die Linden entlang des Kapellenweges, versucht er zu helfen. Die sind auch prächtig und durchaus einen Abstecher wert, aber sie sind nicht das gesuchte Naturdenkmal. Das ist im Buschwerk am nördlichen Luhneufer versteckt und – trotz seiner Größe – von Ortsunkundigen nur schwer zu entdecken. Die alte Linde am Obertor von Bickenriede hat es dem Denkmalsucher da leichter gemacht. Imposant steht sie an der Straße Richtung Büttstedt in einer gepflegten Grünanlage neben einem Kruzifix. Gut 250 Jahre hat sie die Geschichte des Eichsfelddorfes begleitet und ist damit etwa ein halbes Jahrhundert älter als ihre Verwandten am Luhneufer. Beide wurden im Jahr 1941 unter Denkmalschutz gestellt. Die Linde am Obertor soll auch Ausgangspunkt der etwa zwölf Kilometer langen Exkursion um Bickenriede sein. Am nördlichen Luhneufer führt ein Weg flussaufwärts nordwestlich in Richtung Kloster Anrode. Nach einem guten Kilometer ist eine Wiese erreicht, die zwischen dem Klostergut und der Luhne liegt. Einer kaum sichtbaren Spur folgend, steht man nach knapp zweihundert Metern vor der sehenswerte Zwillingslinde direkt am Ufer der Luhne. Die beiden Bäume stehen so eng beieinander, dass sie an ihren Füßen zusammengewachsen scheinen. Obwohl die Zwillingslinde jünger ist als ihre Schwester am Obertor ist, ist sie mit 35 und 40 Meter Höhe um 17 bzw. 22 Meter wesentlich größer und mit einem Umfang von 6, 50 und 5,20 Meter auch um etliches stabiler. Bessere Standortbedingungen hat der Zwilling aber scheinbar nicht. Beide Stämme haben größere Schaden, vermutlich durch abgebrochene ste.

Um zum nächsten Naturdenkmal, der Schwedischen Mehlbeere zu gelangen, geht es den Wiesenweg zurück. Der Feldweg nördlich vom Kloster Anrode wird eingeschlagen. An reifenden Getreidefeldern vorbei geht es in Richtung Wald (Hollau). Das gesuchte Exemplar steht etwa zweihundert Meter vor der Waldgrenze am ehemaligen Forsthaus Neuhaus, von dem allerdings nichts mehr zu sehen ist. Nach der beeindruckenden Zwillingslinde ist die Mehlbeere beinahe niedlich in ihrem zarten Wuchs. Gerade mal 13 Meter hoch ist sie und ihr Stammumfang beträgt etwa 2,60 Meter. Großflächige Abbruchstellen lassen nichts Gutes für die Zukunft des etwa 115-jährigen Baumes ahnen: Der Stamm ist zum Teil stark verrottet, morsch und vermoost.

Am und im Wald entlang geht es nun den Schildern folgend zur Lengefelder Warte. Dort wird auf den schmalen Pfad des Mühlhäuser Landgrabens gewechselt, der durch abwechslungsreiche Natur zurück nach Bickenriede führt.

Tipps zur Tour

Ausgangspunkt für die etwa zwölf Kilometer lange Wanderung ist am Ortsausgang von Bickenriede, Richtung Büttstedt.

Die Gehzeit für die Strecke beträgt etwa dreieinhalb bis vier Stunden.

Besondere Anforderungen stellt die Tour an die Wanderer keine. Insgesamt sind während des Wanderwegs etwa 170 Höhenmeter zu bewältigen. Die maximale Steigung beträgt 27 Prozent.

Die vorgeschlagene Rundwanderung zu den Naturdenkmalen ist eine individuell zusammengestellte Tour. Eine Wanderkarte im Maßstab 1 : 50 000 ist zu empfehlen.

Einkehrmöglichkeit gibt es in Bickenriede, an der Lengefelder Warte und im Klostergut Anrode (nach ffnungszeiten erkundigen). Ein schöner Rastplatz, etwa in der Mitte der Tour, ist die Schutzhütte am Wanderweg entlang der Hollau, Richtung Lengefelder Warte.

(Quelle: R. Weise, U. Fickel, R. Halle, W. Hochstrate, E. Lehnert, R. Faupel, R. Kaiser: „Naturdenkmale im Unstrut-Hainich-Kreis“)

DIASCHAU

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