Tschüss, Mühlhausen

Posted by on 22. Juni 2009
Albert Sadebeck, den viele aus der 3K-Theaterwerkstatt kennen, verlässt die Stadt

Er nimmt seinen Hut und kehrt Mühlhausen den Rücken. So, wie es viele vor ihm getan haben und so, wie es noch viele nach ihm tun werden. Der künstlerisch ambitionierte Albert Sadebeck (35), den viele aus der 3K Theaterwerkstatt kennen, sieht für sich keine Zukunft in der Kleinstadt. Am Freitag, 26.06., nimmt er offiziell Abschied: von seiner Familie, seinen Freunden und von 3K. Dazu lädt er in die Spielstätte Kilianikirche ein.

Von Iris HENNING

MHLHAUSEN.Albert Sadebeck

Einmal noch will er im Mittelpunkt stehen, will sich mit künstlerischen Rückblenden, Anekdoten und Liedern den Applaus des Publikums erarbeiten und ihn genießen. Etwa 18 Jahre und damit mehr als die Hälfte seines Lebens ist er mit der Theaterwerkstatt verwoben. Mal mehr, mal weniger. Jetzt will er sich ganz heraustrennen. Endgültig. Für immer. Was aus ihm, dem Herausgetrennten wird, weiß er noch nicht. „Ich gehe nach Leipzig, fange dort neu an“, sagt der junge Mann. Von einem Leben in der Großstadt erhofft er sich mehr Impulse, mehr Möglichkeiten, mehr Freiräume. Mühlhausen ist ihm zu eng geworden. Als „Fachkraft für Veranstaltungstechnik“, die er mit und bei 3K über Umwege geworden ist, sieht er für sich keine Möglichkeit einer Weiterentwicklung. Die, so sehnt er sich, soll im Künstlerischen liegen.

Der Mann kann was, das hat er in den zurückliegenden Jahren bewiesen. Seine phantasievollen Videoclips fanden stets Beachtung. Er spielt Klavier, singt und schreibt Musik. Er hat ein Gefühl für den richtigen Ton und Unterton als Geräuschkulisse für Inszenierungen. Nur mit dem persönlichen Umgangston, das gesteht er, habe er Probleme. „Ich glaube, ich lasse kein Fettnäpfchen aus, in das ich nicht hineintrete“, sagt er. Diplomatie ist nicht seine Stärke. Ebenso wenig Geduld. Das sorgte für Spannungen in der 3K-Mannschaft. Und für Missverständnisse, wie er glaubt. Er verließ das Ensemble Ende 2006. Trotzig, traurig und mit dem Gefühl, einen Verlust verkraften zu müssen. Seit 1993, gleich nach dem Abitur, traf er auf 3K wie auf eine große Liebe. Er half wo er konnte in dem kleinen Verein, den damals nur wenige kannten. Er schlüpfte erst in kleine, später auch in wichtige Rollen und hatte viel Spaß dabei. Er lernte Noten und Klavierspielen und schulte seine Stimme. Seinen Lebensunterhalt konnte er von all dem allerdings nicht bestreiten. Er nutzte die Chance und qualifizierte sich zum Techniker, als so ein Profi in der größer gewordenen Spielstätte gesetzlich verlangt wurde. Der Spagat zwischen den Anforderungen an den Techniker und dem Wunsch nach Freiräumen für die Kunst gelang ihm aber nicht. Auf seine geliebte Bühne kam er immer weniger. Er zog für sich die Konsequenz, wählte die Freiberuflichkeit. Um bitter festzustellen: Ein Videokünstler hat in Mühlhausen kaum Chancen. Ausgerechnet in dieser Phase scheiterte auch noch seine Beziehung. „Mit Mitte dreißig hatte ich das Gefühl, auf die Trümmer meiner Biografie zu schauen“, sagt Sadebeck.

Er suchte wieder Halt bei 3K, wissend, dass es ein Zurück in eine Anstellung nicht mehr geben konnte. Aber die zurückgelassenen Spannungen behagten ihm nicht, die wollte er ausräumen. Zudem war und ist da immer noch dieses Gefühl: Diese kreative Spielstätte ist ihm wichtig.

Trotzdem will er seinen Hut nehmen und gehen. Dieses Mal soll es aber ein würdiger Abgang sein. Dazu ist heute Abend, 20 Uhr, in die Spielstätte und in das „Kaff“ eingeladen. Verwandte, Freunde und Bekannte sind willkommen. Das Eintrittsgeld und Spenden aus diesem Abend will Albert Sadebeck in seinen Neustart in Leipzig investieren.

One Response to Tschüss, Mühlhausen

  1. Christiane

    Diese Nachricht über den Weggang des Herrn Albert Sadebeck ist recht traurig und spiegelt auch meine Gedanken und Gefühle sowie Erlebnisse wider.
    Ein radikaler Neuanfang ist oft nicht besonders einfach, aber wird eine große Chance beinhalten neue Wege zu betreten. Ich wünsche ihm wie auch mir die Fülle der Möglichkeiten und das mutige Aufgreifen einer Perspektive die verheißungsvoll mit einer gesicherten Existenzgrundlage einhergeht. Neues Spiel – neues Glück!
    Für alle in Mühlhausen hinterbliebenen: Das Leben ist nicht nur harte Arbeit und Schnäppchenjagd sondern auch Genuss und Schönheit, Qualitäten, die man sich einladen kann und sollte!
    Christiane – Exmühlhäuserin

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