Alberts Abschied

Posted by on 27. Juni 2009
Melancholische Heiterkeit und ein unerwarteter Zugriff in die Abendeinnahmen

Mit einem Liedermix aus melancholischer Wehmut und Heiterkeit, verrückten Episoden und Anekdoten aus seinem Leben in der Theaterwerkstatt 3K und spannenden Video-Clips verabschiedete sich Albert Sadebeck nach 18 Jahren von der 3K-Bühne sowie von seinen Verwandten, Freunden und Bekannten. Der 35-Jährige zieht weg von Mühlhausen, um sein Leben anderswo zu gestalten.

Von Iris HENNING

MHLHAUSEN.

Voll war es in der Spielstätte. Viele waren gekommen, um Albert Sadebeck als Komponisten, Sänger und Videokünstler noch einmal auf der Bühne zu sehen, ihn zu umarmen und ihm alles Gute zu wünschen auf seiner Suche nach seinem persönlichen Lebensglück. Sadebeck will Mühlhausen den Rücken kehren (diese Zeitung berichtete). Berufliche und persönliche Erfüllung konnte er hier bislang nicht finden. Mit seinem Abend „Wanko Wanko“ in der 3K-Spielstätte wollte er seinen würdigen Abgang von der Mühlhäuser Bühne inszenieren, wollte auf heiter-persönliche Art Tschüss sagen zu all seinen Freunden, Bekannten und Wegbegleitern.

Einer der wichtigsten Wegbegleiter ist Bernhard Ohnesorge, der Leiter des 3K-Ensembles. „Er war für mich wie ein Ziehsohn“, sagt Ohnesorge. Und später, nach der Vorstellung, wird er noch hinzufügen, dass der Albert mittlerweile so manches besser könne als er. „Das ist einer, der sich reinkniet, der sich nicht schont. Aber andere auch nicht“, erkennt Ohnesorge an. Für den neuen Lebensabschnitt in Leipzig, dem Wunschort von Sadebeck, wünscht er ihm alles Gute. „Auch wenn es schwer wird Fuß zu fassen, ist es wichtig, von der großen Welt zu kosten“, sagt Ohnesorge. Nur so könne man erkennen, wie weit die eigenen Grenzen gezogen seien. Am Können seines „3K-Kindes“ zweifelt er nicht: „Albert hat viele Talente, hat viele ausgebaut. Vielleicht zu viele. Er muss sich entscheiden, muss sich finden“, sind väterliche Ratschläge.

Weniger ernst verabschiedete sich Sadebeck, den mehr als die Hälfte seines Lebens mit der Spielstätte 3K verbindet, von seinem Publikum. Mit Liedern, Episoden und Anekdoten gab er einen hinreißend-komischen Blick auf einen Teil seiner Biografie und in die 3K-Kinderstube. Sadebeck scheint einer zu sein, der für Pleiten, Pech und Pannen geboren ist und über die er äußerlich auch dann noch lacht, wenn er innerlich dicke Tränen vergießt. So wie am Abschiedsabend. Das Pech hat ihn bis in die Vorstellung verfolgt. In der Spielpause baute sich plötzlich ein hochgewachsener, kräftiger Mann mit unbestechlicher Mine und gewichtiger dicker schwarzer Aktentasche vor ihm auf. Dann ging es hinter die Kulissen. Der Gerichtsvollzieher bediente sich an den Spenden der Gäste, die diese statt Eintrittsgeld für den Abend gaben. Diese Zuwendung hatte sich Albert Sadebeck für seinen Neustart in Leipzig gewünscht. Aber er ist ein Profi: The show must go on – die Schau muss weiter gehen, „Wanko, Wanko“.

Alles Gute, Albert, für eine glückvollere Zukunft auf deinem nun eingeschlagenen Weg – das wünschten ihm an diesem Abend alle seiner richtigen Gäste.

One Response to Alberts Abschied

  1. Albert

    Tausend Dank an Dich, Iris! Toll geschrieben, mein Empfinden 100%-ig getroffen und mir noch ’ne Träne entlockt! In diesem Sinne: WANKO-WANKO!

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