Gepflegte Schönheit

Posted by on 29. Juni 2009

Im nächsten Jahr gibt es ein Jubiläum im Steinbrecher’schen Garten in Oberdorla: Der Birnenbaum wird hundert Jahre alt. Diesen Baum lieben Regina und Peter Steinbrecher. Nicht nur wegen der süßen Früchte, die er alljährlich spendiert. Der Platz unter dem Baum ist an sommerlichen Abenden ihr Lieblingsort. Dorthin schickt die untergehende Abendsonne ihre letzten Grüße.

Von Iris HENNING

OBERDORLA.

Gut 35 Jahre ist es her, als Peter Steinbrecher Garten und Fachwerkhaus der Eltern übernahm. Schon die Großeltern wohnten in diesem letzten Haus einer Sackgasse inmitten des Dorfes, dem man von außen eigentlich keinen großen Garten zutraut. Ein Garten war es auch nicht, als Peter Steinbrecher in das Haus einzog. „Stallungen, Scheune, Schuppen, Gemüsebeet, etwas Obst und Auslauf für die Hühner“, beschreibt er das Erbe, das er gern angetreten ist. Selbstversorgung war in der Generation seiner Großeltern, Eltern und in seinen eigenen frühen Jahren wichtig, so wie in der nahen Kreisstadt für viele die Schrebergärten die Quelle der Selbstversorgung war. Der Steinbrechersche Hof gab vieles her, was über das Jahr gebraucht wurde.

Obst und Gemüse gibt er auch heute noch. „Was wir in der Küche eben so brauchen“, verweist Regina Steinbrecher auf ihr gepflegtes und gut sortiertes Gemüse- und Kräuterbeet. Schuppen, Stall und Scheune sind allerdings längst verschwunden. Sie machten Platz für einen Garten der Erholung und Entspannung, der sich im Lauf der Jahre entwickelte. Eine Sitzecke und ein Strandkorb laden zum Lesestündchen am seerosenbewachsenen Teich ein, aus Quellsteinen sprudelt gemütlich klares Wasser, ein Brunnen ist zusätzlicher Hingucker. „Wasser ist mein Element“, fühlt sich Peter Steinbrecher in diesem Refugium wohl. Einer, der es sich darin nur gemütlich macht, ist er aber nicht. Die Schönheit des Gartens will gepflegt sein. Gut 1100 Quadratmeter verlangen ihre Zeit. Zudem sind die Steinbrechers Gestalter: Eine Sitzecke hier, eine dort, eine mit Dach, eine andere ohne, eine in der Sonne, andere im Schatten. Dieser Garten bietet Platz bei jedem Wetter. Und das nicht nur für deren Besitzer. Die Steinbrechers sind gastfreundliche Leute, entsprechend großzügig sind die gemütlichen Nischen eingerichtet. Besonders duftig sind die, die von Rosen umgeben sind. „Meine Schönen“, nennt Peter Steinbrecher die Königin der Blumen. „Etwas muss bei uns immer blühen“, legt Regina Steinbrecher Wert auf bunte Abwechslung. In das Blütenreich einbezogen sind die Bäume und Sträucher. Regina und Peter Steinbrecher erzählen von der üppigen Magnolie, der weißen Pracht der Obstbäume, von dem zig tausendfachem Summen und Brummen der Insekten im Lindenbaum und von ihrer Vorfreude auf die Schönheit der Hortensie, die gerade dabei ist, ihre Blüten zu entfalten.

Ein neuer Begegnungsort im Garten soll in der nächsten Zeit das „Backhaus“ werden. Brot und Brötchen sollen darin gebacken werden, zur eigenen Freude und zur Freude derer, die gern zu Besuch kommen. Dieses Haus wird „Marke Eigenbau“, wie vieles im Garten von indiviudeller Handschrift ist. „Meine Frau hat die Ideen, ich setze sie dann um“, so der bereits pensionierte Gartengestalter. So haben die alten Steine aus Vorgängerbauten, die bei Gartenarbeiten gefunden wurden, noch immer ihre neue Lebensaufgabe aufgetragen bekommen: als Umrandung für das Hochbeet, als Schmuckelement, als Wegbegrenzung. Ideen zur Gartengestaltung hat Regina Steinbrecher immer wieder. So manche davon wird im warmen Licht der untergehenden Abendsonne unter dem alten Birnenbaum geboren.

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