Süchtig nach Leben

Posted by on 22. Juni 2009
Offenes Atelier bei Harald Stieding: Zwischen Gefallen und Sprachlosigkeit

Erlaubt ist nicht nur, was gefällt, auch was sprachlos macht. Das sagte einmal Harald Stieding und das stellt der Bildhauer und Grafiker in seinen Werken dar: gefällige Arbeiten und Arbeiten, die den Betrachter doch irgendwie sprachlos machen.

BAD LANGENSALZA (ih).Harald Stieding, offenes Atelier (12)

Das Pferd, das seit langem am Hinterbein kopfüber von der Decke seines Ateliers baumelt, ist wohl ein Beispiel für ein Stück Sprachlosigkeit. Es sieht brutal aus, wie es so hilflos baumelt, und der Todesschrei längst verstummt ist im Maul. Das Pferd hat Glück – es ist aus Modelliermasse und hat nichts gespürt. Nur der Betrachter zuckt zusammen. Für einige Verwirrung sorgen auch die neuen Eva-Töchter Stiedings, eine Edition von Kleinplastiken aus Bronze. sthetisch wohlgeformt wirken sie doch seltsam verletzt, verletzlich.

Immer wieder gern aufgegriffen werden von Stieding die Themen Verführung und, ja, Begierde. Lustvoll sind seine erotischen Zeichnungen, die nichts verbergen – im Gegenteil. Sinnlich sind seine in Stein gehauenen weiblichen Geschöpfe und kraftvoll errigiert so manches männliche Körperteil dargestellt.

Viel beachtet wurden seine älteren und jüngsten Werke jetzt zu den offenen Tagen des Ateliers, zu dem der Bildhauer eingeladen hatte. Nicht nur aus Bad Langensalza kamen die Neugierigen und Kunstinteressierten, um die vielen „Stiedings“ im Garten und Atelier kennenzulernen. Besuch reiste auch aus der Landeshauptstadt an. Für Gesprächsstoff war allemal gesorgt. „Bilder meiner Arbeit – als Teil meines Lebens“, schrieb Harald Stieding einmal in einem Begleitkatalog. Er muss wohl ein Süchtiger nach Leben sein, so sehr greift der Künstler danach. Immer noch. Hoffentlich noch lange, für immer während seines Schaffens.

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