Reizvolle Quellen

Posted by on 2. Juli 2009
Thomaswiese ist Refugium für Pflanzen- und Tierwelt

Manchmal muss man die Niederungen der Alltagswelt einen Augenblick hinter sich lassen, um wieder frische Kraft schöpfen zu können. Um einen Moment innezuhalten, muss man nicht gleich die Urlaubskoffer packen. Auch im Unstrut-Hainich-Kreis kann man sich von der Wunderwelt der Natur faszinieren lassen. Zudem gibt es zahlreiche Naturdenkmale, die einen Abstecher wert sind. Wanderwege, die zu Naturdenkmalen führen, sollen in dieser Serie vorgestellt werden. Eines der bekanntesten und schönsten geologischen Naturdenkmale in Mühlhausen ist die Popperöder Quelle. Ganz in ihrer Nähe sind weitere Denkmale: die Thomasquelle und die Thomaswiese.

Von Iris HENNING

MHLHAUSEN.

Während eines Erdbebens und durch einen Erdfall soll die Popperöder Quelle im Jahr 1199 entstanden sein. In unmittelbarer Nähe dieser bekannten Quelle befindet sich eine weitere: das Grundsloch. Wann das Grundsloch entstand, ist allerdings unbekannt. Es wurde 1894 bei dem Bau einer Wasserleitung bedeckt und liefert noch heute Trinkwasser für Mühlhausen. Der Bach der Popperöder Quelle war über Jahrhunderte schon Anziehungspunkt der Mühlhäuser, besonders nach dem Bau des Brunnenhauses zwischen 1611 und 1614. Die Tradition der jährlichen Brunnenfeste wird auch heute noch fortgeführt. Unter Schutz gestellt wurde die Popperöder Quelle im Jahr 1938.

Die Popperöder Quelle soll Ausgangspunkt einer kleinen, erlebnisreichen Wanderung zur Thomasquelle und der Thomaswiese mit den Thomasteichen sein. Richtung Süden führt ein mit einem „x“ gekennzeichneter Weg an diesen geologischen Naturdenkmalen vorbei. Nach etwa einem Kilometer, inmitten eines brach liegenden, von wilden Blumen bewachsenen Feldes liegt, von Bäumen und Sträuchern umringt, die Thomasquelle. Sie ist viel jünger als die Popperöder Quelle. Im Januar 1901 bildete sich dort ein Erdfall, der sich binnen einiger Tage mit Wasser füllte. Das stieg höher und höher und stürzte mit Schwall über den Acker, wo es sich ein Bett gegraben hat, in die Thomasteiche. Auf Grund des hohen Salzgehalts eignet sich das Wasser der Thomasquelle nicht als Trinkwasser. Wunderschön ist aber der smaragdgrüne Schimmer der Quelle, die etwa 47 Meter tief ist. Im Jahr 2000 wurde die Thomasquelle zum Naturdenkmal erklärt. Der im Jahr 1904 geschaffene künstliche Ablauf der Quelle wurde im vergangenen Jahr wieder vollständig zurückgenommen. Nun plätschert das Wasser wieder munter über den Acker in die Thomasteiche. Das insgesamt etwa dreizehn Hektar große Gelände, die Thomaswiese, wurde 1963 unter Schutz gestellt. Sie ist Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere. Von Biologen hervorgehoben werden die zahlreichen Amphibien, die hier ihren Laichplatz aufsuchen. Grasfrösche und Erdkröten wandern im zeitigen Frühjahr in breiter Front aus dem nördlichen Hainich zum Gewässer. Zahlreiche Vogelarten sind auszumachen: Drosselrohrsänger, Rohrschwirl, Rohrweihe und Braunkehlchen zum Beispiel. ber einige Jahre war das Schutzgebiet zusammen mit dem benachbarten Schwanenteich das einzige Thüringer Brutgebiet der Kolbenente. Eisvögel können hier nahezu das ganze Jahr beobachtet werden. Wohl in diesem naturbelassenen Refugium fühlt sich auch der Mensch. Besonders in den warmen Sommermonaten sind lauschige Abende an den Thomasteichen beliebt.

Auch, wenn es nun den selben Weg zum Ausgangspunkt zurück geht, ist dieser nicht langweilig. Die angenehmen Eindrücke der Thomasquelle und Thomaswiese sind Begleiter. Wer noch weitere Abwechslung sucht, ist der Weg von der Popperöder Quelle durch den gepflegten Park zum „Schwanenteich“ empfohlen. Mit einer Gondelpartie über den Teich kann der Tag ausklingen. Ganz so idyllisch ruhig wie an der Thomasquelle und auf der Thomaswiese ist es hier allerdings nicht. Besonders an den Wochenenden und bei schönem Wetter ist der „Schwanenteich“ eines der beliebtesten Ausflugsziele der Mühlhäuser.

Tipps zur Tour

Ein kleiner Parkplatz an der Popperöder Quelle ist Ausgangspunkt dieser familienfreundlichen kleinen Tour, die etwa drei Kilometer kurz ist.

Die Gehzeit für die Strecke beträgt etwa eine Stunde.

Besondere Anforderungen stellt die Tour an die Wanderer keine.

Die Mini-Wanderung ist ein individuell gewählter Wanderweg, er weicht ab von mit dem „x“ gekennzeichneten Weg. Nur so ist die Thomasquelle über eine mit hüfthohem Gras und wilden Blumen bewachsene Wiese zu erreichen. Verlaufen kann man sich aber nicht.

Einkehrmöglichkeiten gibt es keine. Rastplätze für eine Brotzeit aus dem eigenen Rucksack gibt es an den Thomasteichen (Decke mitnehmen) und an der Popperöder Quelle. Wer noch Lust hat, zum „Schwanenteich“ zu laufen, findet dort eine Gaststätte.

(Quelle: R. Weise, U. Fickel, R. Halle, W. Hochstrate, E. Lehnert, R. Faupel, R. Kaiser: „Naturdenkmale im Unstrut-Hainich-Kreis“)

DIASCHAU

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