Stolze Dickleibige

Posted by on 17. Juni 2009
Die alte Linde in Alterstedt ist eine der stattlichsten in ganz Thüringen

Manchmal muss man die Niederungen der Alltagswelt einen Augenblick hinter sich lassen, um wieder frische Kraft schöpfen zu können. Um einen Moment innezuhalten, muss man nicht gleich die Urlaubskoffer packen. Auch im Unstrut-Hainich-Kreis kann man sich von der Wunderwelt der Natur faszinieren lassen. Zudem gibt es zahlreiche Naturdenkmale, die einen Abstecher wert sind. Wanderwege, die zu Naturdenkmalen führen, sollen in dieser Serie vorgestellt werden. In Alterstedt steht eine der stattlichsten Sommerlinden Thüringens.

Von Iris HENNING

ALTERSTEDT.

Etwas versteckt steht die Linde neben der alten Dorfkirche. Mit ihrem dickleibigen Umfang von etwa siebeneinhalb Metern ist sie die stärkste ihrer Art im Landkreis. Auf wulstigem Fuß hat sie sich ihren Standort behauptet. Mindestens seit einem Vierteljahrtausend ist Alterstedt ihre Heimat, manche Experten schreiben ihr noch mehr Lebensjahrzehnte zu. Genau ermitteln lässt sich das Alter der Sommerlinde nicht: Im Inneren ist sie hohl, Jahresringe gibt es keine mehr.

Das idyllisch und etwas abseits gelegene Hainichdorf Alterstedt ist ein guter Ausgangspunkt für eine Rundwanderung, die durch ein Stück wenig bewanderte und sehr abwechslungsreiche Natur führt. Dem Schild „Barfußweg“ folgend, hat man das etwa 200-Seelen-Dorf schnell verlassen und findet sich inmitten von Feldern wieder. Kaum ein Fetzen Lärm schafft es, bis hierher vorzudringen. Von der kleinen Anhöhe ein Blick zurück, zeigt das beschauliche Alterstedt. Mitten in ein Feldernest hat sich der Ort gekuschelt. Nur noch die Kirchturmspitze und ein paar wenige Dächer lässt der Nestling aus dieser Entfernung erkennen.

Der knapp vier Kilometer lange Barfußweg überrascht mit sehr unterschiedlichen Biotopen. Zudem, wer es tatsächlich barfuß auf der einen Kilometer langen Kernstrecke wagt, spürt, wie es an den Fußsohlen piekst und kribbelt. Kinder finden hier ganz bestimmt ihren besonderen Spaß. Einmal auf dem Weg, ist es nicht mehr weit zum Baumkronenpfad an der Thiemsburg, dem Touristenmagnet in der Region. Die Schuhe sollten aber wieder angezogen werden. Ruhig ist es an der Thiemsburg allerdings nicht. Besonders an den Wochenenden und Feiertagen sind es oft Tausende aus Nah und Fern, die sich angezogen fühlen sowohl von der Einmaligkeit der Natur, dem künstlichen Weg durch die Baumwipfel als auch von der gut organisierten Gastronomie. Nahe der Thiemsburg, etwa einen halben Kilometer westwärts, steht das nächste Naturdenkmal, das inmitten des Waldes allerdings kaum auffällt. „Braut und Bräutigam“ werden die zwei am Fuß zusammengewachsenen Traubeneichen genannt. Eine Ruhebank steht vor dem Paar. Schade nur, dass die Tafeln „Braut“ und Bräutigam“ von der Bank entfernt wurden. So bleibt es allein den Wissenden vorbehalten, wie diese etwa 150 Jahre alten Eichen noch genannt werden.

Ist man bis jetzt westwärts gewandert, geht es nun zurück, Richtung Zimmern, dem Nachbarort von Alterstedt. Eine sanft hügelige Landschaft, in der sich Wacholder und Weißdorn besonders wohlfühlen und in der es sich Orchideen gut gehen lassen, ist nach dem Verlassen des Waldes der neue Begleiter. Mit etwas Glück begegnet man auch noch einer Schafherde und kommt mit dem Schäfer ins Gespräch. „Ja, eine gute Zeit“, sagt er. „Aber wer weiß wie lange noch“, sinniert er. „Niemand von den jungen Leuten will mehr Schäfer sein“, sieht er seinen Beruf vom Aussterben bedroht. Und niemand scheint da, diesen unter Schutz stellen zu können. Da hat es das Stück Nationalpark, durch das gerade gewandert wird, besser.

Bis nach Zimmern folgen wir dem Weg nun nicht mehr. Wir biegen nach links ab, steuern Alterstedt an und genießen dort noch für eine Weile die gut erhaltene und gepflegte dörfliche Bausubstanz sowie die beinah schläfrige Ruhe. Schnell wird uns der hastige Rhythmus der Alltagspflichten wieder eingeholt haben.

Tipps zur Tour

Ausgangspunkt für diese etwa zehn Kilometer lange Rundwanderung ist das 200-Seelen-Dörfchen Alterstedt. Gefolgt wird dem Wegweiser „Barfußweg“

Die Gehzeit für die Strecke beträgt etwa drei Stunden.

Besondere Anforderungen stellt die Tour an die Wanderer keine. Etwa 110 Höhenmeter sind zu bewältigen. Die maximale Steigung beträgt dabei 13 Prozent.

Die Strecke ist gut ausgeschildert, die Thiemsburg ist nicht zu verfehlen. Schwieriger wird es dagegen, „Braut und Bräutigam“ mitten im Wald zu finden. Am besten ist es, einen Ranger der Nationalparkverwaltung zu fragen. Der erklärt den Weg.

Empfehlenswert ist ein Besuch des Baumkronenpfades an der Thiemsburg. Aber auch, wer nur eine Rast einlegen möchte, findet hier ein

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