Zeugen der Eiszeit

Posted by on 9. Juli 2009
Auf dem Wanderweg grüßt auch eine Eulengesichtige

Manchmal muss man die Niederungen der Alltagswelt einen Augenblick hinter sich lassen, um wieder frische Kraft schöpfen zu können. Um einen Moment innezuhalten, muss man nicht gleich die Urlaubskoffer packen. Auch im Unstrut-Hainich-Kreis kann man sich von der Wunderwelt der Natur faszinieren lassen. Zudem gibt es zahlreiche Naturdenkmale, die einen Abstecher wert sind. Wanderwege, die zu Naturdenkmalen führen, sollen in dieser Serie vorgestellt werden. Geologische Naturdenkmale im Osten des Landkreises sind die Findlinge im Schlosspark von Neunheilingen und am Rand des Dorfplatzes in Issersheilingen. Ganz in der Nähe, am südlichen Stadtrand von Schlotheim, steht ein Baumnaturdenkmal, eine prächtige Stiel-Eiche.

Von Iris HENNING

LANDKREIS.

Sag zu einer Frau, sie hätte ein Eulengesicht, und sie wird es nicht als Kompliment auffassen. Die gut 400-jährige Stiel-Eiche am Königsholz in Schlotheim ist weniger eitel. Stolz trägt sie ihr Eulengesicht zur Schau. Das Gesicht ist eine Narbe. Vor etwas mehr als hundert Jahren mussten nach einem Blitzeinschlag die unteren starken ste abgesägt werden. An den Schnittstellen entstanden an dem Stamm Verwachsungen, die einem Eulengesicht ähneln. Die Schlotheimer nennen ihre Eiche darum auch gern „Eulenbaum“. Erst vor fünf Jahren wurde die prächtige, knapp zwanzig Meter hohe Stiel-Eiche unter Schutz gestellt. Ihr Standort am Königsholz (südlicher Stadtrand am Funkturm) soll Ausgangspunkt einer etwa zehn Kilometer langen Rundtour sein, die mit zwei weiteren Naturdenkmalen bekannt macht, mit den Findlingen in Issersheilingen und Neunheilingen.

Schnurstracks nach Süden führt der Wanderweg nach Issersheilingen über den Kirchberg, der in mancher Publikation auch Kirschberg genannt wird. Das wundert nicht: Der erste Teil der Wegstrecke ist von Kirschbäumen gesäumt, bis es durch ein Stück Forst geht, die „Kleine Sonder“ genannt. Nach gut drei Kilometer abwechslungsreicher Strecke durch Wald und entlang Feldern ist Issersheilingen schon erreicht. Ein gepflegtes Dorf mit einem wunderschön gestalteten Anger empfängt den Wanderer. Eine kleine Suchaufgabe hält Issersheilingen dann aber bereit: Wo ist der Findling? Am Anger, an der Ecke zur Hintergasse, ist der Zeuge der ehemaligen Gletscherbedeckung aus der Elsterkaltzeit (Beginn vor etwa 450000 Jahren, Ende vor etwa 330000 Jahren) auszumachen. Allzu große Erwartung an ein gigantisches Ausmaß sollte man aber nicht haben. Der Findling, der 1938 unter Schutz gestellt wurde, ist mit seinen Maßen von etwa 75 mal 53 Zentimetern wahrlich kein Riese und duckt sich unauffällig an eine Hausecke.

Eine Suchaufgabe hält auch Neunheilingen bereit. Das Dorf ist nach gut eineinhalb Kilometer Landstraße erreicht. Im oberen Bereich des Schlossparks soll der Standort des Braunkohlenquarzit-Findlings sein. Hinter hohen Brennnesseln ist er nach längerem Suchen gefunden. Oberhalb eines einst herrschaftlichen und nun vernachlässigten Grabes ist der Findling aufgestellt. Ein kleinerer Bruder liegt daneben. Auch diese, ebenfalls nicht sehr großen Steine wurden 1938 unter Schutz gestellt und sind Denkmale der Natur.

Wer enttäuscht sein sollte von der Niedlichkeit der geologischen Naturdenkmale wird auf weiterem Weg reich entschädigt. Der Wanderweg über den Hoeck und durch die Große Sonder zurück zum Ausgangspunkt hält so einiges Sehenswertes bereit, so den ur- und frühgeschichtlichen Grabhügel auf dem Hoeck – ein geschütztes Bodendenkmal – und das Naturschutzgebiet im Großen Sonder mit dem Hanfsee. Der Wanderweg (ausgeschildert mit gelbem Dreieck auf weißem Grund) führt direkt daran vorbei. Eine Tafel informiert über die Entstehung des Hanfsees, dessen Verlandung und über die Artenvielfalt der Fauna und Flora in diesem Gebiet. Hat man den Wald „Große Sonder“ nach einem guten Kilometer verlassen, sind es nur noch wenige hundert Meter bis zum Ausgangspunkt am „Eulenbaum“.

Tipps zur Tour

Der Standort der Stiel-Eiche im Königsholz in Schlotheim (südlicher Stadtrand am Funkturm) ist Ausgangspunkt für die etwa zehn Kilometer lange Rundtour.

Die Gehzeit für die Strecke beträgt etwa drei Stunden.

Besondere Anforderungen stellt die Tour an die Wanderer keine. Etwa 108 Höhenmeter sind zu bewältigen. Die maximale Steigung beträgt dabei 12 Prozent.

Die Strecke setzt sich aus zwei Wanderwegen zwischen Schlotheim und Issersheilingen und – retour – Neunheilingen und Schlotheim zusammen. Von Issersheilingen sind es gut eineinhalb Kilometer (wenig befahrene) Landstraße bis Neunheilingen. Eine Wanderkarte im Maßstab 1 : 50 000 ist zu empfehlen.

Einkehrmöglichkeit gibt es in den Dörfern (vorher nach ffnungszeiten erkundigen). Eine Brotzeit aus dem eigenen Rucksack ist empfehlenswert. Einen guten Rastplatz gibt kurz vor Ende der Tour, in der Großen Sonder.

(Quelle: R. Weise, U. Fickel, R. Halle, W. Hochstrate, E. Lehnert, R. Faupel, R. Kaiser: „Naturdenkmale im Unstrut-Hainich-Kreis“)

DIASCHAU

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.